Ka­len­der­blatt 16. De­zem­ber 1976

Rheinische Post Moenchengladbach - - UNTERHALTUNG -

Der Ent­füh­rer hat­te aus der Zei­tung er­fah­ren, wo Richard Oet­ker leb­te. Der Uren­kel des Oet­kerG­rün­ders stu­dier­te in den 1970er Jah­ren in Frei­sing – das war für den Kri­mi­nel­len Die­ter Zlof nah an sei­nem ei­ge­nen Wohn­ort Mün­chen. Zlof ent­führ­te Oet­ker mit vor­ge­hal­te­ner Waf­fe vom Park­platz der Uni­ver­si­tät und sperr­te den fast zwei Me­ter gro­ßen Mann in ei­ner en­gen Holz­kis­te ein, in der Oet­ker nur ge­krümmt lie­gen konn­te. 47 St­un­den lang blieb der 25-Jäh­ri­ge in der Hand sei­nes Ent­füh­rers. Zlof hat­te ihn an ei­ne Ap­pa­ra­tur an­ge­schlos­sen, die ihm über Hand- und Fuß­fes­seln ei­nen Strom­schlag ver­ab­rei­chen soll­te, falls er um Hil­fe rie­fe. Doch der Tä­ter lös­te den Mecha­nis­mus ver­se­hent­lich selbst aus. Oet­ker wur­de schwer ver­letzt, er brach sich durch den Strom­stoß bei­de Ober­schen­kel­hals­kno­chen und zwei Brust­wir­bel. Auch sei­ne Lun­ge wur­de in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen. Ein Po­li­zist fand den Schwer­ver­letz­ten nach sei­ner Frei­las­sung am 16. De­zem­ber 1976 in ei­nem Wald. Die Ärz­te konn­ten dem Ent­füh­rungs­op­fer das Le­ben ret­ten, un­ter den Fol­gen sei­ner Ver­let­zun­gen lei­det Oet­ker noch heu­te. Zlof wur­de spä­ter zu ei­ner 15-jäh­ri­gen Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt. Oet­ker en­ga­gier­te sich nach der Tat für den Ver­ein „Wei­ßer Ring“, der sich für Ver­bre­chens­op­fer ein­setzt. Da­für wur­de er 2008 mit dem Cou­ra­geP­reis und 2011 (Bild) mit dem Ver­dienst­or­den des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len aus­ge­zeich­net.

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