Ein über­schau­ba­rer Kreis

Bo­rus­sia sucht ei­nen Füh­rungs­spie­ler fürs Zen­trum. Es gibt nur we­ni­ge ein­deu­ti­ge Kan­di­da­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON JAN­NIK SORGATZ

Frü­her war es ei­ne re­gel­rech­te Be­schimp­fung, wenn Fuß­ball­fans dem Sport­di­rek­tor ih­res Ver­eins vor­war­fen, er fahn­de wie im PC-Spiel „Fuß­ball Ma­na­ger“nach Neu­zu­gän­gen. Da ließ sich der Kreis der Kan­di­da­ten per Such­mas­ke ziem­lich ge­nau ein­schrän­ken: Po­si­ti­on, Al­ter, Her­kunft, Ta­lent, ma­xi­ma­le Ab­lö­se.

Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach be­fin­det sich auf der Su­che. Max Eberl hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Wen­dung „et­was ma­chen wol­len“eta­bliert, und bei­na­he von Tag zu Tag wird deut­li­cher, dass Bo­rus­sia et­was ma­chen will auf dem Trans­fer­markt. Zum ei­nen ist in Ál­va­ro Do­m­in­guez end­gül­tig ein Spie­ler weg­ge­bro­chen, mit dem der Ver­ein ge­rech­net hat­te. Zum an­de­ren spre­chen Eberl und sein Trai­ner An­dré Schu­bert in­zwi­schen deut­li­cher und häu­fi­ger das Füh­rungs­spie­lerVa­ku­um nach Mar­tin Stranzls, Gra­nit Xha­kas, Ha­vard Nordtveits und Ro­el Brou­wers’ Ab­gang an.

Wür­de Eberl nun ei­ne et­was de­tail­lier­te­re Such­mas­ke be­nut­zen, wür­de er wohl ein­tra­gen: min­des­tens 25 Jah­re alt, ma­xi­mal 30 Jah­re, In­nen­ver­tei­di­ger oder de­fen­si­ver Mit­tel­feld­spie­ler, spricht Deutsch, hat am bes­ten Er­fah­rung in der Bun­des­li­ga, kos­tet ma­xi­mal ei­nen ein­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag Ab­lö­se. Bo­rus­sia sucht ei­nen Füh­rungs­und Struk­tur­spie­ler so wie der da­mals 35-jäh­ri­ge To­mas Galá­sek in der Sai­son 2008/2009 ei­ner wur­de, nur die Kri­te­ri­en sind seit­dem an­spruchs­vol­ler ge­wor­den. Be­rück­sich­tigt man al­le Kri­te­ri­en, bleibt ein über­schau­ba­rer Kreis.

Spie­ler wie Le­on Go­retz­ka (FC Schal­ke 04) oder Ma­xi­mi­li­an Ar­nold (VfL Wolfs­burg) sind gar nicht zu be­zah­len, sie wür­den zu­dem nicht ad hoc ei­ne Füh­rungs­spiel­er­rol­le be­klei­den kön­nen. Spie­ler aus dem Aus­land oh­ne Bun­des­li­ga­be­zug und Deutsch­kennt­nis­se wä­ren nicht so fix in­te­grier­bar. Ei­ner wie Ex-Bo­rus­se Micha­el Brad­ley, Vi­ze­meis­ter in der Ma­jor Le­ague Soc­cer mit dem To­ron­to FC, passt in vie­ler­lei Hin­sicht ins Ras­ter, hat­te aber ein un­schö­nes En­de in Mön­chen­glad­bach. Un­ter Lu­ci­en Fav­re hät­te man ihn ger­ne mal er­lebt.

Wenn im In­ter­net von Bas­ti­an Schwein­stei­ger die Re­de ist, dann muss man ganz ge­nau le­sen, ob das ein Witz ist. Meis­tens ist es das. Der Welt­meis­ter wä­re selbst mit dem Bruch­teil sei­nes Ge­halts, das er bei Man­ches­ter Uni­ted be­zieht, für Bo­rus­sia nicht zu be­zah­len. PR-Trans­fers macht der Klub seit Gio­va­ne El­ber nicht mehr. Zu­dem stellt sich na­tür­lich auch die Fra­ge, war­um sich Schwein­stei­ger das an­tun soll­te. Se­riö­se Kan­di­da­ten gibt es nur we­ni­ge. Auch Da­ni­el Bai­er vom FC Augs­burg ist kei­ner, ein Typ wie Schwein­stei­ger, aber eben auch genau­so alt.

