Bun­des­kanz­le­rin will nicht ne­ben der AfD sit­zen

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON GRE­GOR MAYNTZ

BERLIN Wenn die Bun­des­ver­samm­lung am 12. Fe­bru­ar den neu­en Bun­des­prä­si­den­ten wählt, wer­den erst­mals auch AfD-Mit­glie­der auf den Stüh­len des Plenar­saals Platz neh­men. Doch wo sie sit­zen sol­len, dar­um ist hin­ter den Ku­lis­sen nun of­fen­bar ein Ger­an­gel ent­stan­den. Kein Ein­zel­fall: Auch in Land­ta­gen und Kreis­ta­gen zeig­ten sich die Ver­tre­ter der an­de­ren Par­tei­en nicht im­mer zu­frie­den mit der plötz­li­chen Nach­bar­schaft der Neu­en.

Die Bun­des­ver­samm­lung ori­en­tiert sich tra­di­tio­nell an der Sitz­ord­nung des Bun­des­tags, zu­mal des­sen Ab­ge­ord­ne­te im­mer die Hälf­te je­nes Gre­mi­ums bil­den, des­sen ein­zi­ger Zweck die Wahl des Staats­ober­haup­tes ist. Vom Red­ner­pult aus ge­se­hen saß die FDP stets rechts, da­ne­ben die Uni­on und links die SPD. Als die Grü­nen ein­zo­gen, wan­der­ten sie in die Mit­te, die Lin­ken spä­ter ganz nach links.

Im Bun­des­tag neh­men rechts ne­ben dem Par­la­ments­prä­si­den­ten die Re­gie­rungs­ver­tre­ter Platz. Da die FDP mit wech­seln­den Part­nern in vie­len Re­gie­run­gen saß, bil­de­te die Nä­he zu den Ab­ge­ord­ne­ten­sit­zen nie ein Pro­blem. Doch nun will die Bun­des­tags­ver­wal­tung nach ei­nem ers­ten Vor­ent­wurf al­le nicht im Bun­des­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en ne­ben der Uni­on un­ter­brin­gen, al­so zehn Freie Wäh­ler, ei­nen von der dä­ni­schen Min­der­heit in Kiel, zwölf Pi­ra­ten, 33 Li­be­ra­le – und am Rand auch die 35 AfD-Ver­tre­ter.

Das be­deu­tet: Wenn die Bun­des­ver­samm­lung zum Prä­ju­diz für den nächs­ten Bun­des­tag wird, sit­zen die AfD-Ab­ge­ord­ne­ten der Bun­des­re­gie­rung am nächs­ten. Dar­auf hat nach In­for­ma­tio­nen aus Krei­sen, die mit der Vor­be­rei­tung be­fasst sind, of­fen­bar vor al­lem das Kanz­ler­amt we­nig Lust. Die Ver­su­che, auf die Sitz­ord­nung Ein­fluss zu neh­men, blie­ben bis­lang je­doch äu­ßerst de­zent. Weiß die Bun­des­re­gie­rung doch nur zu gut, dass ge­ra­de der Chef der Bun­des­ver­samm­lung, Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert, höchst sen­si­bel auf In­ter­ven­tio­nen re­agiert. Und so be­tont denn Bun­des­tags­spre­cher Ernst He­be­ker, es ge­be der­zeit noch „kei­nen ent­schei­dungs­rei­fen Ent­wurf der Sitz­ord­nung“. Der wer­de wohl erst im Ja­nu­ar vor­lie­gen.

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