Job­cen­ter wehrt sich ge­gen Vor­wür­fe

2,8 Mil­lio­nen Eu­ro wur­den für die Ver­wal­tung statt für die In­te­gra­ti­on Ar­beits­lo­ser ein­ge­setzt – le­gal.

Rheinische Post Moenchengladbach - - KULTUR - VON ANDRE­AS GRUHN

Im Mön­chen­glad­ba­cher Job­cen­ter sind För­der­gel­der, die ei­gent­lich für die In­te­gra­ti­on Lang­zeit­ar­beits­lo­ser in den Ar­beits­markt be­stimmt wa­ren, an­ders als vor­ge­se­hen ver­wen­det wor­den. Ins­ge­samt 2,8 Mil­lio­nen Eu­ro ha­be das Job­cen­ter im Jahr 2015 aus dem ent­spre­chen­den Ein­glie­de­rungs­bud­get ab­ge­zweigt und für den ei­ge­nen Ver­wal­tungs­auf­wand ein­ge­setzt, be­män­gelt der Ar­beits­lo­sen­re­port der Frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge NRW.

Das ist al­ler­dings kei­ne Mön­chen­glad­ba­cher Spe­zia­li­tät, son­dern gän­gi­ge Pra­xis bei na­he­zu al­len Job­cen­ter in NRW. Der Um­schich­tungs­an­teil in Glad­bach be­trägt elf Pro­zent, Spit­zen­rei­ter Kle­ve et­wa kommt auf 36 Pro­zent. „Die­se Pra­xis muss ein En­de ha­ben. Sie ist zwar le­gal, aber nicht le­gi­tim“, wird Andre­as John­sen, Vor­sit­zen­der der Wohl­fahrts­pfle­ge, in ei­ner ent­sp­re- chen­den Ver­öf­fent­li­chung zi­tiert. „Die Freie Wohl­fahrts­pfle­ge NRW for­dert ei­ne ei­gen­stän­di­ge, trans­pa­ren­te und fai­re Er­hö­hung der Ver­wal­tungs­bud­gets der Job­cen­ter an­statt der ak­tu­ell aus­ufern­den Um­schich­tungs­pra­xis.“

Das Mön­chen­glad­ba­cher Job­cen­ter be­stä­tigt die­se Ver­wen­dung der För­der­mit­tel vom Bund grund­sätz­lich, be­tont aber, kei­ne an­de­re Wahl zu ha­ben: „Die vom Bund zu­ge­stan­de­nen Mit­tel für den Ver­wal­tungs­auf­wand rei­chen ein­fach nicht mehr aus“, sagt Bo­do Ver­ma­ßen, stell­ver­tre­ten­der Ge­schäfts­füh­rer des Job­cen­ters. Der Bund stellt ein Ver­wal­tungs­bud­get in Hö­he von knapp 23 Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­fü­gung. Hin­zu kom­men fünf Mil­lio­nen Eu­ro von der Kom­mu­ne. Dies sei aber seit Jah­ren nicht an die Ent­wick­lung der Kos­ten an­ge­passt wor­den, so das Job­cen­ter. „Der Bund weiß, dass die Job­cen­ter des­halb zur Um­schich­tung von För­der­mit­teln ge­zwun­gen sind“, sagt Ver­ma­ßen. Der Ge­setz­ge­ber hat dies so­gar ex­pli­zit er­mög­licht: Denn das So­zi­al­ge­setz­buch II sieht ex­pli­zit vor, dass das Ein­glie­de­rungs­bud­get für die In­te­gra­ti­on von Hartz-IV-Emp­fän­gern und das Ver­wal­tungs­bud­get für das Job­cen­ter ge­gen­sei­tig de­ckungs­fä­hig sind.

Mit an­de­ren Wor­ten: Wenn zum Bei­spiel die Per­so­nal­kos­ten stei­gen (was im Grun­de je­des Jahr der Fall ist), bleibt we­ni­ger Geld für die ar­beits­markt­po­li­ti­schen Maß­nah­men für Hartz-IV-Emp­fän­ger üb­rig. Die Kon­se­quenz: We­ni­ger Hartz-IVEmp­fän­ger pro­fi­tie­ren von ent­spre­chen­den Maß­nah­men.

Für das lau­fen­de Jahr al­ler­dings muss das Job­cen­ter deut­lich we­ni­ger Geld auf die­se Wei­se ver­schie­ben. Aus den 2,8 Mil­lio­nen Eu­ro sind für 2016 nur noch 40.000 Eu­ro ge­wor­den. Grund sind Rück­zah­lun­gen der Agen­tur für Ar­beit in Hö­he von 2,1 Mil­lio­nen Eu­ro, die im Zu- sam­men­hang mit Per­so­nal­kos­ten zu­viel ge­zahlt wor­den wa­ren, so Ver­ma­ßen.

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