Krea­tiv mit Far­ben, Beats und Tex­til

Sein Blick ist ner­vös, er streicht sich über den kur­zen Bart. Für Fotos po­sen, das sei nicht sein Ding, sagt Can De­mi­re­zen. „Ich weiß, ich se­he nicht aus wie der ty­pi­sche In­for­ma­tik­stu­dent“, sagt der 29-jäh­ri­ge Glad­ba­cher. Er hat sei­nen per­sön­li­chen Stil

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON JU­LIA ZUEW

Als Mu­si­ker, Künst­ler, De­si­gner und an­ge­hen­der Wirt­schafts­in­for­ma­ti­ker hat Can De­mi­re­zen viel zu tun. Tags­über bei ei­nem Wirt­schafts­prü­fer in Düs­sel­dorf geht er sei­nem Bü­ro-Job nach, abends legt er in Tech­no-Clubs auf.

Mu­sik ha­be ihn schon seit der Kind­heit an­ge­zo­gen, sagt er. Gen­res schränk­ten sei­nen Ge­schmack nicht ein: Me­tal, Rap und Hip-Hop stan­den schon früh auf der Lis­te, und jetzt legt er seit 2010 Tech­no auf. Un­ter dem Künst­ler­na­men Sa­fa­do hat er so­gar ei­ne Tour in Ägyp­ten ge­habt, be­rich­tet der jun­ge Glad­ba­cher. „In mei­ner Frei­zeit hö­re ich zur­zeit aber fast nur HipHop“, sagt er. „Tech­no reißt ei­gent­lich nur rich­tig mit, wenn man über ei­ne gro­ße An­la­ge spielt und die At­mo­sphä­re stimmt.“Meh­re­re Stü­cke hat er be­reits raus­ge­bracht, auch auf Vi­nyl – un­ter an­de­rem beim gen­re-be­kann­ten La­bel „Traum­schall­plat­ten“in Köln.

Sei­ne Zu­kunft hat­te er als Kind und Te­enager noch we­ni­ger aus­sichts­reich vor Au­gen. Mit vier Jah- ren setz­ten sei­ne El­tern ihn aus. „Groß­ge­zo­gen ha­ben mich mei­ne Oma und On­kel, die Brü­der mei­ner Mut­ter.“Als er et­wa 20 Jah­re alt war, ha­be sie Kon­takt ge­sucht. „Der Zug ist ab­ge­fah­ren“, sagt De­mi­re­zen. Er ha­be früh be­gon­nen, sich da­mit ab­zu­fin­den, kei­ne El­tern zu ha­ben. „Ich trug als Kind des­we­gen aber viel Wut in mir.“Auch heu­te sei sie noch da, aber er ha­be ge­lernt, da­mit an­ders um­zu­ge­hen. „Ich ha­be mich frü­her viel ge­prü­gelt, bin fast von der Schu­le ge­flo­gen“, er­zählt er. „Nicht, weil ich dumm war – son­dern we­gen mei­nes Ver­hal­tens.“ Heu­te ver­ar­bei­tet er sei­ne Ge­füh­le in Ge­mäl­den, auf Pa­pier oder Stoff. Er ha­be sich für ein Le­ben ab­seits von Ge­walt und Hass ent­schie­den, sagt der 29-Jäh­ri­ge. Aus ei­ner „Ma­lo­cher­fa­mi­lie“kom­me er, sagt De­mi­re­zen selbst. Ei­ner tür­ki­schen Fa­mi­lie. Er sagt aber ganz klar: „Ich bin Rhein­län­der“, auch wenn bei­de Kul­tu­ren zu sei­nem Le­ben ge­hö­ren. Die Groß­mut­ter war frü­her Nä­he­rin, spä­ter Ki­osk­be­trei­be­rin, der mitt­ler­wei­le ver­stor­be­ne Groß­va­ter – Gas­t­ar­bei­ter in ei­ner Spin­ne­rei. Ei­ner der Brü­der ist selbst­stän­dig als Can De­mi­re­zen über ei­nen Freund Schwei­ßer. „Fehlt nur noch, dass je­mand ei­nen Ge­mü­se­la­den auf­macht“, sagt der ge­bür­ti­ge Oden­kir­che­ner und lacht.

Er sei der ers­te in der Fa­mi­lie mit ei­nem Abitur – und nun auf dem Weg zum Ab­schluss an der Hoch­schu­le Nie­der­rhein in Mön­chen­glad­bach, be­tont er stolz. Auch oh­ne Rück­halt der El­tern ha­be er sein Le­ben fest im Griff. Auch wenn der Stu­dent sagt, es sei lan­ge her – er wirkt im­mer noch em­pört. Wü­tend. Ver­ständ­nis­los. Sei­ne El­tern ha­be er je­doch nie ge­fragt: „War­um?“.

Ger­ne wür­de er sei­nen Weg mit der Mu­sik und Mo­de ma­chen. Aber „ich muss auch mein fes­tes Geld ver­die­nen“, sagt De­mi­re­zen. Da­her das Stu­di­um – das ihm aber auch Spaß ma­che. Er selbst sieht sich

„Bei ei­ner Aus­stel­lung in Kre­feld mein­te er zu mir: Mach doch Klei­dung mit dei­nen Bil­dern.“

Am mor­gi­gen Sams­tag fin­det an der Rat­haus­stra­ße 15 in der Alt­stadt ein Pop-Up-Store von Can De­mi­re­zen statt. Von 20 bis 23 Uhr kön­nen Be­su­cher Ein­zel­stü­cke aus sei­ner Mo­de­li­nie er­wer­ben und den Künst­ler auch per­sön­lich ken­nen­ler­nen. Da­zu gibt es kos­ten­lo­se Ge­trän­ke. Wei­te­re In­fos und On­li­ne-Shop un­ter www.can­dem.tk

FO­TO: ILGNER

Die hand­be­mal­ten Ja­cken und Pull­over sind Ein­zel­stü­cke.

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