„Die Müll­de­tek­ti­ve sind ei­ne Er­folgs­sto­ry“

Der Vor­stands­chef der Stadt­toch­ter Mags Hans-Jür­gen Schnaß über klei­ne Müll­ton­nen, Grill­zo­nen im Stadt­wald und Fried­hofs­flä­chen

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALES - DAS GE­SPRÄCH FÜHR­TEN AN­GE­LA RIETDORF, RALF JÜN­GER­MANN, DIE­TER WE­BER UND DENISA RICH­TERS.

Herr Schnaß, wie kann man ei­nem Düs­sel­dor­fer Mön­chen­glad­bachs klei­ne Müll­ton­nen er­klä­ren? Geht das in die­ser Stadt nicht an­ders? SCHNASS Er­klä­ren kann man das aus der His­to­rie her­aus. Dies war sei­ner­zeit das Er­geb­nis ei­nes Bür­ger­ent­scheids. In an­de­ren Städ­ten gibt es heu­te die­se klei­nen Ton­nen so gut wie nicht mehr. Es geht ja auch nicht viel rein. SCHNASS Grö­ße­res passt manch­mal nur schwie­rig in die Rest­müll­ge­fä­ße rein. Der Rat hat uns jetzt den Auf­trag er­teilt, al­ter­na­ti­ve Mo­del­le der Ab­fall- und Wert­stoff­lo­gis­tik mit den fi­nan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen dar­zu­stel­len. Wir wer­den dem Rat un­ser Er­geb­nis vor­le­gen. Dann müs­sen die Po­li­tik und die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger un­se­rer Stadt ent­schei­den. Die Stadt­be­trie­be GEM und Mags ver­ste­hen sich als Di­enst­leis­ter. Wir wis­sen, dass das ein sen­si­bles The­ma ist. Aber liegt es nicht in der Lo­gik der Din­ge, dass grö­ße­re Ton­nen bil­li­ger wä­ren, weil sie nicht so häu­fig ge­leert wer­den müss­ten? Sind die ho­hen Ab­fall­ge­büh­ren in Mön­chen­glad­bach nicht auch auf die klei­nen Ton­nen zu­rück­zu­füh­ren? SCHNASS Wir sind da­bei, das zu prü­fen. Es ist al­ler­dings in der Tat so, dass es so gut wie kei­ne Schüt­tungs­vor­rich­tun­gen für die Müll­fahr­zeu­ge mehr auf dem Markt gibt, mit de­nen die klei­nen Ton­nen ent­leert wer­den kön­nen. Wenn das Schüt­tungs­sys­tem de­fekt ist, müs­sen wir Er­satz­tei­le ein­zeln an­fer­ti­gen las­sen. Ich ha­be sehr gro­ßen Re­spekt vor der Ar­beit un­se­rer Müll­la­der. Was ist bes­ser: die gel­ben Sä­cke oder ei­ne gel­be Ton­ne? Oder wird ganz auf die Tren­nung ver­zich­tet und der Müll auf dem Band sor­tiert? SCHNASS Das DSD-Sys­tem, al­so Re­cy­cling von Ver­pa­ckun­gen aus Kunst­stoff, ist ein ei­gen­stän­di­ges Sys­tem. Die Ent­schei­dung für die gel­ben Sä­cke gilt bis 2019. Jetzt dar­über zu spe­ku­lie­ren, ob der gel­be Sack auf­ge­ge­ben wird, ist mü­ßig. Es gibt si­cher das Pro­blem, dass die gel­ben Sä­cke bei star­kem Wind durch die Ge­gend flie­gen oder von Tie­ren auf­ge­ris­sen wer­den und lo­ser Müll auf die Stra­ße fällt. Wir ver­su­chen, dem Rech­nung zu tra­gen, in­dem wir den Rhyth­mus der Stra­ßen­rei­ni­gung dar­auf zum Teil an­pas­sen. Die Grund­pro­ble­ma­tik bleibt na­tür­lich. Die Mags ist ein jun­ges Un­ter­neh­men und hat ein heh­res Ziel mit auf den Weg be­kom­men: Mön­chen­glad­bach soll die sau­bers­te Stadt Nord­rheinWest­fa­lens wer­den. Wann wird es so­weit sein? SCHNASS Wir do­ku­men­tie­ren jetzt un­se­re Schrit­te und wer­den zu ge­ge­be­ner Zeit Bi­lanz zie­hen. Wir wol­len das Er­schei­nungs­bild un­se­rer Stadt nach­hal­tig zum Bes­se­ren ver­än­dern. Mön­chen­glad­bach ist ei­ne Stadt mit so­zia­len Pro­ble­men. Ist Sau­ber­keit da nicht ein Lu­xus? SCHNASS Nein. Sau­ber­keit und gu­tes Er­schei­nungs­bild sind