Das än­dert sich bei Be­triebs­ren­ten

Künf­tig müs­sen Ar­beit­ge­ber kei­ne Ren­ten­ga­ran­tie mehr ab­ge­ben. Auch kön­nen al­le Ar­beit­neh­mer ei­nes Be­triebs au­to­ma­tisch in die Be­triebs­ren­te. Ge­werk­schaf­ten und Ver­si­che­run­gen wün­schen trotz­dem Nach­bes­se­run­gen.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT - VON A. HÖNING UND E. QUADBECK

BER­LIN In Deutsch­land ha­ben nur 60 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung, ob­wohl die­se in Zei­ten sin­ken­der ge­setz­li­cher Ren­ten­ni­veaus wich­ti­ger wird. Da­her hat das Bun­des­ka­bi­nett ges­tern ei­ne Be­triebs­ren­ten-Re­form auf den Weg ge­bracht. „Wir set­zen star­ke An­rei­ze, da­mit deut­lich mehr Be­trie­be ih­ren Be­schäf­tig­ten ei­ne Al­ters­vor­sor­ge an­bie­ten“, sag­te Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Andrea Nah­les (SPD). Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le ( CDU) be­ton­te, die Re­form sei auch ei­ne Ant­wort auf die Nied­rig­zins­pha­se, die die pri­va­te Vor­sor­ge er­schwe­re. Ent­haf­tung der Ar­beit­ge­ber Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer kön­nen künf­tig per Ta­rif­ver­trag ver­ein­ba­ren, dass der Ar­beit­ge­ber kei­ne Min­dest-Be­triebs­ren­te mehr ga­ran­tie­ren muss. Bis­her gab es ei­ne sol­che Ver­pflich­tung, und die­se hat man­chen (klei­nen) Be­trieb ab­ge­hal­ten, ei­ne Be­triebs­ren­te an­zu­bie­ten. Künf­tig soll es Ar­beit­ge­bern er­laubt wer­den, nur noch die Hö­he der ein­ge­zahl­ten Bei­trä­ge zu ga­ran­tie­ren, nicht aber die Hö­he der spä­te­ren Ren­ten­zah­lung. Alex­an­der Erd­land, Prä­si­dent des Ge­samt­ver­ban­des der Deut­schen Ver­si­che­rungs­wirt­schaft (GDV), sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on: „Grund­sätz­lich se­hen wir das Ge­setz po­si­tiv. Für uns ist es aber nicht nach­voll­zieh­bar, dass Ver­sor­gungs­trä­ger der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung kei­ne ga­ran­tier­ten Leis­tun­gen mehr an­bie­ten dürf­ten. Da­mit wä­re bei­spiels­wei­se die Zu­sa­ge ei­ner Min­dest­ren­te im Al­ter oder ein Schutz ge­gen Er­werbs­min­de­rungs­ri­si­ken nicht mehr mög­lich.“ Wi­der­spruchs­lö­sung Die Ta­rif­part­ner kön­nen ver­ein­ba­ren, dass al­le Ar­beit­neh­mer ei­nes Be­trie­bes ei­nen Teil ih­res Ent­gelts in die Be­triebs­ren­te ste­cken. Wer das nicht will, muss aus­drück­lich wi­der­spre­chen (Opt-out-Lö­sung). Der­zeit ist es an­ders: Bis­her muss man aus­drück­lich er­klä­ren, dass man ei­ne Ent­gelt­um­wand­lung will. Die Ge­werk­schaft IG BCE be­grüß­te die Re­form. Man wer­de die be­trieb­li­che Al­ters­vor­sor­ge nun aus­bau­en. „Ins­be­son­de­re das Mo­dell der au­to­ma­ti­schen Ent­gelt­um­wand­lung wird da­zu bei­tra­gen, dass mehr Be­schäf­tig­te die An­ge­bo­te in An­spruch neh­men“, sag­te IG BCE-Chef Micha­el Vas­si­lia­dis.

Die­se Opt-Out-Re­gel soll aber nur für ta­rif­ge­bun­de­ne Be­trie­be gel­ten. Das kri­ti­siert GDV-Prä­si­dent Erd­land: „Für falsch hal­ten wir, dass es für Un­ter­neh­men oh­ne Ta­rif­bin­dung kei­ne ein­fa­che Opt-Out-Re­ge­lung gibt, wo­nach die Ar­beit­neh­mer ak­tiv „Nein“sa­gen müs­sen, wenn sie kei­ne Be­triebs­ren­te wün­schen.“Wenn dies ge­än­dert wer­de, ge­be es mehr Be­triebs­ren­ten-Ver­trä­ge. Hil­fe für Ge­ring­ver­die­ner Ar­beit­ge­ber er­hal­ten künf­tig ei­nen staat­li­chen Zu­schuss von 72 bis 144 Eu­ro, wenn sie für Ge­ring­ver­die­ner 240 bis 480 Eu­ro jähr­lich in die be­trieb­li­che Vor­sor­ge ein­zah­len. Ent­spre­chend we­ni­ger Lohn­steu­er muss der Be­trieb an den Fis­kus ab­füh­ren. Als Ge­ring­ver­die­ner gel­ten Be­schäf­tig­te mit ei­nem Mo­nats­ein­kom­men bis zu 2000 Eu­ro. Zu­dem will der Staat groß­zü­gi­ger bei der Be­dürf­tig­keits­prü­fung sein. „Künf­tig blei­ben Zu­satz­ren­ten von mo­nat­lich 202 Eu­ro bei der Be­rech­nung der so­zia­len Grund­si­che­rung un­be­rück­sich­tigt. Das be­grü­ßen wir aus­drück­lich“, er­klär­te die IG BCE. Sie hät­te es auch gern ge­se­hen, wenn al­le Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet wür­den, ei­ne Be­triebs­ren­te an­zu­bie­ten. Ries­ter-Zu­la­ge Bei der Ries­te­ren­te be­trägt die jähr­li­che Gr­und­zu­la­ge pro Per­son der­zeit 154 Eu­ro. Die­se staat­li­che Zu­la­ge wird nun auf 165 Eu­ro pro Per­son an­ge­ho­ben.

* Al­ter des so­zi­al­pflich­tig be­schäf­tig­ten Haupt­ein­kom­mens­be­zie­hers QU­EL­LE: SO­ZIO-ÖKO­NO­MI­SCHES PA­NEL, IW-BE­RECH­NUN­GEN | FO­TO: DPA | GRA­FIK: RP

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