Kom­pro­miss­los in Worps­we­de

„Pau­la“er­zählt das Le­ben der Ma­le­rin Pau­la Be­cker. Ein arg kon­ven­tio­nel­ler Film mit tol­ler Haupt­dar­stel­le­rin.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINO - VON MAR­TIN SCHWICKERT

Im Al­ter von 31 Jah­ren ist Pau­la Mo­der­sohn-Be­cker ge­stor­ben und hat der Welt 750 Ge­mäl­de und et­wa 1000 Zeich­nun­gen hin­ter­las­sen. Viel­leicht rühr­te die enor­me Schaf­fens­kraft da­her, dass sie ih­ren frü­hen Tod vor­aus­ahn­te. Chris­ti­an Sch­wo­chows Bio­pic „Pau­la“je­den­falls legt die­se Ver­mu­tung na­he. „Ich wer­de nicht lan­ge le­ben, aber wenn ich drei gu­te Bil­der ge­malt ha­be, ge­he ich gern. Drei Bil­der und ein Kind“, sagt Pau­la (Car­la Ju­ri) zu ih­rer Freun­din, der Bild­haue­rin Cla­ra West­hoff (Ro­xa­ne Du­ran).

Die Frau­en ver­brin­gen den Som­mer des Jah­res 1900 in der Künst­ler­ko­lo­nie Worps­we­de. Die Leh­rer dort neh­men die weib­li­chen Kurs­teil­neh­me­rin­nen nicht ernst. „Frau­en wer­den nie et­was Schöp­fe­ri­sches her­vor­brin­gen au­ßer Kin­der“stößt Fritz Macken­sen (Nik­ki von Tem­pel­hoff) ver­ächt­lich her­vor. Der Ap­fel, den sie ge­malt hat, er­in­ne­re ihn eher an ei­nen Kohl­kopf. Das ex­ak­te künst­le­ri­sche Ab­bild der Na­tur steht im Vor­der­grund der künst­le­ri­schen Ein­wei­sun­gen, aber Pau­la malt die Din­ge und Men­schen so, wie sie sie emp­fin­det. Mit er­staun­li­cher Kom­pro­miss­lo­sig­keit ver­folgt sie die­sen Weg, auch wenn das be­deu­tet, dass sie zu Leb­zei­ten ge­ra­de ein­mal zwei Ge­mäl­de ver­kau­fen wird.

Als sie den Worps­we­der Ma­ler Ot­to Mo­der­sohn (Al­brecht Abra­ham Schuch) hei­ra­tet, hofft sie nicht nur auf fi­nan­zi­el­le Ab­si­che­rung, son­dern auch auf ein ge­gen­sei­ti­ges künst­le­ri­sches Ein­ver­ständ­nis. In se­xu­el­ler Hin­sicht wird die Ehe auf­grund ei­ner Zeu­gungs­pho­bie des Gat­ten zum De­sas­ter. An ih­rem 30. Ge­burts­tag ver­lässt Pau­la, die sich sehn­lichst ein Kind wünscht, Worps­we­de und fährt nach Paris, wo Ma­ler wie Cé­zan­ne ge­ra­de mit ih­ren im­pres­sio­nis­ti­schen Wer­ken ers­te Er­fol­ge fei­ern. Trotz wid­ri­ger fi­nan­zi­el­ler Ver­hält­nis­se geht die jun­ge Ma­le­rin hier mit gro­ßer krea­ti­ver Schaf­fens­kraft zu Wer­ke. Wäh­rend die Künst­ler­freun­de in Worps­we­de Ot­to ra­ten, sei­ne Gat­tin zu zü­geln oder ins Ir­ren­haus sper­ren zu las­sen, wei­gert die­ser sich, sei­ne Ehe­frau auf­zu­ge­ben – auch wenn sich Pau­la in Paris schon längst mit an­de­ren Lieb­ha­bern ver­gnügt und die Schei­dung will.

Auf die letz­ten sie­ben Le­bens­jah­re ver­dich­ten Sch­wo­chow und sei­ne Dreh­buch­au­to­ren Ste­fan Kol­ditz und Ste­phan Susch­ke in „Pau­la“das Le­ben der Ma­le­rin und ver­flech­ten das Rin­gen um künst­le­ri­sche Frei­heit und Aus­drucks­kraft mit den ehe­li­chen Kon­flik­ten um pri­va­te Glücks­an­sprü­che und ge­sell­schaft­li­che Kon­ven­tio­nen. Die­se Mi­schung wirkt zwar dra­ma­tur­gisch stel­len­wei­se et­was for­ciert, aber Car­la Ju­ri („Feucht­ge­bie­te“) spielt dar­über mit ih­rer ei­gen­sin­ni­gen Leich­tig­keit sou­ve­rän hin­weg. Wenn ih­re Pau­la das Mo­dell mit ru­hi­gem Blick stu­diert, be­vor sie zum Pin­sel greift, er­kennt man, wie sich die Wirk­lich­keit in der Wahr­neh­mung der Ma­le­rin ver­än­dert.

Wie vie­le fil­mi­sche Künst­ler­por­träts lei­det auch „Pau­la“dar­un­ter, dass hier von ei­ner un­or­tho­do­xen Per­sön­lich­keit in kon­ven­tio­nel­len Bah­nen er­zählt wird. Im­mer­hin be­müht sich Ka­me­ra­mann Frank Lamm, die Mo­or­land­schaf­ten Worps­we­des und die Farb­kon­tras­te im Pa­ri­ser Bo­he­me-Mi­lieu als Qu­ell künst­le­ri­scher In­spi­ra­ti­on ins Bild zu fas­sen und Brü­cken­schlä­ge zum Werk der Ma­le­rin her­zu­stel­len. Pau­la, BRD, Frank­reich, 2016 – Re­gie: Chris­ti­an Sch­wo­chow, mit Car­la Ju­ri, Al­brecht Abra­ham Schuch, Ro­xa­ne Du­ran, Jo­el Bas­man, 123 Min. Be­wer­tung:

FO­TO: DPA

Da hat sie ge­ra­de Ril­ke ge­malt: Car­la Ju­ri als Pau­la Be­cker in Chris­ti­an Sch­wo­chows Film.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.