IN­TER­VIEW ILIA GRUEV „Tra­di­ti­on al­lei­ne reicht nicht“

Der Trai­ner ist mit dem MSV Duis­burg Ta­bel­len­füh­rer der 3. Fuß­ball-Li­ga. Ge­sprä­che über ei­ne Ver­trags­ver­län­ge­rung lau­fen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON PATRICK SCHERER

DUIS­BURG Ilia Gruev (47) be­tritt den Raum mit ei­nem ent­spann­ten Lä­cheln. Der Trai­ner hat al­len Grund zu gu­ter Lau­ne. Als Spit­zen­rei­ter der 3. Li­ga geht der Bul­ga­re mit dem MSV Duis­burg ins neue Jahr. Da­mit lie­gen die Mei­de­ri­cher im Soll, was den of­fi­zi­el­len Plan „oben mit­spie­len“an­geht. Da­bei ist es ein of­fe­nes Ge­heim­nis, wo­rum es ei­gent­lich geht: den di­rek­ten Wie­der­auf­stieg. Herr Gruev, was be­deu­tet es, als Ta­bel­len­füh­rer zu über­win­tern? GRUEV Das ist ei­ne schö­ne Sa­che für den gan­zen Ver­ein, das Um­feld und auch für mich. Aber es ist nur ei­ne Mo­ment­auf­nah­me. Wir wol­len am En­de der Sai­son da ste­hen, wo wir jetzt sind. Sie hat­ten auch ei­ne Pha­se mit ei­ner Nie­der­la­ge und vier Un­ent­schie­den in Fol­ge, in der es nicht nach Wunsch lief. GRUEV Es ist sehr wich­tig, in die­ser Li­ga kon­stant zu punk­ten. Das ha­ben wir in 17 von 19 Par­ti­en ge­macht. In der an­ge­spro­che­nen Pha­se gab es mehr Druck von au­ßen. Aber man hat ge­se­hen, dass die Spie­ler in der La­ge sind, sich mit Sie­gen zu be­frei­en. Das war für uns sehr wich­tig. Auch für uns gibt es kei­nen Durch­marsch in die­ser Li­ga. Ist der Er­war­tungs­druck zu hoch? GRUEV Nein. Wir ha­ben mit un­se­rer Spiel­wei­se zu­recht Er­war­tun­gen ge­weckt. Aber wir muss­ten rich­tig hart da­für ar­bei­ten. Ist es nö­tig, den Ka­der in der Win­ter­pau­se zu ver­än­dern, um am En­de wei­ter oben zu ste­hen? GRUEV Wir ha­ben ei­nen gu­ten, aus­ge­gli­che­nen Ka­der. Es gibt vie­le Spie­ler, die seit zwei, drei Jah­ren hier sind, und den Ver­ein, die Spiel­wei­se und auch mich ken­nen. Wir set­zen uns in der Win­ter­pau­se zu­sam­men und über­le­gen, aber gro­ße Ve­rän­de- run­gen se­he ich nicht. Wel­che Po­si­tio­nen müss­ten bes­ser be­setzt wer­den? GRUEV Wir ha­ben kein drän­gen­des Pro­blem. Der ak­tu­el­le Ka­der hat ge­nug Kon­kur­renz und Qua­li­tät. Und fi­nan­zi­ell sieht es oh­ne­hin nicht ro­sig aus, oder? GRUEV Ich kon­zen- trie­re mich auf den sport­li­chen Be­reich, da­mit ha­be ich ge­nug zu tun. Falls wir Pro­ble­me durch Aus­fäl­le be­kom­men, kön­nen und müs­sen wir aber han­deln. Der an­ge­spro­che­ne Druck ent­steht aber doch si­cher­lich auch durch die an­ge­spann­te fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on. Wie fühlt sich das an? GRUEV Trai­ner­team und Spie­ler den­ken nicht dar­über nach, wir kon­zen­trie­ren