Raf­fa­el und HaHa oh­ne Wir­kung

Bo­rus­si­as Of­fen­si­ve war beim 0:1 in Augs­burg gut be­setzt, schoss aber kaum aufs Tor.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON JAN­NIK SORGATZ

AUGS­BURG Raf­fa­els gries­grä­mi­ger Ab­gang bei sei­ner Aus­wechs­lung in der 74. Mi­nu­te hat­te drei mög­li­che Grün­de: Er könn­te sich ers­tens ge­är­gert ha­ben, weil er kurz zu­vor ei­nen Schlag ab­be­kom­men hat­te und an­ge­schla­gen war. Zwei­tens könn­te er trotz­dem sau­er ge­we­sen sein, weil An­dré Schu­bert ihn so­fort raus­nahm. Zu­nächst sah es so aus, als wol­le Raf­fa­el den leich­ten Pfer­de­kuss raus­lau­fen, wie man bis in die Kreis­li­ga hin­ab zu sa­gen pflegt. Und drit­tens wird der Bra­si­lia­ner ein­fach nicht zu­frie­den ge­we­sen sein mit die­sem Nach­mit­tag beim FC Augs­burg, der Glad­bachs fünf­te Aus­wärts­nie­der­la­ge in Fol­ge brach­te.

Dass das 0:1 kein Raf­fa­el-Spiel war, konn­te je­der se­hen. Da­bei er­reich­te Bo­rus­sia den Tief­punkt erst ein paar Se­kun­den spä­ter. Die Par­tie war un­ter­bro­chen, weil Augs­burg ei­nen Eck­ball be­kom­men hat­te. Den brach­te Jo­na­than Schmid in die Mit­te, To­bi­as Strobl schal­te­te nicht schnell ge­nug und Bo­rus­si­as ehe­ma­li­ger Leih­spie­ler Martin Hin­te­reg­ger, aus­staf­fiert mit ei­ner Ge­sichts­ma­ke, be­för­der­te den Ball per Kopf ins Tor.

Von Raf­fa­el selbst gibt es meist üb­lich kei­ne per­sön­li­chen Ein­las­sun­gen zum Spiel. Schu­bert da­ge­gen ver­tei­dig­te auf Nach­fra­ge die Aus­wechs­lung sei­nes bes­ten Fuß­bal­lers. „Wenn Raf­fa­el auf dem Platz bleibt und sich ver­letzt, heu­len wir wie­der al­le rum“, sag­te Schu­bert. „Un­se­re Of­fen­siv­spie­ler ha­ben sich ins­ge­samt schwer ge­tan. Es ist nor­mal, wenn ein Spie­ler dann mal un­zu­frie­den ist.“Ibra­hi­ma Tra­o­ré ha­be ihm das mal er­klärt, nach­dem die­ser Schu­bert einst in der Coa­chin­gzo­ne nicht ge­ra­de um­armt hat­te. „Ich ha­be ge­lernt, dass man das re­spek­tie­ren muss“, sag­te der 45-Jäh­ri­ge.

Je­den­falls sprach Raf­fa­els wie auch im­mer ge­ar­te­te Un­zu­frie­den­heit Bän­de. Er hat­te ja nicht so schlecht ge­spielt: Enor­me Pass­si­cher­heit, star­ke Zwei­kampf­bi­lanz, ins­ge­samt war Raf­fa­el an je­dem Tor­schuss be­tei­ligt, den Bo­rus­sia ab­gab, wäh­rend er auf dem Platz stand. Sechs be­rei­te­te er vor, dar­un­ter die bes­te Chan­ce durch Mo Dahoud. Ei­nen Ver­such gab Raf­fa­el selbst ab, aber der war harm­los. Viel­mehr wur­de in Augs­burg deut­lich, dass der „Ma­e­s­tro“mo­men­tan kei­ne Mit­strei­ter hat.

Th­or­gan Ha­zards Form war beim 1:4 ge­gen Bo­rus­sia Dort­mund und beim 0:4 ge­gen den FC Bar­ce­lo­na so ab­ge­fal­len, dass Schu­bert beim 1:0 ge­gen den FSV Mainz 05 von Be­ginn an auf An­dré Hahn setz­te. Dem wie­der­um ge­lingt es seit ge­rau­mer Zeit nicht mehr, fuß­bal­le­ri­sche De­fi­zi­te auf be­ein­dru­cken­de Art mit sei­ner Men­ta­li­tät aus­zu­glei­chen. Al­so kam ver­gan­ge­ne Wo­che Ha­zard schon zur zwei­ten Halb­zeit für Hahn rein und mach­te es et­was bes­ser, im­mer­hin ging sei­ne Ecke dem 1:0 vor­aus. Da Lars St­indl auf­grund ei­nes grip­pa­len In­fekts in Augs­burg fehl­te, durf­te das Duo „HaHa“erst­mals seit dem 0:4 auf Schal­ke ge­mein­sam von Be­ginn ran. Ha­zard hin­ter­ließ in der An­griffs­sta­tis­tik kei­ner­lei Spu­ren, Hahn schoss ein­mal aus gro­ßer Dis­tanz und schlug zwei Flan­ken oh­ne Ab­neh­mer.

Das „Ex­pec­ted Go­als“-Mo­dell hilft, Bo­rus­si­as Harm­lo­sig­keit greif­ba­rer zu ma­chen. Je­der Tor­ab­schluss hat ei­nen be­stimm­ten Wert, ge­mes­sen dar­an, wie vie­le Ver­su­che aus der je­wei­li­gen Po­si­ti­on den Weg ins Tor fin­den. Am En­de wird al­les ad­diert und rein hy­po­the­tisch lässt sich sa­gen, dass ein Spiel zum Bei­spiel in ei­nem 1,2:0,8 ein ge­rech­tes Er­geb­nis ge­fun­den hät­te. Es geht, wie ge­sagt, um die Re­la­tio­nen. Glad­bach und Augs­burg wa­ren am Sams­tag so harm­los, dass der „Ex­pec­ted Go­als“-Wert bei 0,4:0,4 lag. Das ist ge­meint, wenn Trai­ner von ei­nem „Null-zu-Null-Spiel“spre­chen. In den ver­gan­ge­nen Par­ti­en kam Bo­rus­sia ins­ge­samt nur auf 1,2 zu er­war­ten­de To­re. Von ei­nem Chan­cen­ver­wer­tungs-Pro­blem kann längst nicht mehr die Re­de sein – es gibt fast kei­ne Chan­cen mehr. Da be­darf es kei­nes Pfer­de­kus­ses, um an­ge­fres­sen zu sein.

FO­TO: DIRK PÄFFGEN

10 plus 11 gleich kein Tor: Raf­fa­el (hin­ten rechts) und Th­or­gan Ha­zard (Mit­te) hin­ter­lie­ßen in Augs­burg in der An­griffs­sta­tis­tik kaum Spu­ren. Der Bra­si­lia­ner wur­de zu­dem aus­ge­wech­selt.

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