Na­to-Russ­land-Rat en­det er­geb­nis­los

Bei­de Sei­ten blei­ben in den zen­tra­len Fra­gen des Ukrai­ne-Kon­flikts un­eins.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK -

BRÜS­SEL (dpa) Das ers­te Tref­fen von Ver­tre­tern der Na­to und Russ­lands seit mehr als fünf Mo­na­ten hat kei­ne greif­ba­ren Er­geb­nis­se ge­bracht. Na­to-Ge­ne­ral­se­kre­tär Jens Stol­ten­berg be­schrieb die Dis­kus­si­on ges­tern zwar als of­fen und um­fas­send. Gleich­zei­tig be­ton­te er, dass sich bei­de Sei­ten in zen­tra­len Fra­gen wei­ter nicht ei­nig sei­en. „Die Al­li­ier­ten und Russ­land ver­tre­ten un­ter­schied­li­che An­sich­ten“, sag­te Stol­ten­berg nach dem Tref­fen.

The­ma bei den drei­ein­halb­stün­di­gen Ge­sprä­chen in der Na­to-Zen­tra­le in Brüs­sel wa­ren un­ter an­de­rem der Ukrai­ne-Kon­flikt und Initia­ti­ven für mehr Trans­pa­renz und Ri­si­ko­re­du­zie­rung bei Mi­li­tär­ma­nö­vern. Mos­kau kri­ti­sier­te er­neut die Auf­rüs­tungs­be­schlüs­se des Mi­li­tär­bünd­nis­ses, die ei­ne Ver­le­gung Tau­sen­der Sol­da­ten in das öst­li­che Na­to-Ge­biet vor­se­hen. Die Na­to er­klärt sie als an­ge­mes­se­ne Re­ak­ti­on auf die Ukrai­ne-Kri­se und die Angst öst­li­cher Mit­glieds­län­der vor ei­nem rus­si­schen An­griff. Vor al­lem Li­tau­en, Lett­land, Est­land und Po­len füh­len sich be­droht, seit Russ­land im Früh­jahr 2014 die ukrai­ni­sche Halb­in­sel Krim an­nek­tiert hat und da­mit be­gann, pro­rus­si­sche Se­pa­ra­tis­ten in der Ost-Ukrai­ne zu un­ter­stüt­zen.

Die Ver­tre­ter der 28 Na­to-Staa­ten und Russ­lands wa­ren ges­tern zum ers­ten Mal seit Ju­li wie­der zu of­fi­zi­el­len Ge­sprä­chen zu­sam­men­ge­kom­men. Der Rat gilt als das wich­tigs­te Fo­rum für Ge­sprä­che zwi­schen dem west­li­chen Mi­li­tär­bünd­nis und Russ­land. Er wur­de 2002 ge­grün­det, um Russ­land eng in die Ar­beit der trans­at­lan­ti­schen Mi­li­tär­al­li­anz ein­zu­bin­den und Ver­trau­en zwi­schen den eins­ti­gen Geg­nern zu bil­den. Das Gre­mi­um kann auf sämt­li­chen po­li­ti­schen Ebe­nen ta­gen – von den Na­to-Bot­schaf­tern über die Ver­tei­di­gungs- und Au­ßen­mi­nis­ter bis hin zu den Staats- und Re­gie­rungs­chefs.

Auf Bot­schaf­ter­ebe­ne soll der Na­to-Russ­land-Rat ei­gent­lich ein­mal im Mo­nat ta­gen. Das jet­zi­ge Tref­fen war al­ler­dings erst das drit­te in die­sem Jahr. Zwi­schen Ju­ni 2014 und April 2016 lag der Dia­log we­gen des Ukrai­ne-Kon­flikts kom­plett auf Eis. Die Na­to-Staa­ten hat­ten je­de zi­vi­le oder mi­li­tä­ri­sche Zu­sam­men­ar­beit mit Russ­land aus­ge­setzt. Seit der Wie­der­auf­nah­me der Ge­sprä­che auf Di­plo­ma­ten­ebe­ne gab es kei­ne ent­schei­den­de An­nä­he­rung. Dass Russ­land die Krim an­nek­tiert und die pro­rus­si­schen Se­pa­ra­tis­ten zu un­ter­stüt­zen hat, hält der Wes­ten für völ­ker­rechts­wid­rig.

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