Max Eberl muss die Ver­trau­ens­fra­ge stel­len

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL -

Ges­tern hat­ten die Bo­rus­sen Weih­nachts­fei­er. Es ist zu ver­mu­ten, dass die Pro­fis ne­ben dem „Ho-Ho-Ho!“des Weih­nachts­manns auch et­li­che mah­nen­de Wort zu hö­ren be­ka­men. Denn recht er­quick­lich ist die Si­tua­ti­on nicht. Ma­na­ger Max Eberl hat längst ei­ne Re­vi­si­on an­ge­kün­digt, und zwar ei­ne, bei der er ri­go­ros in al­le Ecken schau­en will, um Ant­wor­ten zu fin­den auf die ent­schei­den­den Fra­gen: War­um gibt es im Team kei­nen ech­ten Le­a­der? War­um gibt es im­mer wie­der ver­let­zungs­be­ding­te Aus­fäl­le? War­um ist die Aus­wärts­bi­lanz so dürf­tig? War­um bricht Bo­rus­sia so häu­fig ein? Ist das Team ge­hemmt oder fehlt es an ge­wis­sen Qua­li­tä­ten? Wel­che Im­pul­se braucht es, um den Trend grund- sätz­lich zu än­dern? Wel­che neu­en Spie­ler­ty­pen könn­ten hel­fen? Und vor al­lem: Ist An­dré Schu­bert noch der rich­ti­ge Trai­ner?

Eberl hat Schu­bert ei­nen Ver­trau­ens­vor­schuss ge­ge­ben, als er nach dem star­ken Start En­de Sep­tem­ber des­sen Ver­trag ver­län­ger­te. Die Bi­lanz seit­her: Ein Sieg aus den letz­ten zehn Bun­des­li­ga­spie­len, sechs Punk­te – 0,6 Punk­te im Schnitt, das ist die Bi­lanz ei­nes Ab­stei­gers. 42 Punk­te hat Schu­bert 2016 zu­sam­men­ge­tra­gen, höchs­tens 45 kön­nen es wer­den. 42 bis 45 Punk­te, das war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein Rang zwi­schen 8 und 10, Mit­tel­maß al­so. Bo­rus­sia ist im Po­kal wei­ter und über­win­tert in Eu­ro­pa. Doch die Li­ga ist das Haupt­ge­schäft, das be­to­nen die Bo­rus­sen stets. Dort hakt es und das wird auch der we­sent­li­che Be­wer­tungs­fak­tor sein.

Bis zum Hof­fen­heim-Spiel stimm­te noch der In­halt der Spie­le, da fehl­te nur der Er­trag. Seit­her je­doch ging na­he­zu al­les ver­lo­ren. Selbst der er­kämpf­te Sieg ge­gen Mainz gab kei­ne Si­cher­heit. Das be­deu­tet: höchs­te Alarm­stu­fe. Der­zeit fehlt ei­ne kla­re Struk­tur, ei­ne Rück­zugs­mög­lich­keit, die Si­cher­heit gibt. Dar­um fällt dem Team das Kri­sen­ma­nage­ment schwer. Eberl wird die Ver­trau­ens­fra­ge stel­len mit Blick auf sei­ne Ver­ant­wor­tung für den Klub: Kann Schu­bert die Rich­tung än­dern? Bis­her nicht. Der­zeit gibt es da­her nur we­nig Ar­gu­men­te, die An­lass für ein kla­res „Ja“er­ge­ben. Bleibt Schu­bert, muss er sich qua­si neu er­fin­den.

Doch ist nicht nur er auf dem Prüf­stand, son­dern auch das Team. Dass es ein Chef-Va­ku­um gibt, wur­de nun er­kannt, denn erst wenn es nicht läuft, wird so et­was of­fen­bar. Ein Chef-Typ soll im Win­ter kom­men, das hat Eberl an­ge­kün­digt. Gleich­wohl wird er auch dar­auf schau­en, wel­che der vor­han­de­nen Spie­ler in der Rück­run­de wirk­lich hel­fen kön­nen und wer der Kern des Teams der Zu­kunft sein kann. Mög­lich, dass im Som­mer ei­ne Neu­ori­en­tie­rung an­steht. Die Win­ter­trans­fers kön­nen Teil 1 da­von sein, sie müs­sen kur­zund lang­fris­tig wir­ken.

Selbst­ana­ly­se kann schmerz­haft sein. Aber auch heil­sam. Es geht nicht nur um die Rück­run­de, son­dern um den Weg für Bo­rus­si­as Zu­kunft. Kars­ten Kel­ler­mann

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.