Das wah­re Pa­ra­dies liegt im Was­ser

Die Malediven be­leg­ten laut ei­ner Um­fra­ge im ver­gan­ge­nen Jahr Platz 1 un­ter den Ur­laubs-Traum­zie­len der Deut­schen. Ge­baut wur­den die In­seln von Koral­len – und von ih­nen hängt auch ihr Über­le­ben ab.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINDERSEITE - VON MICHA­EL JUHRAN

Ein war­mer Wind strei­chelt die Haut, Blü­ten­düf­te der Fran­gi­pa­ni kit­zeln die Na­se und ein fast schon un­na­tür­lich wir­ken­des Tür­kis der See ver­wöhnt die Au­gen, die dem Kör­per si­gna­li­sie­ren, an ei­nem der schöns­ten Or­te des Erd­balls an­ge­langt zu sein. Traum­haft leuch­tet der schnee­wei­ße Koral­len­sand, um­säumt von im Wind rau­schen­den Pal­men und bis zum Ho­ri­zont fun­keln die sanf­ten Mee­res­wel­len in der Son­ne wie Dia­man­ten – Paul Gau­gu­in hät­te es nicht schö­ner ma­len kön­nen. Ge­ra­de vom nass­kal­ten Deutsch­land ein­ge­flo­gen, schei­nen sich für Be­su­cher die Pfor­ten des Pa­ra­die­ses ge­öff­net zu ha­ben – hier auf Vi­lu Reef, ei­ner der 1196 In­seln der Malediven, ge­le­gen im Dhaa­lu Atoll, et­wa 130 Ki­lo­me­ter süd­west­lich von Malé, 390 Me­ter lang und 170 Me­ter breit.

Doch Ibra­him Aze­em, Lei­ter des Tauch­zen­trums der In­sel, ist an­de­rer Mei­nung: „In das wah­re Pa­ra­dies ge­langt man erst nach An­le­gen ei­ner Schnor­chel- oder Tauch­aus­rüs­tung.“Kei­ne 30 Me­ter sind es vom Strand bis zum Haus­riff, das die In­sel um­gibt. Dort be­ginnt die Zau­ber­welt der Koral­len, der Wäl­der des Mee­res, wie Jac­ques Cous­teau sie nann­te. St­ein- und Weich­ko­ral­len un­ter­schied­lichs­ter Form und Far­be be­de­cken den Mee­res­bo­den und sind Brut­stät­te, Kin­der­stu­be so­wie Le­bens­raum von rund 1200 Fi­sch­ar­ten, die Wis­sen­schaft­ler rund um die Atol­le zähl­ten. Hier fin­den sie Schutz und Nah­rung.

Ibra­him Aze­em ist stolz: „Un­se­re Rif­fe ge­hö­ren zu den ar­ten­reichs­ten Re­gio­nen der Er­de.“Und man muss kein pas­sio­nier­ter Tau­cher sein, um von der Ma­gie der Koral­len­welt ge­fan­gen zu wer­den und al­les an­de­re um sich her­um zu ver­ges­sen. Schon beim Schnor­cheln im stets ba­de­wan­nen­war­men Meer er­war­tet je­den Gast ein gro­ßes Un­ter­was­ser­ki­no. Von klei­nen Clown­fi­schen über Na­po­le­on­fi­sche, Red Snap­per, Za­cken­bar­sche, Süs­slip­pen- und Kof­fer­fi­sche bis zu St­a­chel­ro­chen und Riff­hai­en wim­melt es bunt im glas­kla­ren Was­ser. See­ster­ne, See­gur­ken und Mee­res­schne­cken er­gän­zen das schil­lern­de Ge­tüm­mel und ab und an lässt sich ei­ne Schild­krö­te se­hen. Neue Hö­hen er­klimmt der Ad­re­na­lin­spie­gel, wird man von ei­nem Schwarm neu­gie­ri­ger bun­ter Fisch­lein ein­ge­schlos­sen, so als woll­ten sie den Be­su­cher in ih­rer ei­ge­nen Welt gast­freund­lich will­kom­men hei­ßen.

