Po­ker um neu­en CDU-Lan­des­grup­pen­chef

Wer soll Chef der nord­rhein-west­fä­li­schen CDU-Lan­des­grup­pe im Bun­des­tag wer­den? Um die Nach­fol­ge wird hart ge­run­gen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - POLITIK - VON EVA QUADBECK UND THO­MAS REISENER

BER­LIN/DÜS­SEL­DORF Mit Be­ginn des neu­en Jah­res muss die NRW-Lan­des­grup­pe der CDU im Bun­des­tag ei­ne schwie­ri­ge Ent­schei­dung tref­fen. Ge­sucht wird der Nach­fol­ger des ver­stor­be­nen und hoch ge­schätz­ten Pe­ter Hint­ze. Der Pos­ten ist ein­fluss­reich. Die NRW­ler stel­len die größ­te Lan­des­grup­pe.

Für die Po­si­ti­on wer­den drei Fa­vo­ri­ten ge­han­delt: der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär im In­nen­mi­nis­te­ri­um, Gün­ter Krings, Frak­ti­ons-Vi­ze­chef Ralph Brink­haus und der bis­he­ri­ge kom­mis­sa­ri­sche Chef der NRW-Lan­des­grup­pe, der Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tär im Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um, Ralf Brauk­sie­pe. Auch Fi­nanz-Staats­se­kre­tär Jens Spahn ge­hört zu den­je­ni­gen, de­ren Na­men im­mer wie­der fal­len, wenn es um den Pos­ten des Lan­des­grup­pen­chefs geht. Nach sei­nem Auf­tritt beim Par­tei­tag wür­de die Wahl Spahns an die Spit­ze der NRWLan­des­grup­pe aber als Si­gnal ge­gen Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ge­wer­tet wer­den, sa­gen ei­ni­ge.

Spahn hat­te durch ei­nen lei­den­schaft­li­chen Auf­tritt in Es­sen da­für ge­sorgt, dass ei­ne knap­pe Mehr­heit des Par­tei­tags für die Ab­schaf­fung des Dop­pel­pas­ses stimm­te. Da er auch Mit­glied im Prä­si­di­um der Par­tei ist und in der An­trags­kom­mis­si­on des Par­tei­tags saß, nah­men ihm vie­le Par­tei­freun­de den Auf­tritt übel. Ein Si­gnal ge­gen den NRWCDU-Chef Ar­min La­schet wä­re Spahn oh­ne­hin. Die bei­den pfle­gen kein gu­tes Ver­hält­nis. In der Flücht­lings­po­li­tik ste­hen sie sich kon­trär ge­gen­über. Bei ei­nem Tref­fen der Lan­des­grup­pe vor we­ni­gen Ta­gen soll NRW-Spit­zen­kan­di­dat La­schet sich in­di­rekt ge­gen Spahn aus­ge­spro­chen ha­ben. Sinn­ge­mäß soll La­schet für ei­nen Kan­di­da­ten plä­diert ha­ben, der nicht nur mit sei­ner ei­ge­nen Agen­da Schlag­zei­len macht, son­dern sei­ne Per­son stär­ker den Par­tei­in­ter­es­sen und den ihm zu­ge­ord­ne­ten Fachthe­men un­ter­ord­net. La­schets Ein­las­sung wur­de als kla­rer Sei­ten­hieb ge­gen Spahn ge­wer­tet, ob­wohl er die­sen na­ment­lich nicht ge­nannt hat­te.

La­schet braucht kurz vor der Land­tags­wahl ei­gent­lich je­de Un­ter­stüt­zung, auch aus der Lan­des­grup­pe in Ber­lin. Ob die NRW-Ab­ge­ord­ne­ten be­reit sind, La­schet die­sen Ge­fal­len zu tun, bleibt ab­zu­war­ten. Hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand heißt es, die Lan­des­grup­pe sei es leid, sich von La­schet, der zu­gleich stell­ver­tre­ten­der Bun­des­vor­sit­zen­der der CDU ist, die Welt er­klä­ren zu las­sen. Man füh­le sich von sei­nen Ex­kur­sen eher be­vor­mun­det und ver­mis­se bei ihm poin­tier­te Vor­trä­ge vor der Lan­des­grup­pe zu ak­tu­el­len NRW-The­men.

