Kei­ne Ex­per­ten: Stadt sucht hän­de­rin­gend

Drei Fach­leu­te be­war­ben sich bei der Stadt für ei­ne Lei­tungs­stel­le im Hoch­bau. Al­le drei sag­ten ab, weil sie bes­se­re Jobs fan­den. Das ist kein Ein­zel­fall. Der Fach­kräf­te­man­gel schlägt durch, Kom­mu­nen und Wirt­schaft ran­geln um die Bes­ten.

Rheinische Post Moenchengladbach - - GESELLSCHAFT - VON DIE­TER WE­BER

Top 1: Bau­in­ge­nieur(-in); Top 2: So­zi­al­ar­bei­ter(-in); Top 3: Er­zie­her(in). Wer über die­se be­ruf­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen ver­fügt und ei­nen Ar­beits­platz im öf­fent­li­chen Di­enst sucht, hat al­ler­bes­te Chan­cen – wenn ihr oder ihm die Stadt Mön­chen­glad­bach als Ar­beit­ge­ber ge­nehm ist. Vor al­lem Pla­ner wer­den drin­gend be­nö­tigt, weil sich die Stadt mit dem Pro­jekt „MG+ Wach­sen­de Stadt“viel vor­ge­nom­men und mit Ma­ria Hilf, Re­me-Ge­län­de und Ci­ty Ost gleich drei gro­ße Vor­ha­ben vor der Brust hat. „Wir las­sen al­le un­se­re Kon­tak­te spie­len, um neue Leu­te für den Pla­nungs­be­reich zu ge­win­nen“, sagt Bei­ge­ord­ne­ter Gre­gor Bo­nin.

Glad­bachs Pla­nungs­de­zer­nent ist seit An­fang der 1990er Jah­re im Ge­schäft: „Vor 20 Jah­ren fan­den Bau­in­ge­nieu­re kaum Stel­len. Heu­te ha­ben wir Stel­len, fin­den aber nicht ge­nü­gend Bau­in­ge­nieu­re.“Und wenn er meint, ei­ne Aus­wahl für ei­ne gu­te Po­si­ti­on zu ha­ben, gibt es her­be Rück­schlä­ge: „Wir hat­ten drei Ex­per­ten für ei­ne Lei­ter­funk­ti­on im Hoch­bau. Al­le drei ha­ben kurz vor dem Aus­wahl­ge­spräch ab­ge­sagt, weil sie an­de­re Jobs an­ge­nom­men hat­ten.“Vor al­lem die Pri­vat­wirt­schaft, die mit hö­he­ren Ge­häl­tern wirbt, holt den Kom­mu­nen die bes­ten Kräf­te weg. Aber auch un­ter­ein­an­der ist der Kon­kur­renz­kampf er­bit­tert. Bo­nin: „Vie­le Groß­städ­te su­chen, die ent­spre­chen­den In­ter­net- Por­ta­le sind vol­ler Stel­len­an­zei­gen. Wir kon­zen­trie­ren un­se­re Stra­te­gie dar­auf, ge­zielt Fach­leu­te an­zu­spre­chen und für das, was sie in Glad­bach er­war­tet, zu be­geis­tern.“Auf die­se spe­zi­el­le Mo­ti­va­ti­ons­ket­te setzt Bo­nin: „Fi­nan­zi­ell kön­nen wir gar nicht so viel mehr bie­ten. Aber wer bei uns und mit uns an die­sen Pro­jek­ten ar­bei­ten kann, macht wert­vol­le Er­fah­run­gen und hat et­was für die Vi­ta vor­zu­wei­sen.“

Die an­ge­spann­te per­so­nel­le Si­tua­ti­on ist The­ma ei­ner Ver­wal­tungs­klau­sur, zu der OB Hans Wil­helm Rei­ners sei­ne Spit­zen­be­am­ten ein­ge­la­den hat. „Wir müs­sen genau be­ob­ach­ten, wie sich der Markt ent­wi­ckelt. Und wir müs­sen wis­sen, wie wir recht­zei­tig ein­grei­fen kön­nen“, sagt Rei­ners. Bei So­zi­al­ar­bei­tern im All­ge­mei­nen So­zia­len Di­enst (ASD) glaubt man ein Hilfs­kon­strukt ent­deckt zu ha­ben, um die An­wer­bung at­trak­ti­ver zu ma­chen. „Es gibt nur noch ei­ne Be­fris­tung von ei­nem Jahr, da­nach wird ent­fris­tet. Da er­gibt sich gleich ei­ne an­de­re Si­tua­ti­on“, sagt der Vor­sit­zen­de des städ­ti­schen Per­so­nal­rats, Pe­ter Hel­ler. In­zwi­schen zeigt sich die Stadt fle­xi­bler, wenn sie Stel­len im all­ge­mei­nen Ver­wal­tungs­dienst neu be­setzt. „Frü­her ha­ben wir oft nur aus­ge­bil­de­te Ver­wal­tungs­wir­te ge­nom­men. Weil die Stadt die kaum fin­det, nimmt sie auch Fach­leu­te aus an­de­ren Be­ru­fen, et­wa Ju­ris­ten und Bü­ro­kauf­leu­te“, sagt Hel­ler.

Ein Son­der­fall sind die Er­zie­he­rin­nen in den Le­na-Grup­pen. Hel­ler: „Es gibt ei­nen Rats­be­schluss, dass es wei­ter Le­na-Grup­pen ge­ben soll. Ein En­de des Pro­jekts ist nicht ab­seh­bar. Da ar­bei­ten 70 Frau­en mit Zeit­ver­trag, dar­un­ter Kin­der­pfle­ge­rin­nen und Ta­ges­müt­ter. Aber Zeit­ver­trä­ge müs­sen nach zwei Jah­ren ent­fris­tet wer­den.“Für Hel­ler steht fest: „Wir müs­sen die Frau­en qua­li­fi­zie­ren, denn wir brau­chen sie lang­fris­tig als Er­zie­he­rin­nen.“

OB Hans Wil­helm Rei­ners: „Wir müs­sen recht­zei­tig ein­grei­fen.“

RP-AR­CHIV:JK/IKR/ILG

Per­so­nal­rat Pe­ter Hel­ler: „Wir müs­sen qua­li­fi­zie­ren.“

Pla­nungs­de­zer­nent Gre­gor Bo­nin: „Wir müs­sen die Leu­te be­geis­tern.“

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