Ei­ne Al­lee durch Ge­schich­ten zum Le­ben er­weckt

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR/LOKALES - VON SO­PHIA FIRGAU

Ei­ne Al­lee, zwei Stra­ßen­na­men und un­zäh­li­ge Ge­schich­ten: Be­woh­ner der Bruck­ner-Al­lee und Richar­dWa­gner-Stra­ße lu­den am Sonn­tag­nach­mit­tag zu ei­nem Stadt­spa­zier­gang durch ihr Wohn­ge­biet ein, dem sich über 50 Men­schen an­schlos­sen. Vor­be­rei­tet hat­ten sie die­sen in ei­nem in­ter­ge­ne­ra­ti­ven Work­shop mit den Kul­tur­päd­ago­gik-Stu­den­ten Kat­ha­ri­na Hie­ber, Ar­tur Jan­sen und Es­t­her Ki­li­an. Ihr Ziel: Die Nach­barn zu­sam­men­brin­gen und ein his­to­ri­sches Be­wusst­sein für den Wohn­ort schaf­fen. Zum ers­ten Mal wur­de das gol­de­ne Ge­schich­ten­buch vor der Ki­Ta Mum­mi auf­ge­schla­gen und mit ei­nem Text an das ehe­ma­li­ge Ca­fé Co­co­nut er­in­nert: Hier traf man sich zum Se­hen und Ge­se­hen-Wer­den, spiel­te Bil­li­ard und trank ein Bier mit dem ers­ten Freund. Wei­ter ging es zum „Hu­go“, dem 1827 ge­grün­de­ten Hu­go-Jun­kers-Gym­na­si­um und dem Ma­ria-Lens­sen-Be­rufs­kol­leg. „Die Al­lee ist ei­ne Bil­dungs­ach­se. Von der Ki­ta bis zur Hoch­schu­le ist al­les da­bei“, be­ton­te ein Teil­neh­mer. Im­mer wie­der steu­er­te das Pu­bli­kum ei­ge­nes Wis­sen und Ge­schich­ten bei: „Ma­ria Lens­sen er­mög­lich­te als ei­ne der ers­ten Bil­dung auch für Mäd­chen“, „Hu­go Jun­kers war ein gro­ßer Er­fin­der und Pa­zi­fist, von den Na­zis ent­eig­net“. „Ge­nau wie er ging aber auch Jo­seph Go­eb­bels auf die­se Schu­le. Ich muss im­mer wie­der dar­an den­ken, wenn ich hier ent­lang­lau­fe.“Auch die zahl­rei­chen Bäu­me spiel­ten ei­ne Rol­le: Ging­kos, Lin­den, Pla­ta­nen. Al­le un­ter­schied­lich und Herz­stück der Al­lee: „Im Som­mer hö­re ich das Blät­ter­ra­scheln, für mich ein ty­pi­sches Som­mer­ge­räusch“, war von Na­di­ne zu hö­ren. Er­in­nert wur­de auch an die Bür­ger­initia­ti­ve, die die Bäu­me einst vor der Ab­hol­zung ret­te­te. Mucks­mäus­chen­still wur­de es, als der 88-jäh­ri­ge Herr Goldberg die Ge­schich­te des Hau­ses Nr. 137, dem ehe­ma­li­gen Haus sei­ner Groß­el- tern, er­zähl­te: Beim gro­ßen Bom­ben­an­griff am 31. Au­gust 1943 brann­te das Nach­bar­haus kom­plett ab und auch die Nr. 137 droh­te, den Flam­men zum Op­fer zu fal­len. Sein Va­ter mach­te sich zu Fuß von Mon­heim auf den Weg und bet­tel­te mit ei­ner Luft­schutz­hand­sprit­ze bei den Nach­barn um Was­ser. So konn­te er das Haus schließ­lich ret­ten. Herr Goldberg selbst schau­te gern aus den Sei­ten­fens­tern des Er­kers auf die Al­lee und lausch­te den Pfer­de­kar­ren auf dem Kopf­stein­pflas­ter. Nach dem sym­bo­li­schen Band-Zer­schnei­den ging es über die ehe­ma­li­ge Stadt­gren­ze, wo die Füh­rung in ei­ner klei­nen Fo­to­aus­stel­lung mün­de­te, lie­be­voll an den Bäu­men be­fes­tigt und mit Lich­ter­ket­ten und Ker­zen er­hellt. Bei Glüh­wein und Kek­sen wur­den wei­te­re Ge­schich­ten, Er­in­ne­run­gen und An­re­gun­gen aus­ge­tauscht: Wie vie­le Bäu­me ste­hen auf der Al­lee? Was ist dir vor­her noch nie auf­ge­fal­len? Was wünscht du dir für die Al­lee?

Das Team freut sich auch über Ih­re Ge­schich­te: und zwar an die EMail-Adres­se al­lee­ge­schich­ten@gmail.com.

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