Ei­nen rea­lis­ti­schen Kan­di­da­ten hat die „Sport Bild“noch ein­mal ge- nannt. Nu­ri Sa­hin soll bei Eberl auf dem Zet­tel ste­hen. Auch wenn Bo­rus­sia Dort­mund be­teu­ert, den 28Jäh­ri­gen nicht ab­ge­ben zu wol­len, er­gibt die Ver­bin­dung Sinn. Sa­hin hat beim BVB un­ter Tho­mas Tu­chel kei­ne re­el­le Chan­ce mehr, Gro­ßes zu rei­ßen, in Glad­bach hät­te er die. Leis­ten könn­te man sich den Tür­ken trotz sei­nes üp­pi­gen Ge­halts, sein Ver­trag läuft noch bis 2018.

Glei­ches gilt für Ne­ven Su­bo­tic, der eben­falls im Ge­spräch ist. Der Ser­be hat sich nach sei­nem Come­back di­rekt wie­der ver­letzt. Wenn Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach sich um Spie­ler von Bo­rus­sia Dort­mund be­mü­hen will, dann geht das eben nur, wenn die­se ei­nen ge­wis­sen Ma­kel ha­ben. Ge­gen Sa­hin und Su­bo­tic spricht nicht nur ih­re Ver­let­zungs­an­fäl­lig­keit, son­dern auch die Tat­sa­che, dass der BVB sel­ten ei­ne Spie­ler­quel­le für Glad­bach war, ge­nau ein­mal erst – vor ei­nem Jahr kam Jo­nas Hof­mann. Der Acht-Mil­lio­nen-Trans­fer ist weit da­von ent­fernt, bei An­dré Schu­bert ei­ne wich­ti­ge Rol­le zu spie­len.

Sport­di­rek­tor Eberl hat nun ei­nen Hin­weis hin­ter­las­sen, der auf Sa­hin und Su­bo­tic zu­trifft, gleich­zei­tig aber zu ei­nem an­de­ren Spie­ler führt. „Ich ha­be da ei­ne Idee“, sag­te Eberl in der „West­deut­schen Zei­tung“über sei­ne Spie­ler­su­che. „Er hat de­fi­ni­tiv schon ei­ni­ge Spie­le auf dem Bu­ckel, wenn es klap­pen soll­te. Wenn er da ist, kön­nen Sie ge­nug schrei­ben, weil er ei­ne ganz in­te­res- san­te Ge­schich­te hat.“Pir­min Sch­weg­ler hat so ei­ne Ge­schich­te in sei­ner Vi­ta: Der Mit­tel­feld­spie­ler von 1899 Hof­fen­heim über­stand als Kind ei­ne Leuk­ämie­er­kran­kung.

Na­tür­lich führt nicht nur Eberls gar nicht so dis­kre­ter Hin­weis zu Sch­weg­ler, er passt auch so ver­blüf­fend gut ins Ras­ter. Er ist 29 Jah­re alt, 2017 läuft sein Ver­trag aus, be­reits ver­gan­ge­nen Som­mer gab es Wech­sel­ge­rüch­te, Sch­weg­ler ver­lor die Ka­pi­täns­bin­de in Hof­fen­heim, die er schon bei Ein­tracht Frank­furt ge­tra­gen hat­te. Er war Schwei­zer Na­tio­nal­spie­ler, ist seit zehn Jah­ren in Deutsch­land, ist ab­ge­stie­gen und wie­der auf­ge­stie­gen, hat Eu­ro­pa­po­kal ge­spielt.

Ja, Sch­weg­ler wür­de nach Glad­bach pas­sen, wo er üb­ri­gens sein ers­tes Bun­des­li­ga­tor er­ziel­te. Auch er war al­lein die­ses Jahr zwei­mal län­ger ver­letzt. Aber in der ak­tu­el­len Si­tua­ti­on, in der Bo­rus­sia wohl nicht ein­mal oder nur ganz knapp ein­stel­lig über­win­tern wird, sind Spie­ler, die oh­ne Ma­kel sind und die An­sprü­che er­fül­len, kaum von ei­nem Kon­kur­ren­ten los­zu­ei­sen.

Zu gu­ter Letzt bleibt der Eberl’sche Über­ra­schungs­fak­tor. Im De­zem­ber 2010 fuhr er mit Te­am­ma­na­ger Stef­fen Ko­rell in die Slo­wa­kei, wo Spar­tak Mos­kau in der Cham­pi­ons Le­ague bei MSK Zi­li­na spiel­te. Bald dar­auf saß ein Spie­ler im Bo­rus­sia-Park, den nie­mand auf der Rech­nung ge­habt hat­te: Mar­tin Stranzl.

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