Heu­te, Kin­der, wird’s was ge­ben!

Drei Ta­ge vor Hei­lig­abend tref­fen Meis­ter Bay­ern und der Her­aus­for­de­rer Leip­zig im Top­spiel auf­ein­an­der.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON RO­BERT PE­TERS

MÜNCHEN/DÜSSELDORF Als der Hei­li­gen­schein des Fuß­ball-Kai­sers noch hell und rein strahl­te, da turn­te Franz Be­cken­bau­er im Ne­ben­be­ruf als Schau­spie­ler eif­rig durchs Wer­be­fern­se­hen. Un­ter an­de­rem frag­te er im gut be­zahl­ten Auf­trag ei­nes Mo­bil­funk­an­bie­ters zu den tolls­ten Jah­res­zei­ten: „Ja, is’ denn heut’ scho’ Weih­nach­ten?“

Die Fra­ge stellt sich im gern be­müh­ten „Vor­feld“des Bun­des­li­gaSpit­zen­spiels zwi­schen Be­cken­bau­ers Ver­ein Bay­ern München und RB Leip­zig (heu­te, 20 Uhr) er­neut. Ob­wohl es beim An­stoß noch drei Ta­ge bis Hei­lig­abend sind, le­gen die Funk­tio­nä­re der bei­den zur­zeit füh­ren­den Fuß­ball-Un­ter­neh­men im Land ei­ne zu­min­dest vor­weih­nacht­li­che Lie­bens­wür­dig­keit im Um­gang mit­ein­an­der an den Tag, die so gar nicht zum üb­li­chen Bal­lyhoo vor ei­nem Top­spiel pas­sen will.

Zum Glück be­müht we­nigs­tens Uli Ho­en­eß ein paar kämp­fe­ri­sche Vo­ka­beln. Bay­erns auf den Prä­si­den­ten­thron zu­rück­ge­kehr­ter Pa­tri­arch freut sich, „dass wir end­lich wie­der ei­nen Geg­ner ha­ben, den wir be­kämp­fen kön­nen“. Das Wört­chen „Feind“, das ihm im Über­schwang der Ge­füh­le nach der mit himm­li­scher Zu­stim­mungs­quo­te ge­lun­ge­nen Wie­der­wahl her­aus­ge­rutscht war, hat er mit dem Aus­druck des Be­dau­erns schnell kor­ri­giert.

Vor ein paar Ta­gen schien ihn auch der Geist der Weih­nacht zu er­fas­sen, als er im „Ki­cker“den Leip­zi­ger Trai­ner Ralph Ha­sen­hüttl als An­wär­ter aufs ho­he Amt bei den Münch­nern adel­te. „Wenn wir ir­gend­wann ein­mal ei­nen deutsch­spra­chi­gen Trai­ner su­chen, ge­hört er mit Si­cher­heit zu den drei Kan­di­da­ten, über die man nach­den­ken muss“, sag­te er. Bei ge­naue­rem Hin­se­hen ist das aber nicht die rei­ne Lie­bens­wür­dig­keit, son­dern ein schö­ner Hin­weis auf be­ste­hen­de Macht­ver­hält­nis­se. Die Bot­schaft ist näm­lich: „Der Jun­ge macht sei­ne Sa­che ganz gut, wenn er noch ein biss­chen wächst, ist er vi­el­leicht gut ge­nug für den bes­ten Klub.“

An der über­ra­gen­den Rol­le der Bay­ern hat Ho­en­eß na­tür­lich kei­nen Zwei­fel. Er gönnt sich so­gar Be­geis­te­rung dar­über, „dass uns wie- der je­mand reizt, dass uns je­mand är­gert. Wenn man ehr­lich ist, muss­ten wir un­se­re Mo­ti­va­ti­on die letz­ten Jah­re im­mer aus uns selbst ho­len“. Die Werks­mann­schaft des Red-Bull-Mil­li­ar­därs Die­ter Ma­te­schitz tritt dem Se­ri­en­meis­ter der­art nach­drück­lich auf die Ze­hen wie zu­letzt Bo­rus­sia Dort­mund in der schil­lernds­ten Zeit der Klopp-Ära von 2010 bis 2013. Gleich zwei­mal muss­ten die Bay­ern in die­ser Zeit ei­nem Geg­ner beim Dau­er­ju­bel zu­schau­en. Das macht ih­nen ent­schie­den we­ni­ger Spaß, als nur ge­är­gert zu wer­den.

Das Leip­zi­ger Mo­dell äh­nelt dem Dort­mun­der Vor­bild. Das Spiel der Em­por­kömm­lin­ge aus Sach­sen lebt von der Schnel­lig­keit. Nach Ball­ge­winn geht es mit we­ni­gen Ball­kon­tak­ten auf ein­ge­üb­ten We­gen nach vorn – mög­lichst so schnell, dass der Geg­ner sei­ne Ver­tei­di­gung noch gar nicht for­miert hat. Und da­mit das ge­lingt, wird die geg­ne­ri­sche Mann­schaft schon beim Auf­bau mäch­tig un­ter Druck ge­setzt.

Da­für braucht Leip­zig Kraft und Lei­den­schaft. Das Team läuft im Schnitt vier Ki­lo­me­ter mehr als die Kon­tra­hen­ten, und es läuft die­se vier Ki­lo­me­ter nicht im Aus­dau­erTr­ab, son­dern im Vollsprint. Das ist die Lieb­lings­spiel­wei­se des Leip­zi­ger Sport­di­rek­tors Ralf Rang­nick, der sie als Trai­ner ein­ge­übt hat und wahr­schein­lich von mor­gens bis abends herr­li­che Vor­trä­ge dar­über hal­ten kann. Er hat nun et­was mehr Zeit da­für, weil ihm Ha­sen­hüttl die Ar­beit mit der Mann­schaft ab­nimmt. Rang­nick sorgt fürs pas­sen­de Per­so­nal. In den un­ge­heu­er fri- schen Grund­sät­zen der ra­sen­den Bul­len ist die Ver­pflich­tung zur Ju­gend hin­ter­legt. Kein neu­er Mann soll äl­ter als 23 Jah­re sein, und Rang­nick be­haup­tet un­nach­gie­big, dass es ei­ne Ge­halts­ober­gren­ze von drei Mil­lio­nen Eu­ro im Jahr ge­be. Das wird sich be­stimmt noch än­dern, wenn Leip­zig die Bay­ern wei­ter är­gert. Und so­lan­ge Ma­te­schitz sei­nen Spaß an die­sem neu­en Lieb­lings­spiel­zeug be­hält, ist das wohl kein Pro­blem. Im Mo­ment hat er gro­ßen Spaß. Nach dem 2:0 ge­gen Her­tha BSC mach­te der Mil­li­ar­där den neu­es­ten Pro­dukt­bot­schaf­tern so­gar in der Ka­bi­ne sei­ne Auf­war­tung. Ver­mut­lich ging es auch dort schon vor­weih­nacht­lich zu. Auf den Tri­bü­nen war je­den­falls das Lieb­lings­klei­dungs­stück die Weih­nachts­mann­müt­ze.

FOTO: DPA

Un­be­kann­ter Fan in be­kann­ter Ver­klei­dung: Ein Leip­zi­ger An­hän­ger beim 2:0-Er­folg über Her­tha BSC.

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