Of­fen­si­ve: Stra­ßen oh­ne Fli­cken­tep­pich

20 Cent pro Qua­drat­me­ter: So we­nig in­ves­tier­te die Stadt 2014 in die Stra­ßen­un­ter­hal­tung. In an­de­ren Jah­ren wa­ren die Be­trä­ge kaum hö­her. Die Fol­ge: Vie­le Stra­ßen sind ma­ro­de. Die Stadt­toch­ter Mags star­tet ei­ne Sa­nie­rungs­of­fen­si­ve.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON DIE­TER WE­BER

Wer den Un­ter­schied zwi­schen den Stra­ßen auf Glad­ba­cher und auf Vier­sener Stadt­ge­biet er­le­ben will, soll­te über die Lock­hüt­ter Stra­ße fah­ren: Kommt der Au­to­fah­rer aus Bett­rath rum­pelt er über meh­re­re hun­dert Me­ter auf ei­nem Fli­cken­tep­pich. Hat er das Mön­chen­glad­ba­cher Orts­aus­gangs­schild hin­ter sich ge­las­sen und ist auf Vier­sener Ge­biet auf der Neu­wer­ker Stra­ße, kann er im Au­to ent­span­nen: Kei­ne Bu­ckel­pis­te mehr, kein not­dürf­tig mit Kalt­asphalt ge­schlos­se­nes Schlag­loch. An­woh­ner, die in die­sem Be­reich le­ben, kön­nen dann noch be­rich­ten, dass die Stadt Vier­sen ih­re Stra­ße erst jüngst her­ge­rich­tet hat – ob­wohl sie im nicht sa­nier­ten Zu­stand bes­ser als die Lock­hüt­ter Stra­ße auf MG-Ge­biet war. An die­ser Stel­le wird deut­lich: Die Stadt Mön­chen­glad­bach hat an vie­len Stel­len ih­re Stra­ßen ka­putt ge­spart. Da­mit soll Schluss sein.

Das hat et­was mit der Grün­dung von Mags zu tun. Als CDU und SPD die Stadt­toch­ter auf den Weg brach­ten, hat­ten sie dies im Sinn: Sie woll­ten nicht nur Sy­ner­gie­ef­fek­te he­ben, son­dern die Be­rei­che Stra­ßen­un­ter­hal­tung, Grün­pfle­ge, Fried­hofs­ma­nage­ment und Stadt­rei­ni­gung bes­ser ver­zah­nen. Bei der Stra­ßen­sa­nie­rung be­deu­tet das: Ist ei­ne Stra­ße so ma­ro­de, dass ihr Un­ter­bau er­neu­ert wer­den muss, ist das städ­ti­sche Tief­bau­amt zu­stän­dig. Das gilt zum Bei­spiel für die Schlag­loch­pis­te Ei­cke­ner Stra­ße, die zwi­schen Saum­stra­ße und Spiel­kau­len­weg An­fang 2017 nach lan­gem Hin und Her für 1,1 Mil­lio­nen Eu­ro er­neu­ert wird. Müs­sen aber nur Schlag­lö­cher be­sei­tigt oder Fahr­bahn­de­cken ab­ge­fräst und er­setzt wer­den, dann tritt Mags auf den Plan.

Und die­ser sieht bei der neu­en Stadt­toch­ter ein Sa­nie­rungs­ma­nage­ment vor: 60 Stra­ßen be­kom­men ab 2016 in ei­nem ers­ten Schritt neue De­cken­über­zü­ge – in Teil­stü­cken oder ganz. Zwei Drit­tel sind in­zwi­schen fer­tig. 3,4 Mil­lio­nen Eu­ro ste­hen da­für zur Ver­fü­gung. Wei­te­re 1,3 Mil­lio­nen Eu­ro wer­den in­ves­tiert, um an 40 Stra­ßen die Geh­we­ge zu re­pa­rie­ren. „Wir wer­den auch in den kom­men­den Jah­ren Mil­lio­nen in die Stra­ßen­un­ter­hal­tung ste­cken, weil hier sehr viel auf­zu­ar­bei­ten ist“, sagt Mags-Vor­stands­vor­sit­zen­der Hans-Jür­gen Schnaß.

Das ist in der Tat so und lässt sich mit Zah­len hin­ter­le­gen, die de­pri­mie­rend sind: 0,27 Eu­ro pro Qua­drat­me­ter, 0,25 Eu­ro/qm, 0,20 Eu­ro/qm, 0,26 Eu­ro/qm – das sind die Be­trä­ge, die die Stadt in den Jah­ren zwi­schen 2012 und 2015 in die Stra­ßen­un­ter­hal­tung steck­te. Nur ein­mal zum Ver­gleich: Die Ge­mein­de­prü­fungs­an­stalt (GPA) emp­fiehlt den Kom­mu­nen, pro Qua­drat­me­ter 1,10 Eu­ro zu in­ves­tie­ren. Der Stadt Es­sen, die eben­falls gro­ße fi­nan­zi­el­le Pro­ble­me hat und auch Stär- kungs­pakt-Kom­mu­ne ist, war die Un­ter­hal­tung ih­rer Stra­ßen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren 0,80 Eu­ro/qm wert. Ih­re Fi­nanz­pla­nung nennt ab 2018 so­gar 1,12 Eu­ro/qm.

Von die­sem Mit­tel­ein­satz kann Glad­bach nur träu­men: Im­mer­hin kann Schnaß jetzt 0,57 Eu­ro/qm aus­ge­ben. Schnaß: „In die Stra­ßen­un­ter­hal­tung flie­ßen im We­sent­li­chen un­se­re Zu­satz­mit­tel. Im Ver­gleich zu an­de­ren Städ­ten ist das ein Mit­tel­wert, aber trotz­dem schon ein gro­ßer Schritt nach vorn.“

Doch der Nach­hol­be­darf ist im­mens – das wird ei­ne Mam­mut­auf­ga­be für die nächs­ten Jah­re, bis die Stra­ßen nicht mehr ma­ro­de sind. Die­ter.We­ber@Rheinische-Post.de

RP-FOTO: IL­G­NER

Vor­ne ist Mön­chen­glad­bach, kurz da­hin­ter be­ginnt Vier­sen. Oder: Vor­ne sind die Fli­cken­tep­pi­che, hin­ten ist ei­ne sa­nier­te, glat­te Fahr­bahn. Das ist die Si­tua­ti­on an der Lock­hüt­ter Stra­ße. Glad­bach hat sei­ne Stra­ße ka­putt sa­niert.

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