Bes­ser von der Sucht los­kom­men

Ab 1. Ja­nu­ar 2017 wird es in Mön­chen­glad­bach wie­der ein am­bu­lant-me­di­zi­ni­sches Re­ha-An­ge­bot für Sucht­kran­ke ge­ben. Die Nach­sor­ge bie­tet die bes­te Chan­ce, nach der Ent­wöh­nung ein sucht­frei­es Le­ben füh­ren zu kön­nen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - GESUNDHEIT/LOKALES - VON AN­GE­LA RIETDORF

Die Zah­len sind er­nüch­ternd: Oh­ne an­schlie­ßen­de Re­ha-Maß­nah­me wer­den in­ner­halb des ers­ten Jah­res nach dem Ent­zug 70 Pro­zent, in­ner­halb von zwei Jah­ren 90 Pro­zent der Al­ko­hol­ab­hän­gi­gen rück­fäl­lig. Kon­su­men­ten il­le­ga­ler Dro­gen durch­lau­fen im Durch­schnitt mehr als drei sta­tio­nä­re Ent­wöh­nun­gen. Ab­hil­fe schafft die Nach­sor­ge: Dann ist nach vier Jah­ren die Hälf­te der Sucht­kran­ken noch cle­an be­zie­hungs­wei­se tro­cken. Und nun die gu­te Nach­richt für Mönchengladbacher Be­trof­fe­ne: In Zu­kunft wird es wie­der ein am­bu­lan­tes Nach­sor­gean­ge­bot in der Stadt ge­ben. Da­mit stei­gen die Chan­cen auf ein sucht­frei­es Le­ben.

In Zu­sam­men­ar­beit mit dem Kreis Vier­sen, der das An­ge­bot der am­bu­lan­ten me­di­zi­ni­schen Re­ha seit 2006 vor­hält, kön­nen jetzt auch Dro­gen­be­ra­tung und Dia­ko­ni­sches Werk in Mön­chen­glad­bach die am­bu­lan­te Nach­sor­ge über­neh­men. Ein wich­ti­ger Baustein im An­ge­bot, der bis­her fehl­te, meint Achim Bras­se­ler, Lei­ter der Mönchengladbacher Dro­gen­be­ra­tung und da­mit für die­je­ni­gen zu­stän­dig, die von il­le­ga­len Sub­stan­zen ab­hän­gig sind. Die Kon­su­men­ten le­ga­ler Sub­stan­zen wie Al­ko­hol und Ta­blet­ten wer­den von der Dia­ko­nie be­treut. „Wir ha­ben die­ses am­bu­lan­te An­ge­bot vor Jah­ren auch schon ein­mal an­ge­bo­ten, konn­ten es aber aus fi­nan­zi­el­len Grün­den nicht fort­set­zen“, er­klärt Bri­git­te Bloschak vom Dia­ko­ni­schen Werk. Durch die Ko­ope­ra­ti- on mit dem Kreis Vier­sen ist das nun wie­der mög­lich.

Die am­bu­lan­te me­di­zi­ni­sche Re­ha­bi­li­ta­ti­on ist be­son­ders für die Sucht­kran­ken wich­tig, die fa­mi­li­är gut ein­ge­bun­den und be­rufs­tä­tig sind. Und das sind gar nicht ein­mal so we­ni­ge. „Un­se­re Kli­en­tel hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren er­heb­lich ge­wan­delt“, sagt Achim Bras­se­ler. „Es kom­men im­mer mehr Be­rufs­tä­ti­ge, die Am­phet­ami­ne kon­su­mie­ren, um mit den be­ruf­li­chen An­for­de­run­gen und ih­ren ei­ge­nen ho­hen An­sprü­chen zu­recht­zu­kom­men.“Gera­de für die­se Grup­pe, die so­zi­al in­te­griert ist, ist das am­bu­lan­te Nach­sor­gean­ge­bot be­son­ders wich­tig.

Die Ent­wöh­nung er­folgt sta­tio­när, aber die Um­set­zung des Er­lern­ten in den All­tag ist ent­schei­dend. „Stö­run­gen, und da­zu ge­hö­ren auch Ab­hän­gig­kei­ten, kön­nen dau­er­haft nur dort er­folg­reich be­han­delt wer­den, wo sie ent­stan­den sind“, sagt Dr. Sil­via Schöl­ler, Chef­ärz­tin der all­ge­mei­nen Psych­ia­trie der LVRK­li­nik in Mön­chen­glad­bach. In sta­tio­nä­rer Be­hand­lung wer­de letzt­end­lich ei­ne künst­li­che Si­tua­ti­on ge­schaf­fen. „Der Er­folg der The­ra­pie ist nur nach­hal­tig, wenn die Kon­flik­te vor Ort ge­löst wer­den.“In der Fa­mi­lie, im Be­ruf.

Da­bei hilft und un­ter­stützt die am­bu­lan­te Nach­sor­ge. In wö­chent­li­chen Grup­pen­sit­zun­gen oder Ein- zel­ge­sprä­chen wer­den Kon­flik­te the­ra­peu­tisch be­glei­tet und auf­ge­ar­bei­tet. „Da­bei wird auch das Um­feld ein­ge­bun­den“, er­läu­tert Dr. Ralph Marg­graf, ärzt­li­cher Di­rek­tor der LVR-Kli­ni­ken das in Vier­sen er­folg­reich um­ge­setz­te Kon­zept. Das sei be­son­ders wich­tig, denn hier müs­se ei­ne Ver­hal­tens­än­de­rung er­fol­gen. „Man­che Pa­ti­en­ten be­kom­men zu hö­ren: `Als du noch ge­trun­ken hast, warst du nicht so kom­pli­ziert`“, er­zählt der Me­di­zi­ner. Ei­ne sol­che Re­ak­ti­on macht es na­tür­lich nicht leich­ter, die Fin­ger vom Al­ko­hol zu las­sen.

Bis­her muss­ten Mönchengladbacher, die von der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung, dem Kos­ten­trä­ger, ei­ne Zu­sa­ge für ei­ne am­bu­lan­te Re­ha be­kom­men ha­ben, in die Nach­bar­kom­mu­nen nach Vier­sen, Kre­feld oder Neuss fah­ren. Die Ent­fer­nung er­weist sich er­fah­rungs­ge­mäß aber als Hin­der­nis. „Nicht al­le, die die Zu­sa­ge hat­te, sind dort­hin ge­kom­men“, weiß Achim Bras­se­ler. „Es fehl­te auch die per­sön­li­che Bin­dung an den Be­ra­ter.“

Das ist jetzt zur Freu­de al­ler Be­tei­lig­ten an­ders. „Über Stadt­gren­zen hin­weg in die­ser Sa­che zu­sam­men­zu­ar­bei­ten ist ein po­si­ti­ves Bei­spiel in­ter­kom­mu­na­ler Ko­ope­ra­ti­on“, sagt So­zi­al­de­zer­nen­tin Dör­te Schall. „Die Men­schen be­we­gen sich ja auch stän­dig über die Stadt­gren­zen hin­weg.“

„Un­se­re Kli­en­tel hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah

ren ge­wan­delt“

Achim Bras­se­ler Dro­gen­be­ra­tung

ARCHIVFOTO: AVANTI

Nach­sor­ge hilft: Dann ist nach vier Jah­ren die Hälf­te der Sucht­kran­ken noch cle­an be­zie­hungs­wei­se tro­cken.

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