„Wir se­hen ein neu­es Zeit­al­ter“

Der­zeit wird viel dis­ku­tiert, wel­che Fol­gen die Prä­si­dent­schafts­wahl in den USA für Ame­ri­ka, Eu­ro­pa und die Welt hat. Beim RP-Wirt­schafts­fo­rum „Trans­at­lan­ti­sche Wirt­schaft nach der Wahl!“ha­ben sich re­nom­mier­te Ken­ner der Be­zie­hun­gen zwi­schen den USA und E

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON PATRICK PE­TERS

Kaum ein Er­eig­nis in die­sem Jahr hat für so vie­le Dis­kus­sio­nen in Wirt­schaft, Po­li­tik und Ge­sell­schaft ge­sorgt wie die Wahl des re­pu­bli­ka­ni­schen Kan­di­da­ten Do­nald Trump zum 45. US-Prä­si­den­ten. Was be­deu­tet das für die öko­no­mi­schen und geo­po­li­ti­schen Be­zie­hun­gen? Wird Trump sei­ne pro­tek­tio­nis­ti­schen An­kün­di­gun­gen wahr­ma­chen? Wie wird er mit Eu­ro­pa um­ge­hen, auch si­cher­heits­po­li­tisch? Über die­se und an­de­re Fra­gen dis­ku­tier­ten die Teil­neh­mer des RP-Wirt­schafts­fo­rums „Trans­at­lan­ti­sche Wirt­schaft nach der Wahl!“, zu dem die Rhei­ni­sche Post ge­mein­sam mit UPS Deutsch­land ein­ge­la­den hat­te.

Ei­ne sehr de­zi­dier­te Mei­nung ver­tritt John Korn­blum, ehe­ma­li­ger US-Bot­schaf­ter in Deutsch­land. Für ihn mar­kiert die Wahl Do­nald Trumps ei­ne his­to­ri­sche Zä­sur, sie sei ein „Sym­bol für ei­ne Ve­rän­de­rung, die be­reits be­gon­nen hat. Eu­ro­pa muss sich jetzt zu ei­nem Part­ner der USA wei­ter­ent­wi­ckeln. Wir se­hen ein neu­es Zeit­al­ter, die tra­di­tio­nel­le deutsch-ame­ri­ka­ni­sche Freund­schaft exis­tiert in die­ser Form nicht mehr.“

Das gilt auch für die Si­cher­heits­po­li­tik. Die Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben in den USA sind laut John Korn­blum we­sent­lich hö­her als die al­ler 28 EU-Mit­glieds­staa­ten zu­sam­men, und Do­nald Trump hat ei­ni­ge Ma­le klar ge­macht, dass er von den eu­ro­päi­schen Part­nern eben­falls hö­he­re Be­tei­li­gun­gen er­war­tet. John Korn­blum for­mu­liert die Fol­ge aus die­sen For­de­run­gen: „Eu­ro­pa muss jetzt er­wach­sen wer­den und kann sich nicht mehr blind auf die USA ver­las­sen.“

Ein neu­es Zeit­al­ter könn­te auch in der Han­dels­po­li­tik an­bre­chen – oder viel­leicht doch nicht? Im Wahl­kampf hat Do- nald Trump den Be­griff „Ame­ri­ca first“, Ame­ri­ka zu­erst, ge­prägt, und das auch wirt­schaft­lich ge­meint. Hö­he­re Zöl­le und we­ni­ger Im­port wä­ren die Fol­ge dar­aus – ein Pro­blem für Staa­ten wie Deutsch­land, die mit den USA ei­nen deut­li­chen Ex­port­über­schuss er­zie­len. Des­halb steht bei­spiels­wei­se für Frank Mar­tinVaz­quez vom Au­to­ma­ti­sie­rungs­spe­zia­lis­ten Laird Con­trols Eu­ro­pe bei der gan­zen De­bat­te um die US-Wahl vor al­lem die Fra­ge im Vor­der­grund, wel­che Aus­wir­kun­gen Do­nald Trump ha­ben könn­te. Frank Spor­to­la­ri, Deutsch­land-Chef des Lo­gis­ti­kers UPS, ist der Auf­fas­sung, dass Trump kaum al­les wahr­ma­chen wird, was er ver­kün­det hat. „Ich ge­he da­von aus, dass wir kei­ne Holz­ham­mer­me­tho­den in der Han­dels­po­li­tik se­hen wer­den. Die Wirt­schaft pro­fi­tiert schon da­von, dass im Früh­ling die­ses Jah­res die Frei­gren­ze für zoll­freie Wa­ren von 200 auf 800 Eu­ro an­ge­ho­ben wur­de.“