nö­tig, da­mit sich die Stadt wei­ter­ent­wi­ckeln kann. Mön­chen­glad­bach wird da­durch at­trak­ti­ver für Fir­men, de­ren Mit­ar­bei­ter und für Gäs­te, die zum Ein­kau­fen kom­men. Das kommt wie­der­um der ört­li­chen Wirt­schaft und da­mit dem Ar­beits­platz­an­ge­bot zu­gu­te. Wir sind ab­so­lut im Kon­text zu der Stadt­ent­wick­lungs­stra­te­gie „mg+ – Wach­sen­de Stadt“. Die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen Herrn Bo­nin und Mags ist sehr gut. Mags ist ge­ra­de erst fünf­ein­halb Mo­na­te da­bei, aber ge­fühlt ist die Stadt schon sau­be­rer. SCHNASS Ja, das wird uns auch von vie­len Bür­gern ge­sagt. Wir muss­ten auch nicht bei Null an­fan­gen. Die GEM leis­tet ei­ne sehr gu­te Ar­beit, und dar­auf kön­nen wir auf­bau­en. Und auch die Un­ter­stüt­zung des Ver­eins Cle­an-up-MG mit sei­nem Vor­sit­zen­den Eu­gen Vie­hof ist für uns sehr wich­tig. Die po­li­ti­sche Op­po­si­ti­on be­schreibt Mags in fi­nan­zi­el­ler Hin­sicht ger­ne als Fass oh­ne Bo­den, weil viel Geld von der Stadt auf das Mags-Kon­to um­ge­bucht wird: Was sa­gen Sie zu die­sen Vor­wür­fen? SCHNASS Als Mags kom­men­tie­ren wir po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen oder State­ments nicht. Un­ser Wirt­schafts­plan ist trans­pa­rent. Wir be­kom­men 2017 mehr für die Leis­tun­gen, die vor­her von der Stadt er­bracht wor­den sind, ins­be­son­de­re für die Stra­ßen­un­ter­hal­tung. Ab 2018 soll das nach dem Rats­be­schluss wie­der ab­ge­schmol­zen wer­den. Wir wol­len da­für sor­gen, dass Flä­chen nicht mehr so pfle­gein­ten­siv sind. Da­für wer­den zum Bei­spiel Grün­flä­chen frei­ge­schnit­ten und zu­rück­ge­baut, so dass sie op­tisch gut und leich­ter zu pfle­gen sind. Ver­kehrs­in­seln sol­len pfle­ge­leich­ter ge­stal­tet wer­den und auch die im­men­se Zahl an Pol­lern, die uns häu­fig bei der Ar­beit be­hin­dert, wird über­prüft. 200 Pol­ler wur­den be­reits in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ent­fernt. Fünf Müll­de­tek­ti­ve ar­bei­ten für Mags. Wie er­folg­reich ist ih­re Ar­beit? SCHNASS Die Müll­de­tek­ti­ve sind ei­ne Er­folgs­sto­ry. Sie sind bei­spiels- wei­se prä­sent, wenn der Ei­cke­ner Markt ab­ge­baut wird und die Markt­be­schi­cker ih­re Ab­fäl­le für die GEMAb­ho­lung zu­sam­men­stel­len. Dann ka­men frü­her oft Leu­te, die ih­ren Müll da­zu­stell­ten. Die wur­den an­ge­spro­chen, das hilft. Die Müll­de­tek­ti­ve er­mit­teln bei wil­den Müll­ab­la­ge­run­gen oder über­wa­chen Con­tai­ner. 130 Buß­geld­ver­fah­ren lau­fen schon. Die Re­so­nanz aus der Be­völ­ke­rung auf die Müll­de­tek­ti­ve ist sehr po­si­tiv. Es wer­den auch Geld­stra­fen ver­hängt. Wie hoch sind die Stra­fen? SCHNASS Ei­ne Tü­te Rest­müll kos­tet ca. 100 Eu­ro, Kip­pen weg­schnip­pen 35 Eu­ro. Prä­ven­ti­on al­lein hilft lei­der nicht, es muss auch Sank­tio­nen ge­ben. Un­ser Ziel das Er­schei­nungs­bild nach­hal­tig zu ver­bes­sern, kann nur er­reicht wer­den, wenn al­le Be­tei­lig­ten un­se­rer Stadt­ge­sell­schaft dar­an mit­wir­ken. Von null auf hun­dert in we­ni­gen Mo­na­ten: Wie schafft man es, das Mags­Füh­rungs­team und die Mit­ar­bei­ter auf die neu­en Auf­ga­ben ein­zu­stim­men? SCHNASS Es ist viel Kom­mu­ni­ka­ti­on, Ein­satz und Fleiß nö­tig. Die Mit­ar­bei­ter ha­ben auch vor­her in­ner­halb der