Po­li­tik muss Ve­rän­de­run­gen er­klä­ren

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

(jgr) Die Wahl Trumps zum US-Prä­si­den­ten stellt Eu­ro­pa er­neut vor Her­aus­for­de­run­gen, stellt Alex­an­der Graf Lambs­dorff, Vi­ze­prä­si­dent des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments, fest. Das stra­te­gi­sche Um­feld war für die Eu­ro­päi­sche Uni­on oh­ne­hin schon schwie­rig: Ukrai­nek­ri­se, die Tür­kei auf dem Weg in die Dik­ta­tur, in­sta­bi­le Kri­sen­re­gio­nen im Sü­den. „Eu­ro­pa muss sich nun mehr an­stren­gen“, be­tont der FDP-Po­li­ti­ker, et­wa auf mi­li­tä­ri­schem Ge­biet.

In der in­ter­na­tio­na­len Han­dels­po­li­tik sei die EU-Kom­mis­si­on wei­ter zu Ver­hand­lun­gen be­reit, stellt Graf Lambs­dorff fest. Das Man­dat, das Ab­kom­men aus­zu­han­deln, gel­te wei­ter. Na­tür­lich sei in der po­li­ti­schen Rea­li­tät nun al­les im Fluss. Wi­der­stand kommt ja nicht nur aus den USA, son­dern be­kann­ter­ma­ßen auch aus Eu­ro­pa und hier ins­be­son­de­re aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum, wie der Po­li­ti­ker be­ob­ach­tet hat. „Die weit­aus gro­ße Mehr­heit der EU-Staa­ten will TTIP.“Doch die Kam­pa­gnen der Geg­ner sei­en mitt­ler­wei­le eu­ro­pa­weit ver­netzt.

Auf­fal­lend sei die post­fak­ti­sche, emo­tio­na­le Ar­gu­men­ta­ti­on, sagt Graf Lambs­dorff. Dass sie auf frucht­ba­ren Bo­den fällt, führt er auf ei­ne star­ke Ve­r­un­si­che­rung in der Be­völ­ke­rung zu­rück. Sie re­sul­tie­re aus Sor­gen um den Ar­beits­platz und die Fol­gen von Di­gi­ta­li­sie­rung und Zu­wan­de­rung und dem Ge­fühl, der Staat ha­be die Kon­trol­le über die Ent­wick­lun­gen ver­lo­ren. „Die Men­schen sind be­reit, Ve­rän­de­run­gen zu ak­zep­tie­ren, wenn sie das Ge­fühl ha­ben, dass die Ve­rän­de­run­gen kon­trol­liert ge­sche­hen“, ist Graf Lambs­dorff über­zeugt. Hier müs­se man al­so an­set­zen.

Kon­kret sind die Aus­wir­kun­gen ei­ner künf­ti­gen US-Po­li­tik auf die Volks­wirt­schaf­ten ab­schätz­bar, et­wa bei der Fra­ge, was aus der Nied­rig­zins­po­li­tik wird. Wenn in den USA ei­ne Zins­wen­de kommt, was vie­le Be­ob­ach­ter er­war­ten, dann set­ze das Eu­ro­pa un­ter Druck, pro­gnos­ti­ziert Graf Lambs­dorff. Die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank ha­be mit den nied­ri­gen Zin­sen der Po­li­tik Zeit für markt­wirt­schaft­li­che Re­for­men er­kauft. Doch vor dem Hin­ter­grund wich­ti­ger Wah­len in Eu­ro­pa ste­hen der­zeit die Chan­cen für ei­ne an­ge­bots­ori­en­tier­te Po­li­tik schlecht. Den­noch müs­se spä­tes­tens Mit­te des kom­men­den Jah­res Schluss mit der Nied­rig­zins­po­li­tik sein, for­dert der Po­li­ti­ker, der die Ge­fahr von Bla­sen­bil­dun­gen stei­gen sieht.

FOTOS: ALOIS MÜL­LER

Alex­an­der Graf Lambs­dorff ist Vi­ze­prä­si­dent des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments.

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