Eu­ro­pa ist nun ge­for­dert

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

(jgr) „Das Er­geb­nis der Prä­si­dent­schafts­wahl wird das trans­at­lan­ti­sche Ver­hält­nis ins­ge­samt und mög­li­cher­wei­se auch die wirt­schaft­li­chen Be­zie­hun­gen zwi­schen den USA und Eu­ro­pa tief­grei­fend ver­än­dern“, ist Wolf­gang Cle­ment über­zeugt. Was aber nicht nur ne­ga­tiv zu be­wer­ten ist, meint der frü­he­re Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter und NRWMi­nis­ter­prä­si­dent. So kön­ne die Po­li­tik Trumps zum Bei­spiel hilf­reich sein, um Eu­ro­pa zur Über­nah­me von mehr Ver­ant­wor­tung für die ei­ge­ne Si­cher­heit und auch zu er­heb­lich stär­ke­rem fi­nan­zi­el­lem En­ga­ge­ment für die Ver­tei­di­gung zu zwin­gen. „Wir hal­ten un­se­re Ver­pflich­tun­gen nicht ein. Die zu­ge­sag­ten zwei Pro­zent un­se­res Brut­to­so­zi­al­pro­duk­tes für die Ver­tei­di­gung wür­den al­lein von Deutsch­land rund 20 Mil­li­ar­den Eu­ro Mehr­aus­ga­ben er­for­dern.“

Eu­ro­pa müs­se end­lich ei­ne ge­mein­sa­me Si­cher­heits- und Ver­tei­di­gungs­po­li­tik ent­wi­ckeln, for­dert Cle­ment. Er hält es für ein Un­ding, dass 28 eu­ro­päi­sche Län­der et­wa halb so viel für Mi­li­tär aus­ge­ben wie die USA, aber nur ein Zehn­tel so ef­fi­zi­ent da­bei sind. Hil­la­ry Cl­in­ton hät­te im Üb­ri­gen eben­falls ein hö­he­res En­ga­ge­ment Eu­ro­pas ver­langt, viel­leicht we­ni­ger dras­tisch. „Das war al­so ein An­stoß in die rich­ti­ge Rich­tung.“

„Nicht all­zu viel Po­si­ti­ves lässt sich al­ler­dings bis­her den wirt­schafts­po­li­ti­schen Äu­ße­run­gen Trumps für die trans­at­lan­ti­sche Wirt­schaft ent­neh­men“, räumt Cle­ment ein. Er be­fürch­tet ei­nen „ris­kan­ten Mix aus ex­pan­si­ver Fi­nanz-, pro­tek­tio­nis­ti­scher Wachs­tums- und re­strik­ti­ver Han­dels­po­li­tik“. Das Frei­han­dels­ab­kom­men TTIP sei wohl tot, wenn man Trump beim ge­spro­che­nen Wort neh­me. Auch Schutz­zöl­le sei­en dann mög­lich. Das wür­de „er­heb­li­che Kon­flik­te“nach sich zie­hen, warnt Cle­ment, der auch Vor­sit­zen­der des Ku­ra­to­ri­ums der Initia­ti­ve Neue So­zia­le Markt­wirt­schaft ist. Re­strik­tio­nen und Ge­gen­maß­nah­men könn­ten ka­ta­stro­pha­le Wir­kun­gen ent­fal­ten.

Als ei­ne Ur­sa­che für den Po­pu­lis­mus – nicht nur in den USA – sieht er Fol­gen der Glo­ba­li­sie­rung, die zwar volks­wirt­schaft­lich au­ßer­or­dent­lich pro­duk­tiv wir­ke, aber vor al­lem in den hoch­ent­wi­ckel­ten Län­dern auch vie­le Job­ver­lie­rer her­vor­brin­ge. Das sei be­son­ders in den USA der Fall. „Wir brau­chen hier ei­ne an­de­re Struk­tur­po­li­tik“, sagt Cle­ment, der da­bei an nicht von den öf­fent­li­chen Hän­den, son­dern pri­vat fi­nan­zier­te In­fra­struk­tur­pro­jek­te denkt.

Wolf­gang Cle­ment war NRW-Mi­nis­ter­prä­si­dent und Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter.

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