Po­li­zei will bun­des­weit mehr Prä­senz zei­gen

Nach dem An­schlag auf den Ber­li­ner Weih­nachts­markt sol­len vor al­lem „Niz­za-Blo­cker“ähn­li­che Ta­ten ver­hin­dern.

Rheinische Post Moenchengladbach - - ANSCHLAG IN BERLIN - VON GRE­GOR MAYNTZ

BER­LIN Bei der Po­li­zei hie­ßen sie schnell „Niz­za-Blo­cker“, je­ne gro­ßen Ze­ment­stei­ne, die nach dem ver­hee­ren­den An­schlag von Niz­za künf­tig Men­schen­men­gen vor her­an­ra­sen­den Last­wa­gen schüt­zen soll­ten. Ein is­la­mis­tisch mo­ti­vier­ter At­ten­tä­ter hat­te im Ju­li am fran­zö­si­schen Na­tio­nal­fei­er­tag auf der Pro­me­na­de von Niz­za mit ei­nem Lkw 86 Men­schen in den Tod ge­ris­sen. Das soll­te sich An­fang Ok­to­ber am deut­schen Na­tio­nal­fei­er­tag in Dres­den nicht wie­der­ho­len. Und so brach­ten die Si­cher­heits­be­hör­den 1400 „Niz­za-Blo­cker“in Stel­lung – wo im­mer fei­ern­de Men­schen in der In­nen­stadt von ei­nem sol­chen Ri­si­ko hät­ten be­droht sein kön­nen.

In Zu­kunft wird man sie in vie­len deut­schen Städ­ten fin­den. Dar­auf ha­ben sich ges­tern die In­nen­mi­nis­ter von Bund und Län­dern in ei­ner Schalt­kon­fe­renz ver­stän­digt. Be­wer­ten und aus­füh­ren müs­sen das je­doch die ein­zel­nen Städ­te für je­den ein­zel­nen der der­zeit lau­fen­den rund 2500 Weih­nachts­märk­te.

Auch Ber­lin selbst will nun für die ver­blei­ben­de Zeit der Weih­nachts­märk­te sol­che Blo­cka­den her­an­schaf­fen. Wenn die Märk­te in der Haupt­stadt heu­te wie­der öff­nen, soll es zu­dem kei­nen mehr oh­ne Po­li­zei­schutz ge­ben. Dop­pel­strei­fen, Schutz­wes­ten, Ma­schi­nen­pis­to­len – an die­ses Bild wer­den sich die Bür­ger auch an vie­len an­de­ren Stel­len zu ge­wöh­nen ha­ben. Das ge­schieht in und vor Bahn­hö­fen, Flug­hä­fen und sons­ti­gen An­lauf­punk­ten. Be­son­ders na­tür­lich, wenn in der Sil­ves­ter­nacht ei­ne Mil­li­on Ber­li­ner und Be­su­cher am Bran­den­bur­ger Tor fei­ern. Mög­li­cher­wei­se wird das zur Be­ru­hi­gung bei­tra­gen.

Hin­zu kom­men bei al­len denk­ba­ren Groß­er­eig­nis­sen be­son­de­re Ein­lass­kon­trol­len. Für die ak­tu­el­len Bun­des­li­ga­spie­le bit­tet die Po­li­zei be­reits al­le Sta­di­on­be­su­cher, auf grö­ße­re Ta­schen und an­de­re Ge­gen­stän­de zu ver­zich­ten – und sie be­rei­tet die Fuß­ball­fans gleich­wohl dar­auf vor, dass es da­durch zu län­ge­ren War­te­zei­ten an den Sta­di­on­to­ren kom­men wird.

Es ist ein Sze­na­rio, das die Deut­schen spä­tes­tens seit No­vem­ber 2010 ken­nen, als In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re ei­ne „Ter­ror­war­nung“her­aus­gab. Da­mals gab es Hin­wei­se auf ei­nen ge­plan­ten An­schlag un­ter an­de­rem in der Um­ge­bung des Reichs­tags­ge­bäu­des. An­ders als in an­de­ren Län­dern, in de- nen sol­che Si­cher­heits­maß­nah­men au­to­ma­tisch um­ge­setzt wer­den, wenn ei­ne hö­he­re Si­cher­heits­stu­fe in Kraft tritt, gibt es ei­nen ver­bind­li­chen Es­ka­la­ti­ons­plan in Deutsch­land nicht. Hier wird von den Be­hör­den in­di­vi­du­ell ent­schie­den, wie sie auf die ak­tu­el­le La­ge re­agie­ren.

Tat­säch­lich be­ton­ten die Ver­ant­wort­li­chen, dass sich durch den Ter­ror­an­schlag auf dem Ber­li­ner Weih­nachts­markt der Ge­fähr­dungs­grad Deutsch­lands nicht ver­än­dert ha­be. Die­ser sei abs­trakt oh­ne­hin be­reits sehr hoch ge­we­sen, nun ha­be sich das erst­mals in die­sem An­schlag kon­kre­ti­siert.

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