100 Jah­re See­pe­schnäuz

Mor­gen eh­ren die Kar­ne­va­lis­ten Peter Ull­rich im Zeug­haus. Das kar­ne­va­lis­ti­sche Ur­ge­stein starb vor drei Jah­ren.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - VON CHRIS­TI­AN LIN­GEN

Was Hel­mut Schmidt für die deut­sche Po­li­tik war, das war Peter Ull­rich für den Mön­chen­glad­ba­cher Kar­ne­val. Er war ei­ne mo­ra­li­sche In­stanz, ein Ori­gi­nal, ein Gen­tle­man und die gu­te See­le des ge­samt­städ­ti­schen Kar­ne­vals. Be­trat man das Al­te Zeug­haus, war Peter Ull­rich der ers­te, der ei­nen be­grüß­te. Hin­ter dem Tre­sen sit­zend, ei­ne Ern­te-Zi­ga­ret­te in der Hand, reich­te er sei­nen Freun­den den klei­nen Fin­ger. Das war ei­nes sei­ner vie­len Mar­ken­zei­chen, das er ir­gend­wann ent­wi­ckel­te. Zwei an­de­re wa­ren der brau­ne Bie­der­mei­er-An­zug mit der grau­en Ho­se und dem brau­nen Zy­lin­der und na­tür­lich sein Schnurr­bart, der ihm einst sei­nen Spitz­na­men gab. Mor­gen vor ein­hun­dert Jah­ren wur­de Peter Ull­rich ge­bo­ren. Die Kar­ne­va­lis­ten fei­ern ihn mor­gen Früh im Al­ten Zeug­haus mit ei­ner Ge­burts­tags­fei­er, zu der al­le kom­men, die der See­pe­schnäuz ein­ge­la­den hät­te.

Am 18. De­zem­ber 1916 wur­de Peter Ull­rich in Düs­sel­dorf ge­bo­ren. 1927 zog er mit sei­nen El­tern in die Glad­ba­cher Alt­stadt und er­leb­te dort 1936 sei­ne ers­te Kar­ne­vals­sit­zung bei der KG Stadt­mit­te. Ei­gent­lich war Peter Ull­rich ge­lern­ter Elek- Der Ver­ein bau­te die Rui­ne wie­der auf, ließ das Haus un­ter Denk­mal­schutz stel­len und er­öff­ne­te am 1. Ju­li 1978 das Al­te Zeug­haus mit ei­nem gro­ßen Fest. „Mein Va­ter war stark dar­in, Men­schen zu be­geis­tern. Er or­ga­ni­sier­te ei­nen Grün­dungs­trö­del­markt, aus dem spä­ter das Pum­pen­fest ent­stand. So konn­te Geld für den Bau ge­sam­melt wer­den“, er­zählt Hel­ga Bro­se-Ull­rich. Heu­te be­her­bergt das Al­te Zeug­haus das Kar­ne­vals­mu­se­um und ei­ne Aus­stel­lung über die Stadt­ge­schich­te. Es gilt als Heim­stät­te al­ler Kar­ne­va­lis­ten. Peter Ull­rich war bis zu sei­nem Tod vor drei Jah­ren das le­ben­de Wahr­zei­chen. Be­son­ders stolz war er, als sein Schwie­ger­sohn Klaus Bro­se und sei­ne Toch­ter Hel­ga Bro­se-Ull­rich in der Ses­si­on 1994/95 Prin­zen­paar wur­den. „Was vie­le gar nicht wis­sen, ist, dass er sel­ber auch ein­mal Prinz wer­den soll­te. Weil es aber vor­her be­kannt­wur­de, ver­zich­te­te er dar­auf“, ver­rät Ull­richs Toch­ter.

Die Prin­zen­paar­säu­le am Fu­ße des Ab­tei­ber­ges war sei­ne Idee. Die klei­ne Bank da­ne­ben ließ man ex­tra für ihn auf­stel­len. Im Kar­ne­val er­hielt er so gut wie al­le Aus­zeich­nun­gen, die es gibt – und das nicht nur in Mön­chen­glad­bach. Au­ßer­dem wur­de er mit dem Bun­des­ver­dienst­kreuz ge­ehrt. Sei­nen letz­ten gro­ßen Auf­tritt in ei­nem Veil­chen­diens­tags­zug hat­te der See­pe­schnäuz 2011. Da­mals fuhr er in ei­ner Ad­mi­ral­s­uni­form mit ei­nem Sekt­glas in der Hand in der Kut­sche des Mön­chen­glad­ba­cher Kar­ne­vals­ver­bands mit. Und das nicht oh­ne Grund: 1936 ging er im ers­ten Veil­chen­diens­tags­zug eben­falls in ei­ner SeeU­ni­form mit.

Die Er­fül­lung sei­nes größ­ten Wun­sches, näm­lich ein­hun­dert Jah­re alt zu wer­den, bleib ihm ver­wehrt. Vor drei Jah­ren starb Peter Ull­rich im Al­ter von 96 Jah­ren. Mor­gen fei­ern die Kar­ne­va­lis­ten im Al­ten Zeug­haus sei­nen Ge­burts­tag so, wie Peter Ull­rich es sich ge­wünscht hät­te. Mit da­bei ist auch sein fünf­jäh­ri­ger Uren­kel Karl, der klei­ne Kom­man­dant der Ju­nio­ren­gar­de der Prin­zen­gra­de der Stadt Mön­chen­glad­bach.

ARCHIVFOTO: DET­LEF IL­G­NER

So kann­te man ihn: dun­kel­brau­ner Bie­der­mei­er-An­zug, da­zu ein pas­sen­der Zy­lin­der und im­mer ein Lä­cheln im Ge­sicht. Peter Ull­rich, be­kannt als See­pe­schnäuz, wä­re mor­gen ein­hun­dert Jah­re alt ge­wor­den.

ARCHIVFOTO: ZEUG­HAUS

Die Grün­der des Al­ten Zeug­hau­ses: Heinz Mat­har, Toni Bru­ne, Peter Ull­rich, Hel­mut De­gen, Rolf Ter­haag, Heinz Rip­pen und Wolf­gang Eßer.

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