Wann gibt’s Geld zu­rück?

Dumm, wenn im Ur­laub nichts ist wie er­war­tet. Ein paar Unan­nehm­lich­kei­ten müs­sen sich Pau­schal­ur­lau­ber zwar ge­fal­len las­sen. Aber längst nicht al­les.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KINDERSEITE - VON JU­LIA NAUE

Pau­schal­rei­sen sol­len ein Rund­um-sorg­los-Pa­ket sein. Flug, Trans­fer, Ho­tel – al­les ist ge­re­gelt. Für Ur­lau­ber heißt es dann nur noch: ent­span­nen bei Son­ne am Meer. Ei­gent­lich. Doch manch­mal geht et­was schief – Zim­mer zu klein, Flug zu spät, Amei­sen im Bad. Wann be­kom­men Pau­schal­ur­lau­ber ihr Geld zu­rück? Was sind klas­si­sche Rei­se­män­gel? Grund­sätz­lich gilt: „Geld be­kommt man bei ei­ner Pau­schal­rei­se wie­der, wenn ein Rei­se­man­gel vor­liegt“, sagt Rei­se­recht­ler Prof. Ernst Füh­rich. Ty­pi­sche Rei­se­män­gel sind et­wa ei­ne Ver­spä­tung beim Flug oder ein feh­len­der Bal­kon. Doch hier kommt es auf das De­tail an: So gilt Ge­richts­ent­schei­dun­gen zu­fol­ge erst ei­ne Flug­ver­spä­tung ab vier St­un­den als Rei­se­man­gel, Ur­lau­ber kön­nen den Preis dann min­dern. Beim Bal­kon stellt sich die Fra­ge, ob er vor­her zu­ge­si­chert wor­den war. Ein Bal­kon­fo­to im Pro­spekt reicht nicht. Wei­te­re klas­si­sche Rei­se­män­gel kön­nen et­wa ei­ne ab­wei­chen­de Zim­mer­art oder ver­dor­be­nes Es­sen sein. Wie ma­chen Rei­sen­de ei­nen Man­gel gel­tend? „Je­der Kun­de muss vor Ort un­ver­züg­lich re­kla­mie­ren“, sagt Füh­rich. Das heißt: Rei­sen­de müs­sen den Man­gel der Rei­se­lei­tung – al­so dem Ver­trags-

part­ner – am Ur­laubs­ort mit­tei­len. „Wer Geld vom Rei­se­ver­an­stal­ter zu­rück möch­te, kann sich nicht nur beim Ho­tel­chef be­schwe­ren.“Fotos als Be­weis sind eben­falls sinn­voll. Nach dem En­de der Rei­se ha­ben Ur­lau­ber vier Wo­chen Zeit, den Man­gel schrift­lich beim Ver­an­stal­ter gel­tend zu ma­chen und ei­ne Preis­min­de­rung zu ver­lan­gen. Wie viel Geld be­kom­men Rei­sen­de wie­der? Das ist nicht ge­setz­lich ge­re­gelt. An­halts­punk­te bie­ten aber die Frank­fur­ter Ta­bel­le oder die Kempt­ner Rei­se­män­gel­ta­bel­le. Füh­richs Kempt­ner Ta­bel­le ent­hält et­wa wich­ti­ge Ur­tei­le zum The­ma. Die Frank­fur­ter Ta­bel­le gibt eben­falls ei­nen Über­blick über Män­gel und die üb­li­chen Preis­min­de­run­gen. Sie ist für Ge­rich­te nicht bin­dend, bie­tet Rei­sen­den aber ei­ne Ori­en­tie­rung, was sie in et­wa ein­for­dern kön­nen. Was sind blo­ße Unan­nehm­lich­kei­ten – al­so kei­ne Rei­se­män­gel? „Ver­ein­zel­te Ka­ker­la­ken gel­ten nicht als Rei­se­man­gel“, er­klärt Füh­rich. Er­heb­li­cher Ka­ker­la­ken­be­fall even­tu­ell schon. An­de­re Tie­re wie ein paar Amei­sen oder Sil­ber­fisch­chen sind eben­falls kein Man­gel. Ab­hän­gig ist das aber auch von der Ho­tel­ka­te­go­rie und da­von, wie orts­üb­lich die Tier­chen sind. Et­was War­te­zeit am Buf­fet kön­nen Ge­rich­te als Unan­nehm­lich­keit be­wer­ten. Arm­bän­der bei All-In­clu­si­ve­Rei­sen wer­den eben­falls als Unan­nehm­lich­keit ge­wer­tet. Wie sieht es aus mit Selbst­ab­hil­fe? Der Rei­se­ver­an­stal­ter ist in der Re­gel da­zu ver­pflich­tet, Ab­hil­fe zu schaf­fen. Al­ler­dings kann der Rei­se­ver­an­stal­ter das ver­wei­gern, wenn es ei­nen un­ver­hält­nis­mä­ßi­gen Auf­wand er­for­dert, wie es im Ge­setz heißt. Leis­tet der Rei­se­ver­an­stal­ter kei­ne Ab­hil­fe, kann der Rei­sen­de das nach Ablauf ei­ner Frist selbst tun und Er­satz für die an­ge­fal­le­nen Mehr­kos­ten ver­lan­gen. Die­se müs­sen an­ge­mes­sen sein. Wer al­so ein Drei-Ster­neHo­tel ge­bucht hat, kann sich nicht plötz­lich im Lu­xus­ho­tel ein­mie­ten. „Der Rei­sen­de muss erst­mal in Vor­kas­se ge­hen“, warnt Füh­rich. Er soll­te die Be­le­ge al­so un­be­dingt auf­be­wah­ren. Was ist, wenn der Rei­sen­de krank wird? Ei­ne Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung zahlt die Stor­no­ge­büh­ren, wenn Ur­lau­ber vor der Rei­se krank wer­den. „Wer ei­ne sol­che Ver­si­che­rung ab­schließt, soll­te dar­auf ach­ten, dass auch an­de­re Rück­tritts­grün­de mit­ver­si­chert sind“, rät Bi­an­ca Boss vom Bund der Ver­si­cher­ten. Das kann et­wa plötz­li­che Ar­beits­lo­sig­keit sein. Ver­brau­cher soll­ten au­ßer­dem prü­fen, ob es ei­nen Ei­gen­an­teil gibt und wie hoch die­ser ist. Schließ­lich wer­den die Stor­no­ge­büh­ren in der Re­gel im­mer hö­her, je nä­her die Rei­se rückt. Wer auf der Rei­se er­krankt, be­nö­tigt ei­ne Rei­se­ab­bruch­ver­si­che­rung. „Hier wer­den ent­gan­ge­ne Rei­se­leis­tun­gen und der Rück­flug er­stat­tet.“

Amei­sen oder Sil­ber­fisch­chen sind kein klas­si­scher Rei­se­man­gel

IL­LUS­TRA­TI­ON: THINKSTOCK/TRIBALIUM

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