Ter­ror-Tä­ter ent­kommt Ber­li­ner Po­li­zei – zwei Neus­ser un­ter den Op­fern

Rheinische Post Moenchengladbach - - VORDERSEITE - VON D. HÜWEL, M. KESS­LER, C. KLEINAU UND E. QUAD­BECK

BER­LIN/NEUSS Ei­nen Tag nach dem ver­hee­ren­den Ter­ror­an­schlag in Ber­lin kön­nen die Si­cher­heits­be­hör­den kei­nen Tat­ver­däch­ti­gen prä­sen­tie­ren. Da­für nahm die Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on Is­la­mi­scher Staat (IS) die Tat für sich in An­spruch. Ihr Sprach­rohr Amak er­klär­te im In­ter­net, dass ein IS-Kämp­fer für den An­griff ver­ant­wort­lich war. Die Po­li­zei hat­te am Mon­tag­abend nur ei­ne St­un­de nach der To­des­fahrt ei­nes Last­wa­gens in ei­nen Weih­nachts­markt an der Ber­li­ner Ge­dächt­nis­kir­che ei­nen Mann pa­kis­ta­ni­scher Her­kunft fest­ge­nom­men. Ges­tern hat die Po­li­zei die Per­son wie­der frei­ge­las­sen, weil kei­ne Be­wei­se für ei­ne Tat­be­tei­li­gung ge­fun­den wur­den. Der oder die Tä­ter be­fin­den sich auf der Flucht. Man sei „hoch alar­miert“, sag­te der Chef des Bun­des­kri­mi­nal­amts, Hol­ger Münch.

Ein Zeu­ge hat­te den Tä­ter nach dem An­schlag ver­folgt und spä­ter aus den Au­gen ver­lo­ren. Sei­ne Per­so­nen­be­schrei­bung führ­te zur Fest­nah­me des Pa­kis­ta­ners an der Sie­ges­säu­le. Ges­tern ver­zich­te­te dann Ge­ne­ral­bun­des­an­walt Pe­ter Frank of­fi­zi­ell auf die Be­an­tra­gung ei­nes Haft­be­fehls.

Bei dem An­schlag am Mon­tag­abend star­ben zwölf Men­schen, 49 Ver­letz­te wur­den in Kran­ken­häu­ser ein­ge­lie­fert, 25 be­fin­den sich nach An­ga­ben der Ber­li­ner Se­nats­ver­wal­tung für Ge­sund­heit noch in sta­tio­nä­rer Be­hand­lung. Von ih­nen sind 15 schwer ver­letzt, 24 konn­ten das Kran­ken­haus ver­las­sen. Un­ter den Op­fern sind nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on auch zwei Neus­ser, ein 40-jäh­ri­ger Mann und sei­ne Mut­ter. Die Mut­ter gilt of­fi­zi­ell als ver­misst, ihr Sohn liegt mit mehr­fa­chem Be­cken­bruch in ei­nem Ber­li­ner Kran­ken­haus. Laut Bild.de wur­de ei­ne Ita­lie­ne­rin, die in Ber­lin ar­bei­te­te, bei dem An­schlag ge­tö­tet. Von den To­des­op­fern wa­ren bis zum Nach­mit­tag nach An­ga­ben der Be­hör­den sechs Men­schen iden­ti­fi­ziert. Der Bei­fah­rer, ein pol­ni­scher Last­wa­gen­fah­rer aus der Nä­he von Stet­tin, wur­de nach An­ga­ben der Po­li­zei vom Tä­ter mit ei­ner klein­ka­li­bri­gen Waf­fe er­schos­sen.

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU), die den Tat­ort ges­tern be­such­te, sprach von ei­ner „grau­sa­men und letzt­lich un­be­greif­li­chen Tat“. Sie hält es für mög­lich, dass ein „Mensch die­se Tat be­gan­gen hat, der in Deutsch­land um Schutz und Asyl ge­be­ten hat“. Dies wä­re „be­son­ders wi­der­wär­tig“, sag­te Mer­kel. Die Kanz­le­rin wie auch In­nen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re rie­fen da­zu auf, sich nach den An­schlä­gen nicht von Angst be­stim­men zu las­sen. „Wei­chen wir zu­rück, dann ha­ben die Fein­de der Frei­heit schon ge­won­nen“, sag­te de Mai­ziè­re. CSU-Chef Horst See­ho­fer for­der­te, die Flücht­lings­po­li­tik zu über­den­ken.

Der gest­ri­ge Tag in Ber­lin war ge­prägt von Trau­er und der müh­sa­men Rück­kehr in den All­tag. Die Stra­ßen­sper­ren rund um den Tat­ort am Breit­scheid­platz blie­ben den gan­zen Tag über er­hal­ten. Die Weih­nachts­märk­te in der gan­zen Haupt­stadt öff­ne­ten mit ei­ner Aus­nah­me nicht. Die In­nen­mi­nis­ter­kon­fe­renz ver­zich­te­te aber dar­auf, bun­des­weit die Weih­nachts­märk­te zu schlie­ßen. Am Abend ehr­te die po­li­ti­sche Füh­rung der Bun­des­re­pu­blik die Op­fer in der Ge­dächt­nis­kir­che. Übe­r­all in der Bun­des­re­pu­blik hiel­ten die Men­schen Ge­denk­mi­nu­ten für die To­ten und Ver­letz­ten ab.

Die nord­rhein-west­fä­li­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) er­klär­te, die Blut­tat ha­be „uns wie­der vor Au­gen ge­führt, dass wir im Fa­den­kreuz des Ter­rors sind“. Je­der­mann, so Kraft, müs­se be­wusst sein, dass es auch Nord­rhein-West­fa­len tref­fen kön­ne. Kraft: „Wir dür­fen die Ge­fahr nicht igno­rie­ren, wir müs­sen mit ihr le­ben.“

Noch in der Nacht nach dem An­schlag hat die NRW-Po­li­zei ent­schie­den, ih­re Prä­senz und Wach­sam­keit zu ver­stär­ken. Wo er­for­der­lich, so Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Kraft, trü­gen die Be­am­ten Schutz­wes­ten und Ma­schi­nen­pis­to­len. Dies gel­te ins­be­son­de­re für Weih­nachts­märk­te und an­de­re Groß­ver­an­stal­tun­gen. Po­li­zei und Ver­fas­sungs­schutz in NRW stün­den in stän­di­gem Kon­takt mit den an­de­ren Si­cher­heits­be­hör­den des Bun­des und der Län­der. Sie selbst tau­sche sich mit NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) aus.

FOTO: AP

Mit ei­nem 40 Ton­nen schwe­ren Last­wa­gen durch­pflüg­te der Ter­ror-Fah­rer von der Kant­stra­ße kom­mend den Weih­nachts­markt an der Ber­li­ner Ge­dächt­nis­kir­che.

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