uns auf un­se­ren Job. Fakt ist, wenn wir gut spie­len und punk­ten, wird der Druck hö­her, weil die Er­war­tun­gen stei­gen. Da­mit müs­sen die Spie­ler klar­kom­men. Kom­men al­so nicht ab und an die Ver­eins­obe­ren mal zu Ih­nen und er­in­nern Sie dar­an, dass ein Auf­stieg die Über­le­bens­chan­cen des MSV deut­lich er­hö­hen wür­de? GRUEV Ich ha­be ein sehr gu­tes Ver­hält­nis zu Ivo Gr­lic [Sport­di­rek­tor, Anm. d. Red.], In­go Wald [Vor­stands­vor­sit­zen­der] und Pe­ter Mohn­haupt [Ge­schäfts­füh­rer]. Ich spü­re das Ver­trau­en. Wir ha­ben vor der Sai­son ge­sagt, dass wir oben mit­spie­len wol­len. Und das ge­lingt uns ja der­zeit. Wel­ches Po­ten­zi­al se­hen Sie denn beim MSV mit­tel­fris­tig? GRUEV Der Ver­ein hat jetzt ei­ne gu­te Struk­tur. In der Füh­rungs­ebe­ne gibt es jetzt kur­ze We­ge. Auch im sport­li­chen Be­reich ist die Si­tua­ti­on gut. Ivo [Gr­lic] und ich tau­schen uns täg­lich aus. Im Trai­ner- und Funk­ti­ons­team gab es wich­ti­ge Ve­rän­de­run­gen. Das sind gu­te Vor­aus­set­zun­gen für die Zu­kunft. Dar­auf kann man auf­bau­en. Wir ha­ben ein Kon­zept, das über die Rück­run­de hin­aus­geht. Das klingt da­nach, als wä­re ei­ne Ver­trag­ver­län­ge­rung über Ju­ni 2017 hin­aus, nur noch Form­sa­che. GRUEV Ich ha­be kei­nen Zeit­druck. Ich spü­re das Ver­trau­en der Ver­eins­füh­rung. Im Trai­nings­la­ger in Por­tu­gal kann man sich dar­über in Ru­he un­ter­hal­ten. Dann spre­chen Sie al­so erst­mals über die Ver­län­ge­rung? GRUEV Wir sit­zen auch jetzt schon zu­sam­men und tau­schen uns aus. In ei­ner funk­tio­nie­ren­den Be­zie­hung braucht man da­zu kei­nen be­son­de­ren Start­schuss. Wir ha­ben schon da­mit an­ge­fan­gen. Wol­len Sie denn un­be­dingt ver­län­gern? GRUEV Ich füh­le ich mich wohl hier, das ist ei­ne sehr gu­te Vor­aus­set­zung, um über al­les Wei­te­re zu re­den. Sie ha­ben in Kai­sers­lau­tern und Duis­burg als Trai­ner ge­ar­bei­tet. Sind Tra­di­ti­ons­ver­ei­ne ein­fach Ihr Ding? GRUEV Ich bin ger­ne bei Tra­di­ti­ons­ver­ei­nen. Ich war auch noch bei Ha­j­duk Split. Tra­di­ti­on spürt man, das ist ein gu­tes Ge­fühl. Aber Tra­di­ti­on al­lei­ne reicht nicht, es muss auch im­mer gu­te Ar­beit ge­leis­tet wer­den. Ist die­se Tra­di­ti­on al­so eher Bür­de als Se­gen? GRUEV Nein. Ich schaue mir auch ger­ne Bil­der vom MSV an, als er noch in­ter­na­tio­nal und in der ers­ten Li­ga ge­spielt hat. Das gibt ei­nem Selbst­ver­trau­en, ist aber Jah­re her. Man muss auf­pas­sen, Rea­li­tät und Tra­di­ti­on nicht zu ver­mi­schen, ein ge­sun­der Rea­lis­mus und ein gu­tes Ge­spür für das Mach­ba­re hel­fen wei­ter.

FOTO: IM­A­GO

Ilia Gruev

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