Mär­chen im Al­ten­heim: Schwes­tern fin­den sich wie­der

Rheinische Post Moenchengladbach - - PANORAMA -

MANN­HEIM (dpa) Es klingt wie ein Weih­nachts­mär­chen, doch ge­schah es be­reits am Ni­ko­laus­tag. Da setz­te sich Hed­wig Horsch an den Abend­brot­tisch ih­rer Wohn­grup­pe in ih­rem Mann­hei­mer Al­ten­heim und schau­te die Frau ihr ge­gen­über an. Die neue Mit­be­woh­ne­rin nebst ira­ki­schem Ehe­mann, sie kam ihr be­kannt vor. Hed­wig fass­te sich ein Herz und frag­te nach dem Na­men. Dann war sie sich si­cher: Da saß ih­re ver­lo­ren ge­glaub­te Schwes­ter An­ne­lo­re, die sie vor 40 Jah­ren zum letz­ten Mal ge­se­hen hat­te. „An­ne­lo­re oh­ne ,H’“, ant­wor­tet die Frau auf die Fra­ge nach ih­rem Vor­na­men. „Schmitz“auf die Fra­ge nach ih­rem Ge­burts­na­men. „Dann bin ich dei­ne Schwes­ter“, sagt Hed­wig.

Die Schwes­tern, 82 und 84 Jah­re alt, wur­den zu­fäl­lig in die­sel­be Wohn­grup­pe ein­ge­teilt. „Sonst hät­ten wir uns viel­leicht nicht wie­der­er­kannt“, sagt An­ne­lo­re al-Gha­zal.

Hed­wig Horsch, die seit fast zwei Jah­ren in dem Haus lebt, ist sich an je­nem Abend si­cher. Seit­dem sind die bei­den un­zer­trenn­lich, er­zählt Heim­lei­ter Bernd Nau­war­tat. In 26 Jah­ren, die er in der Al­ten­pfle­ge tä­tig ist, ha­be er so et­was noch nicht er­lebt. Den­noch lässt auch er kei­nen Zwei­fel dar­an, dass die Ge­schich­te stimmt – eben­so wie der Heim­be­trei­ber, die Ca­ri­tas.

Aber 40 Jah­re oh­ne Kon­takt, wie kam das? Es gab kei­nen Streit, be­teu­ern bei­de. „Ich weiß es sel­ber nicht“, sagt An­ne­lo­re. Die letz­ten Jah­re wol­len sie wie­der als Schwes­tern ver­brin­gen und Weih­nach­ten ge­mein­sam fei­ern. Am En­de ih­res Le­bens steht noch mal ein An­fang.

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