Das Ag­gres­si­ons­po­ten­zi­al steigt

Der Kin­der­schutz­bund steht vor wach­sen­den Her­aus­for­de­run­gen in Fa­mi­li­en. Im­mer mehr Kin­der brau­chen Hil­fe.

Rheinische Post Moenchengladbach - - STADTTEILE - VON AN­GE­LA RIETDORF

STADT­MIT­TE Wenn Kin­der in Fa­mi­li­en Hil­fe be­nö­ti­gen, ge­hört nicht nur die Un­ter­stüt­zung der Kin­der zu den Auf­ga­ben des Kin­der­schutz­bun­des (KSB). Ag­gres­si­ves Ver­hal­ten in Fa­mi­li­en ha­be in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zu­ge­nom­men, be­rich­tet der KSB in Mön­chen­glad­bach. Trifft der Na­me Kin­der­schutz­bund über­haupt noch zu? „Ei­gent­lich sind wir zum Fa­mi­li­en­schutz­bund ge­wor­den“, sagt Bea­te Go­the, die ers­te Vor­sit­zen­de. Das An­ge­bot ist breit ge­fä­chert, meist nied­rig­schwel­lig und bie­tet Un­ter­stüt­zung bei Er­zie­hungs­pro­ble­men und in Kon­flikt­si­tua­tio­nen.

„Un­se­re Ar­beit wird schwie­ri­ger“, sagt Ma­rei­ke Eßer, seit Jah­res­be­ginn Ge­schäfts­füh­re­rin des KSB Mön­chen­glad­bach. „Es gibt ein ho­hes Ag­gres­si­ons- und Kon­flikt­po­ten­zi­al in den Fa­mi­li­en.“Die Bin­dung in den Fa­mi­li­en wer­de fra­gi­ler, meint Dirk Knie­baum, seit ei­nem hal­ben Jahr als Schatz­meis­ter im Vor­stand des Ver­eins. Und Er­zie­hungs­auf­ga­ben über­for­dern El­tern im­mer häu­fi­ger – quer durch al­le so­zia­len Schich­ten.

Die Auf­ga­ben de­cken zwei Be­rei­che ab: Prä­ven­ti­ons­an­ge­bo­te und be­glei­te­ten Um­gang. Letz­te­res ist der Be­reich, bei dem die Stadt für die Leis­tun­gen des KSB zahlt. Die Mit­ar­bei­ter des Ver­eins be­glei­ten Kin­der und El­tern in Tren­nungs­und Schei­dungs­si­tua­tio­nen, wenn nur ein El­tern­teil das Sor­ge­recht hat. Sie sind auch bei Tref­fen zwi­schen El­tern und Kin­dern da­bei, wenn die Kin­der in der Her­kunfts­fa- mi­lie ge­fähr­det wa­ren und vom Ju­gend­amt in Ob­hut ge­nom­men wur­den. Bis zu 590 Fa­mi­li­en ha­ben die Mit­ar­bei­ter des Kin­der­schutz­bun­des 2016 in die­ser Form beim Um­gang be­glei­tet.

Das zwei­te Stand­bein ist die prä­ven­ti­ve und be­ra­ten­de Ar­beit. Mit nied­rig­schwel­li­gen An­ge­bo­ten wie dem wö­chent­li­chen Fa­mi­li­en­ca­fé und dem kos­ten­lo­sen Früh­stück in Grund­schu­len, „Mor­gen­mampf“ge­nannt, wird der Kon­takt zu Kin­dern und El­tern, aber auch Groß­el- tern oder Nach­barn her­ge­stellt, die Fra­gen ha­ben, Be­ra­tung brau­chen, Kon­flik­te be­mer­ken. Das Früh­stück, das in vier Grund­schu­len an­ge­bo­ten wird, soll ei­ner­seits ver­hin­dern, dass Kin­der hung­rig im Un­ter­richt sit­zen, an­de­rer­seits bie­tet es den Kin­dern die Mög­lich­keit, die Mit­ar­bei­ter des KSB ken­nen­zu­ler­nen und Ver­trau­en zu fas­sen. Da­mit sie wis­sen, an wen sie sich im Not­fall wen­den kön­nen.

„Un­se­re Hil­fe kommt an, aber der Be­darf steigt“, fasst die Vor­sit­zen­de Bea­te Go­the die Si­tua­ti­on zu­sam­men. Vie­le El­tern kön­nen und wol­len ih­ren Er­zie­hungs­auf­trag heu­te nicht mehr wahr­neh­men. Ma­rei­ke Eßer: „Wir ver­su­chen, die Fa­mi­li­en so zu un­ter­stüt­zen, dass sie die­se Auf­ga­be wie­der selbst über­neh­men kön­nen.“

Um dies er­folg­reich leis­ten zu kön­nen, be­darf es Geld und qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal. 240.000 Eu­ro an Spen­den­gel­dern be­nö­tigt der KSB. „Wir ha­ben drei Jah­re lang am Exis­tenz­mi­ni­mum ge­lebt“, er­zählt die Ge­schäfts­füh­re­rin. „Die­ses läuft es et­was bes­ser.“ Jahr Wer den KSB un­ter­stüt­zen möch­te, kann ei­ne Spen­de über­wei­sen an: Kon­to bei der Stadt­spar­kas­se MG: IBAN: DE46 3105 0000 0000 128 777 - BIC: MGLSDE33 • Kon­to bei der Volks­bank MG eG: IBAN: DE12 3106 0517 1004 4440 40 - BIC: GENODED 1MRB. Man kann auch En­gel aus Holz und Me­tall er­wer­ben, die der Ver­ein für 35 Eu­ro zum Kauf an­bie­tet, beim KSB an der Hin­den­burg­stra­ße 56.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.