Ber­lin“

Rheinische Post Moenchengladbach - - ANSCHLAG IN BERLIN -

Am Nach­mit­tag be­sucht die Bun­des­kanz­le­rin den Tat­ort. An­ge­la Mer­kel legt ge­mein­sam mit Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re, Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er und Ber­lins Re­gie­ren­dem Bür­ger­meis­ter Michael Mül­ler wei­ße Ro­sen nie­der. Da­nach ge­hen die Po­li­ti­ker auf dem Are­al des ge­schlos­se­nen Mark­tes wei­ter und spre­chen mit Po­li­zis­ten. Auch die 59-jäh­ri­ge Ira­ne­rin Mi­na ist ge­kom­men. Seit 40 Jah­ren lebt sie mit ih­rer Fa­mi­lie in Ber­lin, sie trägt schon im­mer Kopf­tuch, heu­te will sie ein Zei­chen für re­li­giö­se Ver­stän­di­gung set­zen – und ge­gen is­la­mis­ti­schen Ter­ror. Das sei­en aus ih­rer Sicht kei­ne Men­schen, die so et­was ma­chen, sagt sie. Da­bei ist über den Tä­ter oder des­sen Mo­ti­ve zu die­sem Zeit­punkt noch nichts klar. „Egal ob Chris­ten, Ju­den oder Mus­li­me: Wir müs­sen in so ei­ner Zeit zu­sam­men­hal­ten, statt uns von re­li­giö­sen Fa­na­ti­kern oder wahn­sin­ni­gen Po­li­ti­kern auf­sta­cheln zu las­sen.“Hin­ter ihr läuft ein Mann vor­bei und steu­ert auf den Ein­gang der Kir­che zu. Da­bei zischt er halb­laut: „Al­le Asyl­be­wer­ber soll­ten raus­ge­schmis­sen wer­den.“Mi­na igno­riert das. An meh­re­ren Stel­len rund um die Ge­dächt­nis­kir­che und den Tat­ort ha­ben sich jetzt Men­schen ver­sam­melt. Ka­me­ra­teams sind übe­r­all; über der Un­glücks­stel­le kreist ei­ne Droh­ne der Po­li­zei. Im­mer noch pa- trouil­lie­ren Be­am­te mit Ma­schi­nen­pis­to­len zwi­schen den Pas­san­ten und den ver­wais­ten Bu­den. Ei­ne 68-jäh­ri­ge Wahl­ber­li­ne­rin kommt aus der Kir­che, sie wohnt in der Nach­bar­schaft zum Ku’damm. Noch am Sams­tag sei sie mit ih­rer Fa­mi­lie auf dem Weih­nachts­markt ge­we­sen. „Ich wün­sche mir, dass sich die­se Stadt nicht än­dert oder ein­schüch­tern lässt. Ber­lin war im­mer ei­ne Welt­stadt, das muss so blei­ben“, sagt sie. Rund 800 Men­schen ver­sam­meln sich am Abend in der Ge­dächt­nis­kir­che zum Got­tes­dienst. Ge­sun­gen wird Paul Ger­hardts Ad­vents­lied „Wie soll ich dich emp­fan­gen“, aber auch der Pas­si­ons­cho­ral „O Haupt voll Blut und Wun­den“. „Es ist Nacht in Ber­lin“, sagt Erz­bi­schof Heiner Koch. „Ihr seid nicht al­lei­ne in eu­rer Trau­er!“, ruft der evan­ge­li­sche Ber­li­ner Bi­schof Markus Drö­ge den Op­fern zu. Um 18.31 Uhr sen­det das po­li­ti­sche und re­li­giö­se Deutsch­land ei­ne Bot­schaft in die Welt: Chris­ten, Ju­den und Mus­li­me fas­sen sich in der Ge­dächt­nis­kir­che an den Hän­den und ge­den­ken der To­ten von Ber­lin mit ei­ner Schwei­ge­mi­nu­te. Zu­sam­men­ge­tra­gen von Jan Dre­bes, Gre­gor Mayntz, Markus Plüm und Frank Vollmer. Mit Ma­te­ri­al von dpa, KNA und AP.

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Beim abend­li­chen Ge­denk­got­tes­dienst sit­zen in der ers­ten Rei­he (v.l.) In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re, Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er, Bun­des­rats­prä­si­den­tin Ma­lu Drey­er, Ralf Wie­land, der Prä­si­dent des Ber­li­ner Ab­ge­ord­ne­ten­hau­ses, Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert, Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel, Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck und sei­ne Part­ne­rin Da­nie­la Schadt, der Re­gie­ren­de Bür­ger­meis­ter Michael Mül­ler und Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le.

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Bür­ger­meis­ter Michael Mül­ler, Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (v.l.) am Tat­ort.

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Zwei jun­ge Frau­en trau­ern vor ei­nem Kreuz aus Tee­lich­tern.

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Ei­ne Frau legt Blu­men an der Ge­dächt­nis­kir­che nie­der.

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Ge­den­ken auch auf den Ver­kehrs­hin­weis­ta­feln.

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