Rhe­nus Lub schmiert die TGV-Wei­chen

Meh­re­re 10.000 Ki­lo Schmier­fett lie­fert das Rhein­dah­le­ner Un­ter­neh­men jähr­lich an die fran­zö­si­sche Staats­bahn. Auch an­sons­ten läuft es rund: Die Fir­men­zen­tra­le wird neu-, die Fett­fa­brik aus­ge­baut. Und die Öl­fa­brik wird mo­der­ni­siert.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE WIRTSCHAFT - VON JAN SCHNETTLER

Es sieht ein biss­chen aus wie Ho­nig. Ähn­lich leicht­flüs­sig ist es auch. Trotz­dem wird es nicht aufs Brot ge­schmiert, son­dern auf die Wei­chen im 2036 Ki­lo­me­ter lan­gen Schie­nen­netz des Hoch­ge­schwin­dig­keits­zu­ges TGV. Die Re­de ist von ei­nem ei­gens ent­wi­ckel­ten Spe­zi­al­schmier­fett aus dem Hau­se Rhe­nus Lub, das so­wohl bio­lo­gisch ab­bau­bar, wit­te­rungs- und UV-be­stän­dig als auch be­son­ders lang­le­big ist. Meh­re­re 10.000 Ki­lo­gramm da­von lie­fert der Rhein­dah­le­ner Ent­wick­ler und Her­stel­ler von Schmier­fet­ten und Kühl­schmier­stof­fen jähr­lich an die fran­zö­si­sche Staats­bahn SNCF.

„Zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen hat es mich et­was ge­wun­dert, dass wir bei die­sem Pres­ti­ge­pro­jekt als deut­sches Un­ter­neh­men über­haupt lie­fern dür­fen“, sagt In­ha­ber Dr. Max Rei­ners. Da man je­doch die oh­ne­hin ho­hen An­for­de­run­gen der Spe­zi­fi­ka­tio­nen in meh­re­ren Punk­ten deut­lich über­trof­fen ha­be, ha­be man den Zu­schlag be­kom­men – wenn auch nicht als Al­lein­lie­fe­rant. Ein fran­zö­si­scher An­bie­ter zählt eben­falls zu den ex­klu­si­ven Lie­fe­ran­ten des TGV und ist an­teils­mä­ßig stär­ker ver­tre­ten. Der Auf­trag sei zeit­lich nicht be­grenzt, lau­fe bis auf Wei­te­res. „Wenn man erst ein­mal den Fuß in der Tür hat, sitzt man ir­gend­wann auch auf dem So­fa“, sagt Rei­ners und lacht.

Ein An­zei­chen da­für, dass es bei dem 1882 durch Wil­helm Schlaf­horst ge­grün­de­ten Un­ter­neh­men der­zeit läuft wie ge­schmiert. Aber bei­lei­be nicht das ein­zi­ge. Auch ein Neu­bau auf dem Fir­men­ge­län­de an der Er­kelen­zer Stra­ße steht in den Start­lö­chern, das Bau­feld ist schon ab­ge­steckt. Ein Mön­chen­glad­ba­cher Un­ter­neh­men baut. „Un­ser be­ste­hen­des Bü­ro­ge­bäu­de ist rund 40 Jah­re alt und un­ter en­er­ge­ti­schen Ge­sichts­punk­ten al­les an­de­re als op­ti­mal“, sagt Rei­ners. Au­ßer­dem sei es mit sei­nen vier Stock­wer­ken und der al­ter­tüm­li­chen Raum­auf­tei­lung schlicht­weg zu groß – es stam­me aus der Zeit, als Rhe­nus und Schlaf­horst das Ge­bäu­de ge­mein­schaft­lich nutz­ten. Der Be­stands­bau wer­de bis auf das Erd­ge­schoss zu­rück­ge­baut, dort sol­len dann un­ter an­de­rem die Be­spre­chungs­räu­me an­ge­sie­delt wer­den. Der Neu­bau wer­de zwei­ge­schos­sig, bei­de Bau­ten sol­len ein­an­der op­tisch an­ge­gli­chen wer­den. Die Grund­stein­le­gung schwebt dem Fir­men­in­ha­ber für den 11. April 2018 vor – sei­nen 65. Ge­burts­tag.

