Nor­we­gens ka­tho­li­sche Kir­che soll Zah­len fri­siert ha­ben

Rheinische Post Moenchengladbach - - WEITSICHT - VON AN­DRÉ ANWAR

OS­LO In Nor­we­gen läuft der­zeit ein auf­se­hen­er­re­gen­der Pro­zess. Die ka­tho­li­sche Kir­che und das staat­li­che Kul­tur­amt ste­hen sich we­gen der For­de­rung nach ei­ner Rück­zah­lung von 40 Mil­lio­nen Kro­nen (4,4 Mil­lio­nen Eu­ro) vor Ge­richt ge­gen­über. Im pro­tes­tan­ti­schen Nor­we­gen er­hal­ten re­li­giö­se Min­der­hei­ten auf Ba­sis ih­rer Mit­glie­der­zah­len Geld vom Staat. Die da­für lan­des­weit ver­ant­wort­li­che Diö­ze­se Os­lo soll zwi­schen 2010 und 2014 die An­zahl der Ka­tho­li­ken im Lan­de des­halb kräf­tig nach oben fri­siert ha­ben.

In die­ser Zeit stieg die An­zahl der Ka­tho­li­ken deut­lich von 66.000 auf 140.000 an. Kir­chen­an­ge­stell­te sol­len die ört­li­chen Te­le­fon­bü­cher durch­ge­gan­gen sein, um un­ter an­de­rem Ein­wan­de­rer aus­fin­dig zu ma­chen, de­ren Na­men dar­auf hin­deu­te­ten, dass sie aus mehr­heit­lich ka­tho­li­schen Län­dern stam­men. Da­nach soll die Kir­che das in Nor­we­gen weit­ge­hend öf­fent­li­che Mel­de­re­gis­ter ge­nutzt ha­ben, um die Ge­burts­da­ten der Au­ser­wähl­ten ord­nungs­ge­mäß in das Mit­glie­der­re­gis­ter ein­zu­tra­gen. Die Be­trof­fe­nen wur­den nicht ge­fragt.

Rund 7000 Be­frag­te ga­ben nach der Auf­de­ckung des Skan­dals an, nicht Mit­glied in der ka­tho­li­schen Kir­che sein zu wol­len. Die Dun­kel­zif­fer ist un­ge­wiss. Die Kir­che gibt an, dass die neu ein­ge­tra­ge­nen Mit­glie­der, et­wa wenn sie aus Süd­ame­ri­ka oder Po­len kom­men, mit Si­cher­heit ka­tho­lisch ge­tauft sei­en und si­cher nichts ge­gen die Auf­nah­me ins Mit­glie­der­re­gis­ter hät­ten. Das Bis­tum will le­dig­lich staat­li­ches Geld für je­ne Mit­glie­der zu­rück­zah­len, die aus­drück­lich nicht zur Kir­che ge­hö­ren möch­ten.

Ge­gen den Fi­nanz­chef der Kir­che wur­de zu­dem An­kla­ge we­gen gro­ben Be­trugs er­ho­ben. Er sei für die jähr­li­che Mel­dung der Mit­glie­der­zah­len an den Staat ver­ant­wort­lich, be­grün­de­te die Staats­an­walt­schaft. Für ei­ne Straf­ver­fol­gung des Os­lo­er Bi­schofs Bernt Eids­vig sei­en da­ge­gen nicht ge­nug An­halts­punk­te ge­fun­den wur­den, dass er von der Re­kru­tie­rungs­pra­xis wuss­te.

Kir­chen­an­ge­stell­te ko­pier­ten die Na­men neu­er Gläu­bi­ger aus Te­le­fon­bü­chern

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