Spur führt zu Ter­ror­netz­werk nach Tö­nis­vorst

Rheinische Post Moenchengladbach - - BERLIN UND DIE FOLGEN - VON THO­MAS REISENER UND CHRIS­TI­AN SCHWERDTFEGER

DÜS­SEL­DORF Er­mitt­ler­an­ga­ben zu­fol­ge un­ter­hielt Anis Am­ri en­ge Kon­tak­te zu ei­nem is­la­mis­ti­schen Ter­ror­netz­werk mit Ba­sis im Kreis Vier­sen: ei­ne als hoch ge­fähr­lich ein­ge­stuf­te Or­ga­ni­sa­ti­on um den 32-jäh­ri­gen Ira­ker Ah­mad Ab­du­la­ziz Ab­dul­lah A., bes­ser be­kannt un­ter dem Na­men „Abu Wa­laa“.

Wa­laa gilt als die Num­mer eins des Is­la­mis­mus in Deutsch­land und leb­te mit sei­ner Fa­mi­lie in Tö­nis­vorst. Er wur­de am 8. No­vem­ber in der Nä­he von Hil­des­heim fest­ge­nom­men. Zeit­gleich wur­den auch vier sei­ner Kom­pli­zen fest­ge­setzt. „Sein Ziel war es, Kämp­fer an den Is­la­mi­schen Staat (IS) in Sy­ri­en zu ver­mit­teln und de­ren Aus­rei­se zu or­ga­ni­sie­ren“, heißt es in den Ak­ten der Lan­des­re­gie­rung. Und wei­ter: „Der Ira­ker pre­dig­te haupt­säch­lich im Deut­schen Is­lam­kreis in Hil­des­heim und re­kru­tier­te jun­ge Mus­li­me für den Dschi­had.“

Am­ri wohn­te of­fen­bar zeit­wei­se bei dem Dort­mun­der Bo­ban S., der im No­vem­ber ge­mein­sam mit Abu Wa­laa fest­ge­nom­men wur­de. Auch S. wird vor­ge­wor­fen, für den be­waff­ne­ten Dschi­had ge­wor­ben und sich zum IS be­kannt zu ha­ben. In dem Zu­sam­men­hang könn­te Am­ri auch das Rei­se­bü­ro ei­nes fest­ge­nom­me­nen IS-Chef-Ideo­lo­gen und Wal­laa- An­hän­ger in Duis­burg-Rhein­hau­sen be­sucht ha­ben. Die­ser war im No­vem­ber im Auf­trag des Ge­ne­ral­bun­des­an­walts eben­falls fest­ge­nom­men wor­den. Er steht in Ver­dacht, für den IS jun­ge Män­ner an­ge­wor­ben zu ha­ben. So soll er die bei­den Ju­gend­li­chen, die den An­schlag auf den Es­se­ner Sikh-Tem­pel im April ver­übt ha­ben, re­kru­tiert ha­ben. Die bei­den Ju­gend­li­chen sol­len vor dem An­schlag mehr­fach bei ihm ge­we­sen sein. Ne­ben des­sen Rei­se­bü­ro be­fin­den sich Rä­um­lich­kei­ten, in de­nen er ih­nen und an­de­ren Ju­gend­li­chen Ara­bisch bei­ge­bracht und aus dem Koran vor­ge­le­sen ha­ben soll. Nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on über­prü­fen Si­cher­heits­be­hör­den, ob Am­ri sich mög­li­cher­wei­se durch die „Wa­laa“-Grup­pe ra­di­ka­li­sier­te.

Abu Wa­laa selbst leb­te seit 2000 in Deutsch­land und wur­de lan­ge vor sei­ner Fest­nah­me vom Ver­fas­sungs­schutz be­ob­ach­tet. Das In­nen­mi­nis­te­ri­um teil­te auf An­fra­ge des CDU-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­cus Op­tendrenk vor knapp zwei Wo­chen mit: „Abu Wa­laa hat in der Ver­gan­gen­heit zwei Mo­de­bou­ti­quen in Nie­der­sach­sen be­trie­ben. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zu Ein­kom­mens­quel­len lie­gen der Lan­des­re­gie­rung nicht vor.“Jä­ger zu­fol­ge wur­de Abu Wa­laa 2001 als Flücht­ling an­er­kannt. 2008 er­hielt er ei­ne so­ge­nann­te Nie­der­las­sungs­er­laub­nis.

Wa­laa gilt als die Num­mer Eins des Is­la­mis­mus in Deutsch­land und leb­te am Nie­der­rhein

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