Gans oder gar nicht

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR -

Ich bin schon ganz auf­ge­regt. Nur noch sechs Mal schla­fen, dann ist es end­lich so­weit. Dann ha­ben wir der 27. De­zem­ber und kön­nen un­se­re Ge­schen­ke in was Ver­nünf­ti­ges um­tau­schen. Bis da­hin ge­nie­ßen wir noch ein biss­chen die vor­weih­nacht­li­che Stim­mung, zum Bei­spiel mit Be­su­che auf der Weih­nachts­markt. Da muss­te ich auch schon hin mit mei­ne Frau und ich hab fest­ge­stellt, dass man ganz schön viel Geld da lässt, vor al­lem we­gen die vie­len Ta­schen­die­be. Aber das ge­hört nun mal zu Weih­nach­ten ge­nau­so da­zu wie lau­war­mer Glüh­wein, ver­brann­te Man­deln oder Do­mi­nas­tei­ne. Es gibt ein­fach so Tra­di­tio­nen, da soll­te man auch nicht dran rüt­teln. Wie zum Bei­spiel das Weih­nachts­es­sen. Da hab ich im Mo­ment bloß Dis­kus­sio­nen mit mei­ne Frau, weil die un­be­dingt Re­for­men ein­füh­ren und was an­de­res ko­chen will als wie sonst. Ich sag noch für sie: „Was, bit­te schön, ist an Gän­se­bra­ten mit Knö­del und Rot­kohl nicht in Ord­nung?“Sagt sie: „Aber das es­sen wir doch seit 30 Jah­re je­des Jahr.“Mag ja sein, aber es ist doch im­mer ei­ne an­de­re Gans! So schmeckt Weih­nach­ten. Mein Cre­do lau­tet: Gans oder gar nicht. Ich frag mich so­wie­so schon lan­ge, was Ve­ga­ner ei­gent­lich über die Weih­nachts­ta­ge ma­chen – wahr­schein­lich 3 Ki­lo ab­neh­men. Das ist für die be­stimmt so ei­ne Art Heil­fas­ten, denn das klas­si­sche Weih­nachts­es­sen ist doch ent­we­der Rin­der­bra­ten, Schwei­ne­bra­ten, Krus­ten­bra­ten, Weih­nachts­gans oder bei die As­ke­ti­ker Kar­tof­fel­sa­lat mit Würst­chen. Je­den­falls hab ich noch nie ge­hört, dass ei­ner ge­sagt hat: „Oh, ich freu mich an Hei­lig­abend wahn­sin­nig auf ein le­cke­rer Eier­ku­chen oh­ne Eier.“Ich muss lei­der zum En­de kom­men, weil ich noch das Weih­nachts­ge­schenk für mei­ne Frau vor­be­rei­ten muss. Dies­mal be­kommt die näm­lich was ganz Be­son­de­res, wo die im Le­ben nicht mit rech­net. Und zwar darf sie über die Fei­er­ta­ge die Fern­be­die­nung ha­ben.

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