Kehrt­wen­de in der Flücht­lings­po­li­tik?

Rheinische Post Moenchengladbach - - ANSCHLAG IN BERLIN - VON MICHAEL BRÖCKER

Die Kanz­le­rin hat ge­sagt, was Mil­lio­nen dach­ten. Soll­te sich be­stä­ti­gen, dass es sich bei dem Tä­ter vom Ber­li­ner Weih­nachts­markt um ei­nen Flücht­ling ge­han­delt hat, wä­re es „für uns al­le be­son­ders schwer zu er­tra­gen“. Die Flücht­lings­de­bat­te dürf­te sich neu ent­zün­den. Die Wut wä­re ja auch ver­ständ­lich: Wer als Flücht­ling Tod und Leid in ein Land bringt, das sich bis zur Schmerz­gren­ze als gast­freund­lich und hu­man ge­zeigt hat, voll­bringt wahr­haft Wi­der­wär­ti­ges. Trotz­dem gilt: Die mör­de­ri­schen Ter­ro­ris­ten soll­ten nicht auch noch ihr Ziel er­rei­chen, un­se­re plu­ra­lis­ti­schen Ge­sell­schaf­ten zu de­sta­bi­li­sie­ren. Die Fa­na­ti­ker wol­len die Po­la­ri­sie­rung, die Spal­tung. Wie schön wä­re es, wenn ih­nen das nicht ge­lingt? Je grö­ßer ihr Hass ist, des­to kon­se­quen­ter muss un­se­re Hu­ma­ni­tät sein. Das klingt nach der Berg­pre­digt und der Wan­ge, die man hin­hal­ten soll­te. Nach Nai­vi­tät. So ist es nicht ge­meint. Wir ver­hin­dern nur kei­nen Ter­ror­an­schlag, wenn wir Hass und Miss­trau­en, Denun­zia­ti­on und Stig­ma­ti­sie­rung der Flücht­lin­ge zu­las­sen.

Ei­ne Kor­rek­tur der Flücht­lings­po­li­tik? Man kann dar­über re­den. Nur was ge­nau soll­te ge­tan wer­den? Wir ha­ben be­reits schär­fe­re Asyl­ge­set­ze als je zu­vor. Die Ab­schie­bung von ab­ge­lehn­ten Asyl­be­wer­bern soll be­schleu­nigt wer­den, da sind sich al­le ei­nig. Die Iden­ti­fi­ka­ti­on und die Si­cher­heits­über­prü­fung von Flücht­lin­gen sind rich­tig. Die fried­lie­ben­den Asyl­be­wer­ber ha­ben selbst ein In­ter­es­se dar­an. Nicht je­der Flücht­ling ist ein Ter­ro­rist, aber Ter­ro­ris­ten kom­men eben auch als Flücht­lin­ge ins Land. Da bleibt dem Si­cher­heits­ap­pa­rat nur die Über­prü­fung.

Was wir aber nicht dür­fen, ist, uns ei­nen Re­li­gi­ons­kampf auf­schwat­zen las­sen. Die zah­len­mä­ßig größ­ten Op­fer des Ter­rors sind Mus­li­me. Es sind auch nicht die To­ten von Frau Mer­kel, wie es die AfD er­klär­te. Es sind die To­ten ei­nes kran­ken Mör­ders.

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