Stadt soll Wachs­tum kon­trol­lie­ren

Mit dem Kon­zept „mg+“soll Mön­chen­glad­bach wach­sen – an Ein­woh­nern und an Un­ter­neh­men. Auf An­trag von CDU und SPD im Stadt­rat wird da­für ein Kon­troll- und Ziel­sys­tem wie in ei­nem Kon­zern ein­ge­führt.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON DENISA RICHTERS

Als Neh­mer­kom­mu­ne im „Stär­kungs­pakt Stadt­fi­nan­zen“er­hält Mön­chen­glad­bach bis 2020 je­des Jahr rund 40 Mil­lio­nen Eu­ro aus vom Land und dem So­li­dar­bei­trag wohl­ha­ben­der Kom­mu­nen. Die Stadt ver­pflich­tet sich aber im Ge­gen­zug, ab 2018 ei­nen aus­ge­gli­che­nen Haus­halt vor­zu­le­gen – und das drei Jah­re spä­ter so­gar aus ei­ge­ner Kraft. Um das zu schaf­fen, soll im Rat­haus ein Sys­tem an­ge­legt wer­den, mit dem das an­ge­streb­te Wachs­tum des Kon­zerns Stadt wie in ei­nem Pri­vat­un­ter­neh­men kon­trol­liert wer­den kann.

Ei­nen ent­spre­chen­den Auf­trag hat­ten die Frak­ti­ons­chefs der ko­ope­rie­ren­den CDU und SPD, Hans Pe­ter Schle­gel­milch und Fe­lix Hein­richs, der Stadt­ver­wal­tung jetzt per Rats­an­trag er­teilt. Da­bei geht es dar­um, ein Kon­troll­sys­tem mit klar de­fi­nier­ten Kri­te­ri­en auf­zu­bau­en und dies in al­len Fach­be­rei­chen der Stadt­ver­wal­tung so­wie bei den städ­ti­schen Töch­tern an­zu­wen­den.

Die Ba­sis da­für ist das von Stadt­pla­nungs­de­zer­nent Gre­gor Bo­nin vor­ge­leg­te Kon­zept „mg+ Wach­sen­de Stadt“. Er for­dert „Wachs­tum im Be­wusst­sein von Qua­li­tät“, bei dem Mön­chen­glad­bach als Le­bens­raum und Wirt­schafts­stand­ort ge­stärkt wer­den soll. Im Fo­kus ste­hen da­bei auch die Fak­to­ren Um­welt, Kul­tur, Sport, Wis­sen­schaft und Bil­dung. Das Ziel ist, die Stadt – in Kon­kur­renz zu an­de­ren Kom­mu­nen – für In­ves­to­ren, Neu­bür­ger und Un­ter­neh­men at­trak­ti­ver zu ma­chen. Der ge­sam­te Kon­zern Stadt soll am an- ge­streb­ten Wachs­tum mit­ar­bei­ten, auch Initia­ti­ven und die Stadt­ge­sell­schaft ge­hö­ren für Bo­nin da­zu. In sei­nem De­zer­nat geht es dar­um, wo wel­che Wohn­ge­bie­te ent­ste­hen und wel­che Men­schen da­mit in die Stadt ge­zo­gen wer­den.

Schle­gel­milch, selbst Un­ter­neh­mer, zählt wei­te­re Fra­gen auf, die sich da­bei stel­len: Wie vie­le Bür­ger und Steu­er­zah­ler wol­len wir ha­ben? Wie vie­le und wel­che Un­ter­neh­men? In wel­chem Zei­t­raum? Wel­che Grund­stü­cke muss ich da­für vor­hal­ten? Und als zen­tra­ler Punkt: Wel­che Ein­nah­men las­sen sich da­mit für die Stadt er­zie­len? „Die Wün­sche müs­sen sich in for­ma­li­sier­ten Zie- len, in ei­ner Stra­te­gie nie­der­schla­gen“, so der Christ­de­mo­krat. Dar­an müss­ten sich al­le Be­tei­lig­ten aus­rich­ten, nicht nur Ober­bür­ger­meis­ter und Ver­wal­tungs­vor­stand. Ei­ne sol­che Sys­te­ma­tik las­se sich von der obers­ten bis zur un­ters­ten Ebe­ne der Stadt­ver­wal­tung und de­ren Toch­ter­un­ter­neh­men an­wen­den. Es ge­he um Steue­rung von Pro­zes­sen. „Das Wachs­tums­con­trol­ling ist da­bei ein Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­stru­ment, das uns hilft, Zie­le zu for­mu­lie­ren, per­ma­nent zu mes­sen und ge­ge­be­nen­falls nach­zu­jus­tie­ren“, sagt Schle­gel­milch.

Da­für müs­sen Da­ten be­reit­ge­stellt und so­wohl die städ­ti­schen Sta­tis­ti­ker wie auch die IT-Ko­ope­ra­ti­on (ITK) Rhein­land ein­ge­bun­den wer­den. „Da­mit“, so for­mu­lie­ren es Schle­gel­milch und Hein­richs in ih­rem Rats­an­trag, „be­tritt Mön­chen­glad­bach un­ter den NRW-Kom­mu­nen Neu­land.“Denn ein sol­ches Kon­zept ei­ner „nach­hal­ti­gen, so­li­den und wachs­tums­ori­en­tier­ten Haus­halts­füh­rung und Stadt­ent­wick­lung“ge­be es noch nicht. Die Groß­ko­ali­tio­nä­re se­hen die Stadt des­halb in ei­ner Vor­rei­ter­rol­le.

Das ist laut Schle­gel­milch auch mit Blick auf die be­reits er­folg­ten und noch an­ste­hen­den Aus­la­ge­run­gen einst be­hörd­li­cher Leis­tun­gen not­wen­dig. Ne­ben dem Ener­gie­be­reich um die NEW, der So­zi­al-Hol­ding und der neu ge­grün­de­ten Mags (Stadt­sau­ber­keit) nennt er die Ent­wick­lungs­ge­sell­schaft EWMG so­wie die ge­plan­te Fu­si­on der bei­den städ­ti­schen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten GWSG und Kreis­bau. „Da­für ist es un­ab­ding­bar, ein Con­trol­ling aus­zu­ar­bei­ten.“Im Ide­al­fall wür­de quar­tals­wei­se ein Kon­troll­be­richt vor­ge­legt.

Schle­gel­milch ist klar, dass das Con­trol­ling städ­ti­scher Vor­gän­ge auch dem Rat­haus ob­liegt. „Wir ha­ben den Ober­bür­ger­meis­ter des­halb ge­be­ten, das in sei­nem De­zer­nat auf­zu­neh­men.“

RP-ARCHIV: ILGNER/RAUPOLD/PRI­VAT

Die Wachs­tums­kon­trol­le be­trifft die Stadt und wird im Rat­haus ko­or­di­niert: Dar­in ein­ge­bun­den wer­den aber auch die Stadt­töch­ter – un­ter an­de­rem die neue Mags und die So­zi­al-Hol­ding.

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