Die Au­to­rin, die Tau­be und das Meer

Ein Ge­dicht von Pe­tra Beth­ke er­scheint in der Rei­he „Frank­fur­ter Bi­b­lio­thek“– ei­ne Aus­zeich­nung.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON IN­GE SCHNETTLER

Das Ge­dicht heißt „Das Meer und die Tau­be“. Pe­tra Beth­ke (54) hat es ge­schrie­ben. Und dem­nächst wird es in den Staats­bi­blio­the­ken Ber­lin, Ham­burg und München, in der Ös­ter­rei­chi­schen Na­tio­nal­bi­blio­thek Wi­en, in der Schwei­ze­ri­schen Lan­des­bi­blio­thek Bern, in der Fran­zö­si­schen Na­tio­nal­bi­blio­thek Pa­ris und in der welt­größ­ten Bi­b­lio­thek, der Li­bra­ry of Con­gress in Washington, nach­zu­le­sen sein. Denn das ly­ri­sche Werk wird in der so­ge­nann­ten „Frank­fur­ter Bi­b­lio­thek 2017“der Bren­ta­no-Ge­sell­schaft auf­ge­nom­men. Die Schrif­ten­rei­he ar­chi­viert die ly­ri­sche Volks­kul­tur für die Zu­kunft, ähn­lich ver­gleich­ba­rer Edi­tio­nen des 19. Jahr­hun­derts.

Pe­tra Beth­ke schreibt Ge­dich­te und Kurz­ge­schich­ten. Im In­ter­net such­te sie nach ei­ner Platt­form für ih­re Schrif­ten und stieß auf die „Frank­fur­ter Bi­b­lio­thek“. Sie schick­te ihr Tau­ben-Ge­dicht ein – und es wur­de tat­säch­lich ge­nom­men. „Ich freue mich so sehr dar­über“, sagt die Au­to­rin. Das Ge­dicht ist ein we­nig me­lan­cho­lisch. Die Tau­be, die so gern in den Wel­len liegt, sucht im Meer Ru­he und Frie­den. Es wird ihr „lieb­li­ches Gr­ab“. Ihr Ge­schrei ist aber wei­ter­hin zu hö­ren – im Rau­schen des Mee­res, und ihr Ge­fie­der er­kennt man in den wei­ßen Schaum­kro­nen der Wel­len wie­der.

„Mei­ne Kurz­ge­schich­ten sind lus­ti­ger“, sagt Pe­tra Beth­ke. Sie be­ob- ach­tet gern und sehr ge­nau. Ich lie­be die Toll­pat­schig­keit der Men­schen.“So hat sie bei­spiels­wei­se ei­nen Mann im Fit­ness-Stu­dio be­ob­ach­tet. „Der be­weg­te sich so gut wie gar nicht, hol­te lau­fend Ge­trän­ke von der Bar, schau­te sich die Schrau­ben an den Ge­rä­ten an, dehn­te ab und zu sei­nen Kör­per und wisch­te sich den ima­gi­nä­ren Schweiß aus dem Ge­sicht.“Die Ge­schich­te hat sie mit viel Freu­de und Hu­mor auf­ge­schrie­ben.

So­eben hat die Au­to­rin ein Ger­ma­nis­tik­stu­di­um in Düs­sel­dorf be­gon­nen. Als Schü­le­rin hat sie den Deutsch­un­ter­richt ge­liebt, Tho­mas Mann, Hein­rich Mann und an­de­re Klas­si­ker ge­le­sen. Jetzt sitzt sie zwi­schen lau­ter jun­gen Men­schen im Hör­saal – und ge­nießt es. Ein biss­chen fühlt sie sich auch wie auf der Über­hol­spur. „Un­se­re drei Töch­ter sind kurz nach­ein­an­der aus dem Haus ge­gan­gen.“Ein schwe­rer Ab­schied. „Auf ein­mal war das Haus so leer und still.“Das Stu­di­um und das Schrei­ben ver­hin­der­ten, dass sie in ein Loch fiel.

Die Ide­en für Ge­schich­ten ge­hen ihr nicht aus. „Man muss ein­fach nur gut hin­se­hen und zu­hö­ren“, sagt sie. Auch ihr un­er­schüt­ter­lich op­ti­mis­ti­sches Na­tu­rell ist se­gens­reich. Als ih­re Freun­din­nen in die Wech­sel­jah­re ka­men, hat sie ge­sagt: „Ich ma­che doch nicht je­den Quatsch mit.“Tat sie dann auch tat­säch­lich nicht.

RP-FOTO: DET­LEF IL­G­NER

Pe­tra Beth­kes Ge­dicht „Das Meer und die Tau­be“wird im kom­men­den Jahr in der „Frank­fur­ter Bi­b­lio­thek“er­schei­nen. Die Schrif­ten­rei­he wird von der Bren­ta­no-Ge­sell­schaft her­aus­ge­ge­ben.

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