Für je­des Kind den pas­sen­den Bil­dungs­gang

Die Ge­mein­schafts­haupt­schu­le Dohr, die Re­al­schu­le an der Niers und das Hu­go-Jun­kers-Gym­na­si­um bil­den den Schul­ver­band Rhe­ydt. Mit der Ko­ope­ra­ti­on soll mehr Durch­läs­sig­keit zwi­schen den Schul­for­men mög­lich sein.

Rheinische Post Moenchengladbach - - BILDUNG - VON AN­GE­LA RIETDORF

Werner Mül­ler, Lei­ter der Re­al­schu­le an der Niers, weiß aus Er­fah­rung: „El­tern fürch­ten beim Wech­sel ih­res Kin­des von der Grund­schu­le in die wei­ter­füh­ren­de Schu­le oft, die fal­sche Ent­schei­dung zu tref­fen und da­mit ihr Kind auf Ge­deih und Ver­derb auf die ein­mal ge­wähl­te Schul­form fest­zu­le­gen.“So ganz falsch ist die­se Hal­tung der El­tern auch nicht, denn die man­tra­ähn­lich be­schwo­re­ne Durch­läs­sig­keit des drei­glied­ri­gen Schul­sys­tems exis­tiert zwar in der Theo­rie, ist in der Pra­xis aber nicht ganz so ein­fach um­setz­bar.

Ein Wech­sel der Schul­form, et­wa vom Gym­na­si­um zur Re­al­schu­le, funk­tio­niert schon des­halb nicht im­mer, weil die Re­al­schu­len voll sind. Und auch von der Haupt­schu­le in die Re­al­schu­le oder von der Re­al­schu­le ins Gym­na­si­um führt kein ganz ein­fa­cher Weg.

Zwar wech­seln je­des Jahr Schü­ler die Schul­form, aber der Über­gang funk­tio­niert in vie­len Fäl­len nicht rei­bungs­los, weil die Lehr­plä­ne und ver­wen­de­ten Bü­cher nicht ab­ge­stimmt, die Kom­pe­ten­zen, die die Schü­ler mit­brin­gen, nicht be­kannt sind. Das al­les soll sich in Rhe­ydt jetzt än­dern. Drei Schu­len, näm­lich die Ge­mein­schafts­haupt­schu­le Dohr, die Re­al­schu­le an der Niers und das Hu­go-Jun­kers-Gym­na­si­um, ha­ben sich zum Schul­ver­band Rhe­ydt zu­sam­men­ge­schlos­sen, um mehr Durch­läs­sig­keit zu ge­währ­leis­ten und den Schü­lern die je­weils an­ge­mes­se­ne Schul­lauf­bahn zu er­mög­li­chen.

Die Mög­lich­keit, von ei­ner Schu­le in die an­de­re zu wech­seln, ist ga­ran­tiert. Schon bei der An­mel­dung in der je­wei­li­gen Schul­form wird bei Be­darf ge­mein­sam be­ra­ten. Das Er­geb­nis kann dann bei­spiels­wei­se sein, dass das Kind in der 5. Klas­se in der Haupt­schu­le be­ginnt und bei ent­spre­chen­den Leis­tun­gen rasch auf die Re­al­schu­le wech­selt. „Oder ein Schü­ler wech­selt in ei­ner schwie­ri­gen Pha­se auf die Haupt­schu­le, wo wir ihn bes­ser för­dern kön­nen“, er­klärt Ja­kob Mül­stroh, Lei­ter der Haupt­schu­le Dohr. Der Weg zu­rück­steht den Schü­lern je­weils of­fen.

Auch das Hu­go-Jun­kers-Gym­na­si­um ist in den Schul­ver­band ein­ge­bun­den. Es bie­tet für den Über­gang in die Se­kun­dar­stu­fe II Schnup­per­un­ter­richt und Schnup­per­kur­se an, schickt so­gar eigene Leh­rer zum Un­ter­rich­ten an die Haupt­schu­le. „In den Haupt­fä­chern fin­den An­glei­chungs­kur­se statt“, sagt Schul- lei­ter Torsten Pet­ter vom Hu­go-Jun­kers-Gym­na­si­um, „zu­erst ein Quar­tal lang in der Haupt­schu­le, spä­ter in un­se­ren Rä­um­lich­kei­ten.“

Auch ge­mein­sa­me Pro­jek­te ha­ben die drei Schu­len schon ins Au­ge ge­fasst. Bei der Be­rufs­ori­en­tie­rung will man eng zu­sam­men­ar­bei­ten, aber auch schul­form­über­grei­fen­de Kul­tur- und Bil­dungs­an­ge­bo­te wird es ge­ben. Be­reits im Ja­nu­ar 2017 soll ein drei­tä­gi­ges Pro­jekt zur Me­dien­er­zie­hung statt­fin­den, das sich an den 9. Jahr­gang al­ler drei Schul­for­men rich­tet.

Wich­tig sei bei die­sem Schul­ver­band, dass al­le da­von über­zeugt sind, Schü­ler, Leh­rer und El­tern, meint Schul­de­zer­nent Gerd Fi­scher, der die Ko­ope­ra­ti­on als sehr in­no­va­tiv be­zeich­net. Und tat­säch­lich: Es zie­hen al­le mit. „Wir sind übe­r­all auf hun­dert­pro­zen­ti­ge Zu­stim­mung ge­sto­ßen“, sagt Ja­kob Mül­stroh von der GHS Dohr.

Die Zu­sam­men­ar­beit kann so­gar noch auf ein wei­te­res Pro­jekt aus­ge­wei­tet wer­den: das Come­back-An­ge­bot, mit dem Schü­ler, die aus den un­ter­schied­lichs­ten Grün­den aus dem Schul­sys­tem her­aus­ge­fal­len sind, wie­der an den Re­gel­un­ter­richt her­an­ge­führt wer­den. Dort fin­den sich näm­lich kei­nes­wegs nur Haupt­schü­ler, son­dern mo­men­tan et­li­che Gym­na­si­as­ten. „Es gibt da Pro­ble­me mit dem Un­ter­richt in der zwei­ten Fremd­spra­che“, weiß Mül­stroh. „Jetzt kann vi­el­leicht auch mal ein Latein- oder Fran­zö­sisch­leh­rer da­zu­kom­men.“

Der Schul­ver­band Rhe­ydt hat Mo­dell­cha­rak­ter, auch an­de­re Schu­len si­gna­li­sie­ren In­ter­es­se an ei­ner sol­chen Ko­ope­ra­ti­on. Aber eins zu eins lässt sich die Zu­sam­men­ar­beit nicht über­tra­gen. „Die Schu­len müs­sen je­weils ih­re ei­ge­nen For­men der Ko­ope­ra­ti­on su­chen“, sagt Schul­de­zer­nent Fi­scher. In Rhe­ydt scheint das ge­lun­gen zu sein.

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Drei Schu­len ha­ben sich zum Schul­ver­band Rhe­ydt zu­sam­men­ge­schlos­sen, um mehr Durch­läs­sig­keit zu ge­währ­leis­ten und den Schü­lern die je­weils an­ge­mes­se­ne Schul­lauf­bahn zu er­mög­li­chen.

RP-FOTO: DETLEF ILGNER

Werner Mül­ler (Re­al­schu­le), Ja­kob Mül­stroh (Haupt­schu­le) und Torsten Pet­ter (Gym­na­si­um) beim Ab­schluss der Ko­ope­ra­ti­on.

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