Ita­li­en will Ban­ken mit 20 Mil­li­ar­den ret­ten

Par­la­ment gibt grü­nes Licht für die Ret­tungs­plä­ne. Bei der Mon­te dei Pa­schi reicht das Geld nur noch vier Mo­na­te.

Rheinische Post Moenchengladbach - - WIRTSCHAFT -

ROM (jd/rtr) Die ita­lie­ni­sche Kri­sen­bank Mon­te dei Pa­schi kann auf Ret­tung durch den Staat hof­fen. Die Re­gie­rung ließ sich vom Par­la­ment Plä­ne ab­seg­nen, wo­nach sie sich 20 Mil­li­ar­den Eu­ro zur Stüt­zung in Schief­la­ge ge­ra­te­ner In­sti­tu­te lei­hen kann. Ab­ge­ord­ne­ten­haus und Se­nat ge­neh­mig­ten ges­tern ei­nen ent­spre­chen­den An­trag. Mit dem Mil­li­ar­den­pa­ket soll die Li­qui­di­tät ge­si­chert und die dün­ne Ka­pi­tal­de­cke der Ban­ken auf­ge­pols­tert wer­den.

Mon­te dei Pa­schi braucht bis Jah­res­en­de fünf Mil­li­ar­den Eu­ro an Ka­pi­tal. Es ist frag­lich, ob sie das von pri­va­ten In­ves­to­ren be­kommt. Die dritt­größ­te Bank des Lan­des er­klär­te, ih­re Li­qui­di­tät rei­che nur noch we­ni­ge Mo­na­te. Ih­re Ak­tie wur­de ges­tern vom Han­del aus­ge­setzt. Da­ne­ben gel­ten auch die Ban­ca Po­po­la­re di Vi­cen­za und die Ve­ne­to Ban­ca als Kan­di­da­ten für Staats­hil­fe.

Falls Ita­li­en tat­säch­lich für die In­sti­tu­te in die Bre­sche sprin­gen soll­te, gilt es meh­re­re Klip­pen zu um­schif­fen: Denn nach den EU-Re­gu­la­ri­en müs­sen auch Pri­vat­an­le­ger Ver­lus­te tra­gen, wenn der Staat ei­nem Geld­haus hilft. Bei Mon­te Pa­schi wä­ren Zehn­tau­sen­de Klein­an­le­ger be­trof­fen. Falls sie zur Kas­se ge­be­ten wür­den, wä­re dies für den neu­en Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Pao­lo Gen­ti­lo­ni ein po­li­tisch heik­les Ma­nö­ver – zu­mal es nächs­tes Jahr zu Neu­wah­len kom­men kann. Auch dro­hen die Ra­ting­agen­tu­ren mit ei­ner Sen­kung der Ra­ting­no­te, was die Kre­di­te für Ita­li­en teu­rer ma­chen wür­de.

Wirt­schafts­mi­nis­ter Pier Car­lo Pa­do­an ver­such­te vor die­sem Hin­ter­grund, den Klein­an­le­gern Ängs­te zu neh­men. Die Re­gie­rung sei be­müht, sie im Ein­klang mit den EURe­gu­la­ri­en zu schüt­zen. „Falls es zu ei­nem Ein­griff der Re­gie­rung kom­men soll­te, wird es kei­ne oder nur mi­ni­ma­le Aus­wir­kun­gen für die Spa­rer ge­ben“, ver­si­cher­te er.

Der Vi­ze-Chef der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on, Cars­ten Schneider, kri­ti­sier­te die Plä­ne. „Die An­kün­di­gun­gen aus Ita­li­en sind ei­ne Pro­vo­ka­ti­on. Für die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on und die EZB ist das der Lack­mus­test, ob die neu­en eu­ro­päi­schen Re­geln zur Ban­ken­ab­wick­lung gel­ten.“ Er er­war­te von der Kom­mis­si­on, dass sie ih­re Mög­lich­kei­ten aus­schöp­fen und ei­ne Gläu­bi­ger­be­tei­li­gung durch­set­zen wer­de. Von der ita­lie­ni­schen Re­gie­rung er­war­te er, dass die Ber­ei­ni­gung im Ban­ken­sek­tor an­ge­gan­gen wird. „Un­so­li­de Ban­ken oh­ne Ge­schäfts­mo­dell dür­fen nicht mit Hil­fe von Steu­er­gel­dern am Le­ben er­hal­ten wer­den.“

Ita­li­en hat ei­ne Staats­ver­schul­dung von mehr als 130 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts (BIP). Nach den EU-Re­gu­la­ri­en sind nur 60 Pro­zent er­laubt - ein Wert, den je­doch auch Deutsch­land der­zeit nicht er­reicht. Laut Pro­gno­se der EU-Kom­mis­si­on steigt das Haus­halts­de­fi­zit Ita­li­ens von 1,6 in die­sem Jahr auf 2,4 Pro­zent 2018.

FO­TO: DPA

Die Zen­tra­le der Kri­sen­bank Mon­te dei Pa­schi in Sie­na.

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