Rhe­ydter Se­ri­en­dieb: Land­ge­richt lehnt Ver­fah­ren ab

Weil ei­ne Zwangs­ein­wei­sung des Man­nes in Be­tracht kam, woll­te das Amts­ge­richt den Fall wei­ter­lei­ten. Ver­ge­bens.

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA - VON GA­BI PE­TERS

Über zwei Jah­re lang ging der be­rühmt-be­rüch­tig­te Se­ri­en­dieb bei­na­he täg­lich in der Rhe­ydter Ci­ty auf Beu­te­tour. Er stahl von So­cken bis hin zu Kaf­fee und Kof­fern al­les, was ihm in die Fin­ger ge­riet. Doch ins Ge­fäng­nis kam er bis heu­te nicht. Weil er so lan­ge un­be­hel­ligt blieb, sorg­te der no­to­ri­sche Straf­tä­ter bun­des­weit für Schlag­zei­len. So­gar Jus­tiz­mi­nis­ter er­fuh­ren von dem Se­ri­en­dieb aus Rhe­ydt.

Dass dem Mann, der mitt­ler­wei­le im­mer­hin schon an­ge­klagt ist, noch nicht der Pro­zess ge­macht wur­de, liegt nun dar­an, dass Ge­rich­te das Ver­fah­ren hin- und her­schie­ben. Ei­gent­lich soll­te der Lang­fin­ger im Sep­tem­ber auf der An­kla­ge­bank sit­zen. Doch der an­be­raum­te Haupt­ver­hand­lungs­ter­min am Amts­ge­richt wur­de auf­ge­ho­ben. Nach ei­nem Gut­ach­ten zur Schuld­fä­hig­keit des no­to­ri­schen Die­bes war der Rich­ter zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, dass für den 32-jäh­ri­gen An­ge­klag­ten ei­ne Zwangs­ein­wei­sung in ei­ne psych­ia­tri­sche Kli­nik in Be­tracht kommt. Weil dies nicht vom Amts­ge­richt, son­dern nur vom Land­ge­richt be­stimmt wer­den darf, wur­de der Fall dort vor­ge­legt. Doch das Land­ge­richt gab die Ak­ten zu­rück an das Amts­ge­richt. Das teil­te Ge­richts­spre­cher Jan-Phi­lip Schrei­ber auf An­fra­ge un­se­rer Zei­tung mit. Die Ent­schei­dung, den Fall nicht zu über­neh­men, wird haupt­säch­lich da­mit be­grün­det, dass die an­ge­klag­ten Ta­ten nicht schwer ge­nug für ei­ne Zwangs­un­ter­brin­gung sei­en.

An­ge­klagt ist der Se­ri­en­dieb we­gen Dieb­stahls und ge­werbs­mä­ßi­gen Dieb­stahls in vie­len Fäl­len. Ju­ris­tisch ge­se­hen, zäh­le in ers­ter Li­nie die Qua­li­tät der Ein­zel­ta­ten. Und die sei­en eben nicht be­son­ders schwer­wie­gend, sagt Schrei­ber. Au­ßer­dem ha­be die Kam­mer in ih­rer Be­grün­dung ge­schrie­ben, dass laut Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten von dem An­ge­klag­ten zwar wei­te­re Dieb­stahls­de­lik­te zu er­war­ten sei­en, es aber kei­ne An­halts­punk­te für Ge­walt- oder Kör­per­ver­let­zungs­de­lik­te ge­be. Für ei­ne Un­ter­brin­gung in der Psych­ia­trie müs­se aber ge­nau ei­ne sol­che Ge­fahr von dem An­ge­klag­ten aus­ge­hen, sagt Schrei­ber.

Nun wird viel von dem drit­ten Gut­ach­ten über den no­to­ri­schen Dieb ab­hän­gen. Ein Ex­per­te hat dem 32-Jäh­ri­gen be­reits Schuld­un­fä­hig­keit at­tes­tiert. Ein Zwei­ter be­fand, der Mann kön­ne für sei­ne Ta­ten ver­ant­wort­lich ge­macht wer­den. Wenn nun der drit­te wie­der da­von aus­geht, dass der Rhe­ydter Se­ri­en­di­en schuld­un­fä­hig ist, dann könn­te der sei­ne täg­li­chen Die­bes­tou­ren bald wie­der fort­set­zen.

Dass der Mann psy­chisch auf­fäl­lig ist, scheint au­ßer Fra­ge zu ste­hen. Be­reits zu Be­ginn die­ses Jah­res hat­te sein Be­treu­er ei­ne Un­ter­brin­gung für den 32-Jäh­ri­ge be­an­tragt. Und dies war auch vom Ge­richt be­wil­ligt wor­den.

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