vor­han­de­nen Struk­tu­ren ihr Bes­tes ge­ge­ben. Der Ma­schi­nen­park ist nicht der Neu­es­te. Da gibt es viel zu ver­bes­sern. Auch die Pro­zes­se müs­sen op­ti­miert wer­den. Die Mit­ar­bei­ter mer­ken, dass wir das mit sehr viel En­ga­ge­ment an­ge­hen und zie­hen mit. Ins­be­son­de­re bin ich per­sön­lich sehr dank­bar für die sehr ver­trau­ens­vol­le und en­ga­gier­te Zu­sam­men­ar­beit mit der GEM-Ge­schäfts­füh­re­rin und Mags-Vor­stand Ga­bi Teu­fel. Oh­ne sie wä­ren wir heu­te nicht so­weit. Was wol­len Sie än­dern? SCHNASS Wir wol­len im Grün­be­reich ver­stärkt auch an Drit­te ver­ge­ben. Das ist sinn­voll, so las­sen sich bei­spiels­wei­se sai­so­na­le Ein­flüs­se bes­ser steu­ern. Au­ßer­dem liegt die Grün­pla­nung bei uns. Wir sind da­bei, ei­ne Stra­te­gie für Be­pflan­zung und Pfle­ge auf­zu­stel­len. Bei der Kon­zep­ti­on ei­nes Park­ma­nage­ments un­ter­stützt uns die Hoch­schu­le Nie­der­rhein. Ge­mein­sam er­ar­bei­ten wir ge­ra­de ein Kon­zept für den Stadt­wald. Wir den­ken zum Bei­spiel dar­über nach, mit ge­rin­gem Auf­wand, den Ein­gangs­be­reich mit den Con­tai­nern und Toi­let­ten­an­la­gen zu ver­än­dern. Auch sol­che Din­ge ge­hö­ren zur ge­fühl­ten Sau­ber­keit. Wir ha­ben ein­heit­li­che An­sprech­part­ner für al­le un­se­re Auf­ga­ben­be­rei­che ein­ge­führt. Die Mit­ar­bei­ter ste­hen den Bür­gern mon­tags bis sams­tags von 6 bis 22 Uhr te­le­fo­nisch und per E-Mail zur Ver­fü­gung. Im nächs­ten Jahr wird es auch ei­ne App ge­ben. Wo lie­gen die oft be­ton­ten Sy­ner­gi­en? SCHNASS Die We­ge sind ein­fach deut­lich kür­zer, und die Pro­zes­se kön­nen an­ders ge­stal­tet wer­den. Zum Bei­spiel wird der Grün­schnitt auf den Aus­fall­stra­ßen mit der GEM ko­or­di­niert. Ei­ne Ma­schi­ne der GEM fährt dem Mä­her hin­ter­her und nimmt den Grün­schnitt auf. Auch im ad­mi­nis­tra­ti­ven Be­reich ar­bei­ten GEM und Mags eng zu­sam­men, so dass Stel­len ein­ge­spart wer­den kön­nen. Ein in­ter­ner Re­or­ga­ni­sa­ti­ons­pro­zess wur­de ein­ge­lei­tet. Die Pfle­ge des Rhe­ydter Markt­plat­zes ist sehr auf­wen­dig. Wür­de das bes­ser klap­pen, wenn man Sie vor der Gestal­tung ge­fragt hät­te? SCHNASS Da­mals gab es Mags noch nicht. Heu­te ge­ben wir bei der Pla­nung ei­ne Stel­lung­nah­me zum Un­ter­hal­tungs­auf­wand der ent­spre­chen­den Flä­che ab. Dann ent­schei­det die Po­li­tik. Auch städ­ti­sche Fried­hö­fe ge­hö­ren in die Zu­stän­dig­keit von Mags. Vie­le sind zu groß. Gibt es ein Kon­zept? SCHNASS Die Be­er­di­gungs­kul­tur hat sich von Erd­be­stat­tun­gen hin zu Ur­nen­be­stat­tun­gen mas­siv ver­än­dert. Wir wol­len die Fried­hofs­an­ge­bo­te at­trak­ti­ver ma­chen und ha­ben uns mit Be­stat­tern, St­ein­met­zen und Fried­hofs­gärt­nern zu­sam­men­ge­setzt und vie­le Ide­en in ein Rah­men­kon­zept ein­flie­ßen las­sen, wie zum Bei­spiel die Ein­füh­rung wei­te­rer Grabar­ten wie Baum- und Wald­grä­ber oder Ur­nen­s­te­len. Frei­wer­den­de Flä­chen sol­len ent­wid­met und zur Ver­mark­tung frei­ge­ge­ben wer­den. Zum Bei­spiel in Hardt oder am Haupt­fried­hof sind Kon­zep­tio­nen ge­plant.

RP-FO­TO: DET­LEF ILGNER

Hat sich die Sau­ber­keit der Stadt auf die Fah­nen ge­schrie­ben: Hans-Jür­gen Schnaß, Chef der neu­en Stadt­toch­ter Mags.

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