Die Si­cher­heits­be­hör­den tap­pen im Dun­keln

Der als mut­maß­li­cher Tä­ter von Ber­lin Fest­ge­nom­me­ne ist wie­der auf frei­em Fuß. Es gibt kei­ne neue hei­ße Spur.

Rheinische Post Moenchengladbach - - ANSCHLAG IN BERLIN - VON EVA QUAD­BECK

BER­LIN Der An­schlag von Ber­lin gibt den Er­mitt­lern Rät­sel auf. Noch ist un­klar, wer am Mon­tag­abend zwölf Men­schen ge­tö­tet und 49 ver­letzt hat. Der Tä­ter läuft noch frei her­um. Die Schuss­waf­fe, mit der er mut­maß­lich den pol­ni­schen Fah­rer des Tat-Lkw tö­te­te, bleibt eben­falls ver­schwun­den. Bun­des­an­walt­schaft, Bun­des­kri­mi­nal­amt, Ber­li­ner Po­li­zei und Ber­li­ner Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft, die ges­tern ih­re bis­he­ri­gen Er­mitt­lungs­er­geb­nis­se prä­sen­tier­ten, wirk­ten an vie­len Punk­ten rat­los.

Es blie­ben vor al­lem of­fe­ne Fra­gen. So hat­te die Ber­li­ner Po­li­zei kurz nach 22 Uhr am Mon­tag­abend get­wit­tert: „Der­zeit gibt es kei­ne Hin­wei­se auf wei­te­re ge­fähr­den­de Si­tua­tio­nen in der Ci­ty Nä­he Breit­scheid­platz.“Für die­se Ent­war­nung war es aber, wie sich ges­tern her­aus­stell­te, zu früh. Die Po­li­zei hat­te ei­ne knap­pe St­un­de nach dem An­schlag ei­nen Mann pa­kis­ta­ni­scher Her­kunft an der Sie­ges­säu­le fest­ge­nom­men. Der ver­meint­li­che Fahn­dungs­er­folg war ei­nem Bür­ger zu ver­dan­ken, der den Mann ver­folgt hat­te. Ges­tern nun räum­te die Po­li­zei ein, dass es kei­ne lü­cken­lo­se Ver­fol­gung vom Tat­ort zur Sie­ges­säu­le gab und dass der ver­däch­ti­ge Pa­kis­ta­ner mög­li­cher­wei­se doch nicht der Tä­ter ist. Der 23-Jäh­ri­ge, der nun wie­der auf frei­em Fuß ist, hat­te die Tat be­strit­ten. Be­las­ten­des Ma­te­ri­al ge­gen ihn konn­ten die Si­cher­heits­be­hör­den nicht fin­den.

Noch am Mor­gen hat­te die Ber­li­ner Po­li­zei die größ­te Flücht­lings­un­ter­kunft der Stadt auf dem Ge­län­de des al­ten Flug­ha­fens Tem­pel­hof durch­sucht. Et­wa 1000 Men­schen sind dort un­ter­ge­bracht; es ist schon häu­fig zu Schlä­ge­rei­en ge­kom­men. Dort steht auch das Bett des Pa­kis­ta­ners. Da die Er­mitt­ler von ei­nem is­la­mis­ti­schen Ter­ror­an­schlag aus­ge­hen, fahn­de­ten sie nach Be­weis­mit­teln, die ei­ne Ra­di­ka­li­sie­rung des Ver­däch­ti­gen und An­schlags­plä­ne be­le­gen. Ge­fun­den wur­de aber nur ein Mo­bil­te­le­fon, des­sen Aus­wer­tung ges­tern noch an­dau­er­te.

Was mit dem ers­ten Op­fer des Abends, dem 37-jäh­ri­gen pol­ni­schen Lkw-Fah­rer ge­sche­hen ist, blieb eben­falls im Dun­keln. Die Er­mitt­ler er­klär­ten, dass er mut­maß­lich er­schos­sen wor­den sei. Ob das Op­fer auch Stich­wun­den auf­wies, woll­ten die Si­cher­heits­be­hör­den aus „er­mitt­lungs­tak­ti­schen Grün­den“nicht sa­gen. Doch nach An­ga­ben des pol­ni­schen Spe­di­ti­ons­be­sit­zers Ari­el Zu­raw­ski hat­te sich sein Fah­rer wahr­schein­lich ge­gen sei­nen mut­maß­li­chen Ent­füh­rer und Mör­der ge­wehrt. „Es war mit Si­cher­heit zu se­hen, dass er ge­kämpft hat­te“, be­schrieb Zu­raw­ski ein Po­li­zei­fo­to, auf dem er sei­nen Cou­sin iden­ti­fi­ziert hat­te. Das Bild zeig­te nach An­ga­ben des Spe­di­teurs aus der Nä­he von Stet­tin das Ge­sicht des Op­fers, blu­tig und ge­schwol­len.

Die Spe­di­ti­on hat­te seit dem Nach­mit­tag den Kon­takt zu ih­rem Fah­rer ver­lo­ren. Sie wuss­te nur, dass der Lkw in Ber­lin an­ge­kom­men war und dass sich die Ent­la­dung wohl ver­zö­gern wer­de. Wann der Po­le ge­nau ge­stor­ben ist, blieb ges­tern eben­falls of­fen. Die Ob­duk­ti­on war noch nicht ab­ge­schlos­sen. Klar ist nur – wie die Aus­wer­tung der Sa­tel­li­ten-Or­tungs­da­ten er­gab – dass je­mand den Mo­tor des Lkw am Nach­mit­tag mehr­fach star­te­te, als übe er das Fah­ren. Um 19.34 Uhr setz­te sich der 40-Ton­ner dann in Gang.

„Es war mit Si­cher­heit zu se­hen, dass er ge­kämpft hat“

Pol­ni­scher Spe­di­teur über den er­mor­de­ten Lkw-Fah­rer

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