Hüp­fen­de Gril­le und schwe­ben­de Fee

Sie müs­sen viel Text ler­nen. Sie müs­sen auf die Kom­man­dos von Thea­ter­päd­ago­gin Sil­via Behn­ke hö­ren. Und sie müs­sen höl­lisch dis­zi­pli­niert sein. Die Viert­kläss­ler der As­trid-Lind­gren-Schu­le pro­ben den „Pi­noc­chio“. Mor­gen ist Pre­mie­re.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON IN­GE SCHNETTLER

Ji­mi­ny ist to­tal er­schöpft, sie sinkt auf ei­nen Stuhl, streckt die Bei­ne von sich, schnauft und sagt: „Das ist sooo an­stren­gend, ich muss die gan­ze Zeit hüp­fen.“Klar muss sie das, sie ist ja schließ­lich ei­ne Gril­le. Die vier­te Klas­se der As­trid-Lind­gren-Schu­le ver­bringt die gan­ze Wo­che im Thea­ter. Un­ter der Lei­tung von Sil­via Behn­ke pro­ben die Schü­ler ih­re Fas­sung des Stücks „Pi­noc­chio“. Und die Thea­ter­päd­ago­gin scheucht die Kin­der nach kur­zer Ver­schnauf­pau­se wie­der auf die Büh­ne des Thea­ter­stu­di­os. Es geht wei­ter. Und wie­der muss The­re­sa En­gels in die Rol­le der Gril­le schlüp­fen – und hüp­fen.

Ame­lie Se­nyu­va ist Pi­noc­chio. Sie ist ein ech­tes Ta­lent. Sie läuft höl­zern, wie es sich für Pi­noc­chio ge­hört, sie nutzt den gan­zen Raum und agiert aus­ge­spro­chen tem­pe­ra­ment­voll. Es gibt al­ler­dings ein Pro­blem. „Ich kann mei­nen Text noch gar nicht“, sagt sie. Sil­via Behn­ke trös­tet das Mäd­chen: „Du hast ja noch et­was Zeit.“Die Leh­re­rin der Viert­kläss­ler, Sieg­lin­de Jan­sen-Win­keln, hat nicht nur die Vor­la­ge für das Stück ge­schrie­ben, sie ist auch die Souf­fleu­se. „Mach dir kei­ne Sor­gen Ame­lie, wenn es nicht wei­ter­geht, hel­fe ich dir.“

Als Pi­noc­chio mit den Ro­bo­kids hip­hop­pen soll, klemmt die Tech­nik. Kei­ne Mu­sik. Macht nichts, Sil­via Behn­ke gibt den Rhyth­mus vor: „Tä­tä­tä­tä­tä, la­l­a­l­a­l­a­la­la, lo, lo, lo, lo, lo, lo,lo.“Klappt, die Kin­der tan­zen. Gre­ta Rei­nerth und Def­ne Öz­tü­zün spie­len gu­te Fe­en. Bei­de schwe­ben über den schwar­zen Büh­nen­bo­den. Dass sie das ganz be­son­ders gut kön­nen, las­sen sie sich an­schlie­ßend gern be­stä­ti­gen. Ja, ihr seid klas­se!

Die krea­ti­ve Ins­ze­nie­rungs­klas­se ist ein Pro­jekt, das durch den „Kul­tur­ruck­sack NRW“ge­för­dert wird. Schü­ler im Al­ter von zehn bis 14 Jah­ren schnup­pern Thea­ter­luft und le- ben ein we­nig den Traum von der Büh­ne. Die Mäd­chen und Jun­gen ha­ben die Mög­lich­keit, ei­ne Thea­ter­in­sze­nie­rung bei Pro­ben­be­su­chen, Thea­ter­füh­run­gen, in Work­shops und Ge­sprä­chen mit den Künst­lern und den Thea­ter­päd­ago­gin­nen haut­nah zu er­le­ben. Die Schü­ler se­hen die Pro­fis in der Vor­stel­lung, und dann ge­hen sie selbst auf die Büh­ne.

Die Schluss­sze­ne wird ge­probt. Ame­lie Se­nyu­va steht als Pi­noc­chio mit Ge­pet­to, ge­spielt von Till Sie­ben­mor­gen, in der Mit­te der Büh­ne, die an­de­ren Kin­der bil­den ei­nen Kreis um sie her­um. „Links, rechts, links, rechts“, ruft Sil­via Behn­ke. Im Takt schwin­gen die Mäd­chen und Jun­gen die Bei­ne, und auf Kom­man­do wird Pi­noc­chio hoch­ge­ho­ben.

So en­det das Stück, das mor­gen um 15.30 Uhr und um 17 Uhr auf­ge­führt wird. We­gen der zwei Vor­stel­lun­gen sind die Haupt­rol­len dop­pelt be­setzt. In der frü­hen Vor­stel­lung spielt dann Ja­net­te Örüm den Pi­noc­chio, Bil­al Lag­h­zaoui-Kad­dou­ri den Ge­pet­to und Emi­ly-Joy Lor­bert die hüp­fen­de Gril­le Ji­mi­ny. „Mei­ne El­tern und Ge­schwis­ter kom­men, mei­ne Oma und mein Opa auch“, ruft ein Kind. „Mei­ne Tan­te kommt, mein On­kel viel­leicht“, sagt ein an­de­res. Viel Spaß!

RP-FO­TO: DET­LEF ILGNER

Im Stu­dio des Thea­ters wird die Schluss­sze­ne ge­probt. Mor­gen ist der gro­ße Auf­tritt – und dem fie­bern die Kin­der ent­ge­gen.

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