Ins­ge­samt 15 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tie­re Rhe­nus Lub für Um­bau, Neu­bau, Öl­fa­brik und Fett­fa­brik. In Sa­chen Öl­fa­brik ha­be man von den Plä­nen ei­nes Neu­baus Ab­stand ge­nom­men und wol­le statt­des­sen die be­ste­hen­de bis 2020 suk­zes­si­ve mo­der­ni­sie­ren, zu ei­nem Drit­tel des ur­sprüng­lich ein­kal­ku­lier­ten Kos­ten­vo­lu­mens. „Das hat mit ge­rin­ge­rem Auf­wand und ge­rin­ge­rem fi­nan­zi­el­len Ri­si­ko für die Kun­den die glei­che Wir­kung und si­chert so­mit lang­fris­tig den Stand­ort“, sagt Rei­ners. Und er schiebt gleich hin­ter­her: „In­ves­ti­tio­nen in Pro­duk­ti­on und In­dus­trie 4.0 sind bei uns nicht mit Ein­spa­run­gen an mensch­li­cher Ar­beit ver­bun­den.“In der Fett­fa­brik soll ei­ne zu­sätz­li­che Pro­duk­ti­ons­li­nie ge­baut wer­den – ob­wohl der Markt quan­ti­ta­tiv rück­läu­fig sei, ge­win­ne man zu­sätz­li­che Markt­an­tei­le spe­zi­ell im in­ter­na­tio­na­len Be­reich. „Ab 1. Ja­nu­ar 2017 stel­len wir im Be­reich Fett auf Sechs-Ta­ge-Wo­che im ZweiSchicht-Be­trieb um“, sagt Rei­ners. „Und hof­fen, dass auch das 2018 nicht mehr aus­rei­chen wird.“Dies wür­de dann durch die neue An­la­ge auf­ge­fan­gen wer­den.

Rich­tig nach vorn ge­bracht hat die Fir­ma zu­letzt auch das so ge­nann­te Flu­id-Sa­fe-Sys­tem, das die Leis­tungs­fä­hig­keit von Kühl­schmier­stof­fen in Echt­zeit über­wacht. Bis­her wer­den die Pro­ben noch hän­disch und zeit­ver­zö­gert im La­bor un­ter­sucht – bis da­hin kann ei­ne von Bak­te­ri­en be­fal­le­ne Emul­si­on aber längst „ge­kippt“sein. „Das kann au­ßer uns kei­ner“, sagt der 63Jäh­ri­ge. Das ver­sie­gel­te Ge­rät, das Rhe­nus des­halb aus­schließ­lich ver­mie­tet, kom­me et­wa be­reits bei ei­nem gro­ßen Au­to­mo­bil­zu­lie­fe­rer zum Ein­satz und ber­ge Kos­ten­ein­spa­run­gen von bis zu zehn Pro­zent.

Un­ter­neh­me­ri­sche Vor­sicht („Wir le­gen Wert dar­auf, mit kei­nem Ein­zel­kun­den mehr als zehn Pro­zent Um­satz zu ma­chen“) ge­paart mit In­ves­ti­ti­ons-, In­no­va­tions- und For­schungs­freu­de sol­len al­so auch künf­tig das Über­le­ben ge­währ­leis­ten. Und das in ei­nem stark um­kämpf­ten Markt, in dem das Un­ter­neh­men mit et­li­chen deut­lich di­cke­ren Fi­schen kon­kur­riert und auch im­mer mal wie­der Kau­fa­van­cen von Kon­zer­nen wie Evo­nik auf den Schreib­tisch flat­tern. „Für sol­che Fäl­le ha­ben wir ei­nen Stan­dard­brief ent­wor­fen“, sagt Rei­ners.

Ins­ge­samt 15 Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert Rhe­nus Lub für Um­bau, Neu­bau, Öl­fa­brik und Fett­fa­brik

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