Fie­le die Wahl auf Spahn, wä­re dies al­so kein zu­fäl­li­ger, son­dern ein ge­ziel­ter Af­front ge­gen La­schet. Be­kä­me Gün­ter Krings, 47-jäh­ri­ger Ju­rist vom Nie­der­rhein, den Job, wä­re dies ei­ne in­di­rek­te So­li­da­ri­täts­no­te der Lan­des­grup­pe für La­schet, heißt es in La­schets Um­feld. Für Krings bö­te sich die Mög­lich­keit, mit dem Pos­ten des Lan­des­grup­pen­chefs auch öf­fent­lich wie­der mehr in Er­schei­nung zu tre­ten.

Ralf Brauk­sie­pe ist in der Lan­des­grup­pe nicht sehr be­liebt. Sei­ne Start­po­si­ti­on im Ren­nen um den Job des Lan­des­grup­pen­chefs aber ist gut. Der 49-jäh­ri­ge Wirt­schafts­ex­per­te aus dem Ruhr­ge­biet ver­trat Hint­ze wäh­rend des­sen schwe­rer Krank­heit und nach des­sen Tod. Ihm wird das Amt aber fach­lich nicht zu­ge­traut. Ein In­si­der meint: „Die Fra­ge ist nur noch, wie man es ihm sagt.“Das ist ein we­nig pi­kant: Denn Brauk­sie­pe steht der­zeit an der Spit­ze der Lan­des­grup­pe. Er muss al­so den Prozess der Neu­wahl ein­lei­ten. Ei­ne Kampf­ab­stim­mung wol­len die NRW-Ab­ge­ord­ne­ten ger­ne ver­mei­den. Da­für müss­ten sie sich spä­tes­tens An­fang Ja­nu­ar zu­sam­men­rau­fen und auf ei­nen Kan­di­da­ten ei­ni­gen.

Ho­he An­er­ken­nung un­ter den Ab­ge­ord­ne­ten ge­nießt Ralph Brink­haus. Erst in die­sem Jahr wur­de der 48-jäh­ri­ge Fi­nanz­ex­per­te zum Vor­sit­zen­den des CDU-Be­zirks­ver­bands Ost­west­fa­len-Lip­pe und auch zum stell­ver­tre­ten­den Lan­des­vor­sit­zen­den der NRW-CDU ge­wählt. Bei Brink­haus fürch­ten ei­ni­ge Mit­glie­der der Lan­des­grup­pe aber ei­nen In­ter­es­sen­kon­flikt und ver­wei­sen auf sei­nen Job als stell­ver­tre­ten­der Frak­ti­ons­chef. Als sol­cher kön­ne er un­ter Um­stän­den eher die In­ter­es­sen der Bun­des­tags­frak­ti­on als die der Lan­des­grup­pe ver­tre­ten. „Ich weiß nicht, wie vie­le Äm­ter der Ralph noch ha­ben möch­te“, sag­te ein CDU-Ab­ge­ord­ne­ter, der grund­sätz­lich von Brink­haus’ Qua­li­tä­ten über­zeugt ist.

Der ver­stor­be­ne Pe­ter Hint­ze hin­ter­lässt auch ei­ne Lü­cke im Prä­si­di­um des Bun­des­tags. Für die­sen Job ha­ben be­reits die Frau­en in der NRW-Lan­des­grup­pe die Hand ge­ho­ben. Beim Ge­scha­cher um den Lan­des­grup­pen­chef sind die Frau­en chan­cen­los. Dass ei­ne von ih­nen aber den re­prä­sen­ta­ti­ven Pos­ten des Bun­des­tags-Vi­ze­prä­si­den­ten be­kommt, ist ein wahr­schein­li­ches Sze­na­rio.

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