Das be­stä­tigt auch Meh­met Al­per Öz­sevim, Ge­schäfts­füh­rer von AT Parts aus Le­ver­ku­sen, ei­nem Ex­per­ten für Luft­fe­de­rungs­sys­te­me. „Die hö­he­re Frei­gren­ze hilft uns be­reits. Die USA sind ein span­nen­der Markt, in dem wir ge­ra­de viel in den Ver­trieb in­ves­tiert ha­ben. Wir hof­fen na­tür­lich, dass der neue Prä­si­dent das nicht er­schwert.“Dar­auf weist auch An­dy Mi­kut­ta vom Sys­tem­haus für Broad­cast- und Me­di­en­in­stal­la­tio­nen Thum & Mahr. „Die USA sind Me­dien­land Num­mer 1 und ein wich­ti­ger Ex­port­markt für uns. Die An­kün­di­gun­gen von hö­he­ren Zöl­len und mehr Na­tio­na­lis­mus ma­chen uns je­doch Sor­gen.“Zöl­le ste­hen auch für Ste­phan Ot­to (Ot­to Gour­met) im Fo­kus. Der Fleisch- und Spe­zia­li­tä­ten­groß­händ­ler be­zieht rund 35 Pro­zent sei­nes Flei­sches aus den USA.

Über­haupt sind die USA für ei­ne Viel­zahl der mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­mer, die am RP-Wirt­schafts­fo­rum „Trans­at­lan­ti­sche Wirt­schaft nach der Wahl!“teil­ge­nom­men ha­ben, ein aus­ge­spro­chen wich­ti­ger Han­dels­part­ner. „Wir er­wirt­schaf­ten mit un­se­rer USNie­der­las­sung zehn Pro­zent un­se­res Um­sat­zes“, sagt Klaus Ki­un­ke vom Mo­dell­au­to­händ­ler Mo­del Car World. Dr. Rü­di­ger Ostrow­ski, Ge­schäfts­füh­rer des Ver­ban­des Spe­di­ti­on und Lo­gis­tik Nord­rhein-West­fa­len, be­tont, dass die Bran­che vom frei­en Wa­ren­aus­tausch – na­tür­lich auch mit den USA – ab­hän­gig sei, und Adem Ay­de­ger vom in­ter­na­tio­na­len Mo­bil­funk­groß­händ­ler h-o-t-pho­ne stellt den Han­del mit den USA als wich­ti­gen Baustein des Un­ter­neh­mens her­aus. Stark ge­prägt vom US-ame­ri­ka­ni­schen Markt ist auch das Ge­schäft von Axel Heb­mül­ler, des­sen Fir­ma so­wohl von US-ame­ri­ka­ni­sche Kun­den als auch Lie­fe­ran­ten stark ab­hän­gig ist, eben­so ist der Stand­ort USA äu­ßerst wich­tig für das Mo­de­un­ter­neh­men Ul­la Pop­ken, das dort seit vie­len Jah­ren über Ka­ta­log und On­li­ne-Ge­schäft tä­tig ist, wie Ge­schäfts­füh­rer Tho­mas Schnei­der be­tont. Auch Kirk Vo­gel, Lei­ter des USDesk bei der Groß­bank HSBC, nach ei­ge­nen Aus­sa­gen ei­ne der welt­weit größ­ten Ban­ken für Han­dels­fi­nan­zie­run­gen, be­tont die Be­deu­tung des frei­en Han­dels für deut­sche Un­ter­neh­men. Wil­fried Le­thert von E.I.S. Air­craft weist dar­auf hin, dass sein Un­ter­neh­men ab dem kom­men­den Jahr das USUn­ter­neh­men Bo­eing be­lie­fern wer­de – auch da­für sei

„Eu­ro­pa muss jetzt er­wach­sen wer­den und kann sich nicht mehr blind auf die USA ver­las­sen“

FOTOS: ALOIS MÜL­LER

Das Frei­han­dels­ab­kom­men TTIP wur­de beim RP-Wirt­schafts­fo­rum „Trans­at­lan­ti­sche Wirt­schaft nach der Wahl“dis­ku­tiert.

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