Doch so gra­zil die Welt un­ter der Was­ser­ober­flä­che ist, so fra­gil re­agiert sie auch auf Um- welt­ein­flüs­se. „Im März und An­fang April stieg die Mee­res­tem­pe­ra­tur in der obe­ren Was­ser­schicht auf über 30 Grad, ei­ne Tem­pe­ra­tur, bei der vie­le Al­gen be­gin­nen, Gif­te zu er­zeu­gen, wor­auf­hin sie von den Koral­len ab­ge­sto­ßen wer­den. In der Fol­ge blei­chen die Koral­len aus“, be­rich­tet Aze­em. „Glück­li­cher­wei­se war die­se Wär­me­pe­ri­ode zeit­lich be­grenzt, so dass sich die Koral­len be­reits wie­der er­ho­len.“An den Spit­zen ih­rer Ske­let­te leuch­ten die ers­ten Sym­bio­se­al­gen in zar­tem Grün, Ocker, Braun und Blau, so als wür­den Pflan­zen ih­re Blü­ten ent­fal­ten.

Ibra­him macht sich den­noch Sor­gen. „Ich den­ke, in 50 Jah­ren kön­nen wir auf­grund der glo­ba­len Er­wär­mung ech­te Pro­ble­me be­kom­men. Bei ei­ner Ver­stär­kung des Treib­haus­ef­fek­tes ster­ben die Koral­len“, be­fürch­tet er, lässt aber nichts un­ver­sucht, um die­ser Apo­ka­lyp­se ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Im ver­gan­ge­nen Jahr be­gann er, ge­mein­sam mit Gäs­ten des Sun Aqua Vi­lu Reef Re­sorts künst­li­che Koral­len­kör­be aus­zu­set­zen und das Haus­riff in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den zu säu­bern. In ei­nem klei­nen Bas­sin ne­ben der Re­zep­ti­on zieht er mit sei­nen Kol­le­gen klei­ne Schild­krö­ten her­an, die nach ei­ni­gen Mo­na­ten ins Meer ent­las­sen wer­den. Ei­ne ei­ge­ne Ge­mü­se­farm re­du­ziert den Trans­port­be­darf zur Ver­sor­gung mit Le­bens­mit­teln. Auf der be­nach­bar­ten In­sel un­ter­stützt das Re­sort ei­ne Vor­schu­le und ei­ne Schu­le und pflanzt mit dem In­sel­nach­wuchs Bäu­me, um die Ero­si­on durch Strö­mun­gen, Sturm­flu­ten und ho­he Ge­zei­ten ein­zu­däm­men.

Auch die Schü­ler ha­ben Angst da­vor, ei­nes Ta­ges ih­re Hei­mat an das Meer zu ver­lie­ren. Ge­ra­de ein­mal ei­nen hal­ben Me­ter liegt ih­re In­sel über Mee­res­ni­veau und bei ei­nem pro­gnos­ti­zier­ten An­stieg des Mee­res­spie­gels von zehn bis 15 Mil­li­me­ter pro Jahr könn­te es bald be­droh­lich wer­den. Schul­lei­ter Sun­ny Tho­mas und sei­ne Kol­le­gin­nen ha­ben noch den Tsu­na­mi von 2004 in Er­in­ne­rung, als ei­ne rie­si­ge Wel­le über die In­sel roll­te. Aber es gibt Grund zur Hoff­nung, denn wie in den ver­gan­ge­nen Hun­dert­tau­sen­den von Jah­ren wach­sen auch die In­seln dank der Koral­len, die im­mer wie­der neu­es Kalk­se­di­ment pro­du­zie­ren.

Blei­ben die Koral­len in­takt, so könn­te uns das In­sel­pa­ra­dies noch vie­le Jah­re er­hal­ten blei­ben. Die Re­dak­ti­on wur­de vom Sun Aqua Re­sort und Air Ber­lin zu der Rei­se ein­ge­la­den.

FOTOS (2): MICHA­EL JUHRAN

Koral­len sind Brut­stät­te, Kin­der­stu­be so­wie Le­bens­raum von rund 1200 Fi­sch­ar­ten.

Will­kom­men im Pa­ra­dies – die In­sel Vi­lu Reef.

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