Fäl­schen – aber rich­tig

Rheinische Post Moenchengladbach - - HOCHSCHULE -

Man hat­te es längst ge­ahnt. Ken­ner des wis­sen­schaft­li­chen Pu­bli­ka­ti­ons­be­triebs mit sei­nen in­zwi­schen fast flä­chen­de­cken­den Peer-Re­view-Ri­tua­len sind dem­ent­spre­chend nur we­nig ver­wun­dert, dass es nun auch in der Son­der­päd­ago­gik ei­nen Fäl­schungs­skan­dal gibt. Und zwar ei­nen mit An­sa­ge! Zwei Pro­fes­so­ren ist es ge­lun­gen, die er­fun­de­nen Er­geb­nis­se ei­nes er­fun­de­nen For­schungs­pro­jekts in ei­nem Fa­keBei­trag in das an­ge­se­he­ne Fa­ch­or­gan „Zeit­schrift für Heil­päd­ago­gik“ein­zu­schmug­geln. Und kei­ner hat es ge­merkt. We­der in der Re­dak­ti­on, noch un­ter den Kol­le­gen, die das Fa­ke-Pro­dukt im Peer-Re­view durch­ge­wun­ken ha­ben, noch aus der Le­ser­schaft hat ir­gend­je­mand Ver­dacht ge­schöpft. Im Nach­hin­ein frei­lich, nach­dem die Au­to­ren ein „Be­ken­ner­schrei­ben“nach­ge­lie­fert ha­ben, ist die Em­pö­rung groß. Die Re­dak­ti­on hält dem Au­to­ren-Duo vor, dass ei­ne der­ar­ti­ge Be­weis­füh­rung „mit se­riö­sem wis­sen­schaft­li­chen Vor­ge­hen un­ver­ein­bar“sei. Was aber ha­ben die bei­den be­wie­sen? Sie ha­ben ge­zeigt, dass man im heu­ti­gen, an der so- ge­nann­ten Evi­denz­ba­sie­rung ori­en­tier­ten For­schungs­be­trieb den größ­ten Blöd­sinn be­haup­ten kann – Haupt­sa­che man be­zieht sich auf den in­ter­na­tio­na­len For­schungs­stand, prahlt mit ein­ge­wor­be­nen Dritt­mit­teln und un­ter­mau­ert das Gan­ze mit schwer ver­ständ­li­chen sta­tis­ti­schen Mess­wer­ten und Kenn­zif­fern. Statt „ernst­haf­ter päd­ago­gi­scher Über­le­gun­gen zu drän­gen­den Fra­ge­stel­lun­gen“, so die Au­to­ren der Fa­ke-Stu­die, do­mi­nie­re heu­te mehr und mehr ei­ne blin­de Zah­len­gläu­big­keit. Der er­fun­de­nen, aber doch so rei­bungs­los plat­zier­ten Em­pi­rie fehl­te ei­ne schlüs­si­ge theo­re­ti­sche Gr­und­an­nah­me, ja sie wi­der­sprach jeg­li­cher päd­ago­gi­schen Ver­nunft. Fa­zit der Au­to­ren: „Über die För­de­rung so­zi­al be­nach­tei­lig­ter Kin­der in in­klu­si­ven Set­tings müs­sen wir nach­den­ken – al­ler­dings ver­bie­tet die Fra­ge­stel­lung den Rah­men stan­dar­di­sier­ter För­der­pro­gram­me!“For­ma­le Un­an­greif­bar­keit hat in­halt­li­che Über­zeu­gungs­kraft er­setzt. Scha­de ei­gent­lich.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.