Schu­bert nach 1:2 vor dem Aus

Nach der Plei­te ge­gen Wolfs­burg deu­tet in Glad­bach al­les auf ei­ne Tren­nung vom Trai­ner hin – wohl schon heu­te.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON KARSTEN KELLERMANN

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Gra­nit Xha­ka war wie­der da. Xha­ka, im Som­mer für 45 Mil­lio­nen Eu­ro zum FC Ar­senal trans­fe­riert, war ge­kom­men, um sich of­fi­zi­ell zu ver­ab­schie­den von Bo­rus­sia. Er be­kam viel Ap­plaus. An­dré Schu­bert, der Trai­ner der Bo­rus­sen, nicht. Als sein Na­me bei der Ver­kün­dung der Auf­stel­lung ge­nannt wur­de, gab es die ers­ten Pfif­fe. Xha­ka ver­such­te sich noch in der ihm ei­ge­nen Mo­ti­va­ti­ons­stra­te­gie. „3:0 für Glad­bach“, sag­te er, ge­fragt nach ei­nem Tipp. Als er noch Bo­rus­se war, hät­te er das Team vi­el­leicht zu ei­nem sol­chen ge­führt. Doch im Win­ter 2016 ist es trist in Glad­bach. Schon nach drei Mi­nu­ten zer­stör­te Da­ni­el Ca­li­gi­uris Tor Xha­kas Vor­her­sa­ge, am En­de stand es 1:2, Ma­rio Go­mez kon­ter­te Th­or­gan Ha­zards Aus­gleichs­tref­fer. Bo­rus­sia geht als Ab­stiegs­kämp­fer ins neue Jahr. Wohl oh­ne Schu­bert. Wie die Ent­schei­dung zur Zu­kunft des Trai­ners aus­sieht, „wer­den wir se­hen“, sag­te Sport­di­rek­tor Max Eberl bei „Sky“. „Ge­ben Sie uns die Nacht, um dar­über zu schla­fen. Dann wer­den wir ei­ne Ent­schei­dung tref­fen.“Schu­bert selbst sag­te: „Es ist völ­lig le­gi­tim, dass der Ver­ein nach­denkt. Ich den­ke auch nach, und mor­gen set­zen wir uns zu­sam­men, um über die Si­tua­ti­on zu spre­chen.“

Bo­rus­si­as Bos­se ha­ben ei­ne Re­vi­si­on an­ge­kün­digt, und am En­de der­sel­ben dürf­te, eben vi­el­leicht schon heu­te, die Tren­nung vom Trai­ner ste­hen. Die­ter He­cking gilt als Kan­di­dat für die Nach­fol­ge, es hat wohl schon Ge­sprä­che ge­ge­ben. Sechs Spie­le mach­te er einst als Pro­fi in Glad­bach, war Trai­ner in Aa­chen, Han­no­ver, Nürn­berg und zu­letzt Wolfs­burg. Oder gibt es doch wei­te­re Op­tio­nen? Marc Wil­mots, der Bel­gi­er wird ge­nannt.

Dass Trai­ner­fra­gen zu­wei­len an­ders be­ant­wor­tet wer­den als er­war­tet, zeig­te Wolfs­burg ges­tern. Denn Da­vid Wa­gner, des­sen Wech­sel aus Hud­ders­field schon be­schlos­se­ne Sa­che zu sein schien, hat sich ent­schie­den, in En­g­land zu blei­ben. So wird wei­ter Va­le­ri­en Is­ma­el Trai­ner blie­ben – und er geht mit zu­letzt zwei Sie­gen ins neue Jahr. Und die Bo­rus­sen? Sie sind mit nur 16 Punk­ten aus 16 Spie­len 14., in­des mit der Op­ti­on heu­te bei ei­nem Bre­mer Er­folg in Hof­fen­heim auf den 15. Platz ab­zu­stür­zen. Und statt sich mit ei­ner or­dent­li­chen Leis­tung aus dem Jahr 2016 zu ver­ab­schie­den, be­leg­ten sie ges­tern weit­ge­hend, war­um man ein Pro­blem­fall ge­wor­den ist – Gra­nit Xha­ka dürf­te er­schreckt ge­we­sen sein. Das Team, das er im Som­mer ver­las­sen hat, war nicht in der La­ge, sich zu ei­nem kon­kre­ten Kri­sen­ma­nage­ment auf­zu­raf­fen.

Die Ab­wehr nicht nur beim Ge­gen­tor wirr, das Mit­tel­feld un­in­spi­riert und un­ge­ord­net, der Drei­er­ab­griff oh­ne Durch­schlags­kraft. Ein gro­ßer Plan war nicht zu er­ken­nen. Auch kein klei­ner. Die ver­meint­li­chen Füh­rungs­spie­ler? Ver­un­si­chert. Der Rest? Ver­un­si­chert. Man ste­he zu Recht, wo man steht, heißt es. Zu Recht. Und Schu­bert? Stand in der Ecke der Coa­ching­zo­ne, die Hän­de in den Ho­sen­ta­schen ver­gra­ben, an­feu­ernd klat­schend. Wie sonst auch. Aber wohl zum letz­ten Mal. Wer Bo­rus­sia ges­tern ge­se­hen hat, kann sich nicht vor­stel­len, dass Schu­bert die­sem Team noch Im­pul­se ge­ben kann. Er hat vi­el­leicht zu viel ge­wollt, und das zu schnell. Hat sich ver­zet­telt in der Fle­xi­bi­li­tät. Der Ver­trau­ens­vor­schuss, den der Klub ihm mit der frü­hen Ver­trags­ver­län­ge­rung En­de Sep­tem­ber gab, dürf­te auf­ge­braucht sein. Al­les an­de­re wür­de über­ra­schen.

FOTO: IMAGO

War es ges­tern An­dré Schu­berts letz­tes Spiel als Glad­ba­cher Trai­ner? Er dürf­te nicht über­rascht sein, wenn es so kommt.

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