Ur­teil: Brei­tes Da­ten­sam­meln il­le­gal

Der EuGH hat an­lass­lo­se Vor­rats­da­ten­spei­che­run­gen ge­kippt, Ber­lin prüft nun.

Rheinische Post Moenchengladbach - - BERLIN UND DIE FOLGEN -

BER­LIN (jd/rky) Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) hat ei­ne weit­rei­chen­de Vor­rats­da­ten­spei­che­rung für il­le­gal er­klärt. Per­sön­li­che Da­ten von Te­le­fon- und In­ter­net­nut­zern dür­fen dem­nach nicht all­ge­mein und un­ter­schieds­los ge­spei­chert wer­den, ent­schie­den die Rich­ter ges­tern und scho­ben da­mit Ge­set­zen in Schwe­den und Groß­bri­tan­ni­en ei­nen Rie­gel vor.

Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um er­klär­te, das Ur­teil wer­de sorg­fäl­tig aus­ge­wer­tet. Man ge­he aber da­von aus, dass die deut­schen Ge­set­ze ver­fas­sungs- und eu­ro­pa­rechts­kon­form sei­en. Die­se se­hen vor, dass Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­bie­ter spä­tes­tens von Ju­li 2017 an al­le Nut­zer­da­ten bis zu zehn Wo­chen lang auf­be­wah­ren müs­sen – un­ab­hän­gig von Per­son und An­lass. Bei An­ru­fen sol­len Zeit­punkt und Dau­er der Ge- sprä­che ge­spei­chert wer­den, im In­ter­net sol­len IP-Adres­sen so­wie De­tails zu de­ren Ver­ga­be vor­ge­hal­ten wer­den. E-Mail-Ver­kehr ist aus­ge­nom­men. Im Kampf ge­gen Terror und schwe­re Ver­bre­chen sol­len Er­mitt­ler auf die Da­ten zu­grei­fen kön­nen.

Der EuGH be­ton­te, er­laubt sei nur ei­ne ge­ziel­te Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, die „auf das ab­so­lut Not­wen­di­ge be­schränkt ist“. Sie müs­se auf Per­so­nen­krei­se be­grenzt wer­den, „de­ren Da­ten ge­eig­net sind, ei­nen zu­min­dest mit­tel­ba­ren Zu­sam­men­hang mit schwe­ren Straf­ta­ten sicht­bar zu ma­chen“. Der Kampf ge­gen schwe­re Kri­mi­na­li­tät kön­ne Grund für das Spei­chern sein, so der EuGH.

Da­ten­schüt­zer, Netz­ak­ti­vis­ten, der frü­he­re Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Ger­hart Baum (FDP) so­wie Ver­tre­ter aus der Di­gi­tal­wirt­schaft be­grüß­ten das Ur­teil. Auch der Vor­sit­zen­de der Par­la­men­ta­ri­schen Lin­ken in der SPD, Mat­thi­as Miersch, äu­ßer­te sich po­si­tiv und sieht in dem Ur­teil ei­nen An­lass, die in der Ver­gan­gen­heit in sei­ner Par­tei kon­tro­vers ge­führ­te De­bat­te wie­der auf­zu­neh­men. „Die SPD wird in die­sem Rah­men an ei­nem an­ge­mes­se­nen Aus­gleich zwi­schen Frei­heit und Si­cher­heit ar­bei­ten“, sag­te Miersch.

Arnold Pli­ckert, Vi­ze-Vor­sit­zen­der der Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP) und zu­gleich ihr NRW-Chef, in­ter­pre­tier­te das Ur­teil hin­ge­gen als Mög­lich­keit, die hie­si­gen Ge­set­ze zu ver­schär­fen. So las­se das Ur­teil in sei­nen Au­gen auch län­ge­re Spei­cher­fris­ten zu als nur zehn Wo­chen. Er hof­fe, dass es er­laubt blei­be, Te­le­fon­da­ten breit zu sam­meln, um nach ei­nem An­schlag die Kon­tak­te Ver­däch­ti­ger auf­zu­klä­ren.

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