Bi­ath­lon-Star Four­ca­de droht mit Welt­cup-Boy­kott

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT -

NOVE MESTO (sid/dpa) Nach dem sieb­ten Sieg im ach­ten Ren­nen woll­te Mar­tin Four­ca­de der chan­cen­lo­sen Kon­kur­renz we­nigs­tens ein biss­chen Hoff­nung schen­ken. „Jetzt sind zwei Wo­chen Weih­nachts­pau­se, ich wer­de sehr viel Scho­ko­la­de es­sen und in ganz arm­se­li­ger Form zu­rück­kom­men“, sag­te der Fran­zo­se und grins­te. Four­ca­de do­mi­niert im Welt­cup der Bi­ath­le­ten nach Be­lie­ben. Doch sei­ne gu­te Lau­ne ist ge­trübt. Die Do­ping-An­schul­di­gun­gen ge­gen die rus­si­schen Ski­jä­ger be­rei­ten dem Dop­pel-Olym­pia­sie­ger gro­ße Sor­gen, er fürch­tet um den Ruf sei­ner Sport­art. Four­ca­de droht of­fen mit ei­nem Boy­kott des Welt­cups in Ober­hof ab 5. Ja­nu­ar, falls der Welt­ver­band IBU nicht hart durch­greift, wenn sich der Ver­dacht ge­gen 31 rus­si­sche Ath­le­ten er­här­tet. Der 28-Jäh­ri­ge mar­schiert im An­ti-Do­ping-Kampf vor­an, da­bei ist er selbst in kei­ner leich­ten Si­tua­ti­on.

Auf dem Weg zu sei­nem his­to­ri­schen sechs­ten Ge­samt­welt­cup­sieg in Se­rie ist er in über­mensch­li­cher Form – hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand mel­den sich Zweif­ler. Four­ca­de be­teu­ert, dass er sau­ber ist und im­mer sau­ber war. In je­dem Fall ist sei­ne Do­mi­nanz be­ängs­ti­gend: Nur ein ein­zi­ges Mal konn­te er in die­sem Win­ter nicht ge­win­nen, tri­um­phier­te am Sonn­tag als ers­ter Ski­jä­ger seit Ole Ei­nar Björn­da­len 2005 gleich in fünf Ren­nen in Fol­ge. Zwei Olym­pia­sie­ge, 20 WM-Me­dail­len (da­von zehn gol­de­ne) und fünf Ge­samt­welt­cup­sie­ge hat Four­ca­de be­reits, doch sein Hun­ger nach mehr ist un- ge­stillt. Mit nun 54 Welt­cup­er­fol­gen jagt er Björn­da­lens Best­mar­ke (94). „Er ist der bes­te Bi­ath­let, den es je gab“, sagt der Deut­sche Si­mon Sch­empp über sei­nen Kum­pel.

Doch der bes­te Bi­ath­let der Welt sorgt sich eben um sei­nen Sport. „Ich lie­be Bi­ath­lon, und wir wol­len kei­ne Ath­le­ten, die do­pen“, sag­te Four­ca­de. Er will jetzt erst­mal die „Be­wei­se ab­war­ten, dann se­hen wir wei­ter“, sag­te der Aus­nah­me-Ath­let, der nach sei­nen Äu­ße­run­gen von rus­si­schen Fans im In­ter­net Mord- dro­hun­gen er­hal­ten hat­te. Soll­te die rus­si­sche Bi­ath­lon-Uni­on RBU nach­weis­lich in das mut­maß­li­che Staats­do­ping ver­wi­ckelt sein, könn­te ein Kom­plett­aus­schluss Russ­lands mög­lich sein. Ei­ne an­de­re denk­ba­re Sank­ti­on wä­re, Russ­land die Aus­rich­tung von in­ter­na­tio­na­len Wett­be­wer­ben zu ent­zie­hen. Schon im No­vem­ber 2015 war die RBU we­gen des Do­ping-Skan­dals in der Sai­son 2013/14 vom Welt­ver­band mit der Höchst­stra­fe von 100.000 Eu­ro be­legt wor­den.

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