Will­kom­mens­gruß in der Frem­de

Die Ge­mein­schafts­haupt­schu­le Kirsch­he­cke lädt ih­re zu­ge­wan­der­ten Schü­ler zum Weih­nachts­grill­fest.

Rheinische Post Moenchengladbach - - STADTTEILE - VON AN­GE­LA RIETDORF

ODENKIRCHEN In der Men­sa der Haupt­schu­le Kirsch­he­cke herrscht hek­ti­sche Ak­ti­vi­tät: Die Ti­sche wer­den mit Tel­lern vol­ler Sü­ßig­kei­ten, Obst und Chips de­ko­riert, das Buf­fet mit Sa­lat und Ku­chen wird auf­ge­baut. Vor dem Ge­bäu­de wer­den die Grills an­ge­heizt, in der Kü­che wer­den Sa­lat und Obst vor­be­rei­tet. Ge­ra­de jün­ge­re Schü­ler, wie Su­n­ide oder Gjor­gen, hel­fen mit Be­geis­te­rung bei den Vor­be­rei­tun­gen. Tho­mas Koh­nen hat ei­nen gro­ßen Kas­ten mit ge­spen­de­ten Weih­nachts­män­nern vor sich ste­hen. Die­se be­kom­men die Schü­ler zum Ab­schluss des Fes­tes.

Tho­mas Koh­nen hat­te die Idee zu der Ver­an­stal­tung – ei­nem vor­weih­nacht­li­chen Grill­fest nach der Schu­le. Das Fest soll in ers­ter Li­nie jun­ge un­be­glei­te­te Flücht­lin­ge an­spre­chen. Das An­ge­bot ist aber auch an an­de­re Kin­der und Ju­gend­li­che ge­rich­tet, die erst seit kur­zem in Deutsch­land le­ben. „Wir nen­nen uns Schu­le oh­ne Ras­sis­mus, und wir ha­ben Schü­ler hier, die oh­ne Fa­mi­lie nach Deutsch­land ge­flüch­tet sind“, er­klärt der Päd­ago­ge. „De­nen möch­ten wir ge­ra­de zu Weih­nach­ten sa­gen: Wir mö­gen euch, ihr seid will­kom­men.“Es sind Jun­gen wie zum Bei­spiel der 14-jäh­ri­ge Mo­ham­med aus Sy­ri­en, des­sen Fa­mi­lie noch in Alep­po ist. Oder der 17-jäh­ri­ge Ah­med aus dem Irak, der gar nicht weiß, wo sei­ne Fa­mi­lie ist. Bei­de sind vor et­was mehr als ei­nem Jahr al­lein nach Deutsch­land ge­kom­men. Sie wer­den be­treut, aber ein sol­ches Zei­chen des Will­kom­mens freut sie.

Es ist ei­ne bun­te Grup­pe, die in der Men­sa ver­sam­melt ist, wäh­rend drau­ßen der Grill an­glüht und sich ein blau­er Him­mel über Odenkirchen wölbt. Es sind Mäd­chen mit und oh­ne Kopf­tuch da, Kin­der und Ju­gend­li­che mit wei­ßer, mit schwar­zer und mit brau­ner Haut. Sie sit­zen an den Ti­schen und un­ter­hal­ten sich – meist in gu­tem Deutsch. Oder sie pa­cken en­ga­giert mit an, be­rich­tet Koh­nen. „Von den Haus­auf­ga­ben sind sie nicht im­mer so be­geis­tert, aber wenn man Hil­fe braucht, sind sie spon­tan da­bei“, sagt ihr Leh­rer, der Ma­the, Phy­sik, Sport und Tech­nik un­ter­rich­tet.

Beim Sport sei ihm auch die Idee für die Fei­er ge­kom­men. „Ei­ner der Jun­gen hat­te sich ver­letzt, er hat­te ei­nen Ball ins Ge­sicht be­kom­men“, er­zählt Koh­nen. „Da ha­be ich an­ge­fan­gen, dar­über nach­zu­den­ken, wie es wohl sein muss, wenn nie­mand da ist, der sich küm­mert, kei­ne Fa- mi­lie, die auch mal trös­tet.“Kurz­ent­schlos­sen hat er dar­auf­hin das vor­weih­nacht­li­che Grill­fest or­ga­ni- siert – mit viel Un­ter­stüt­zung von Kol­le­gen, groß­zü­gi­gen Spen­dern und be­geis­ter­ten Schü­lern.

FO­TO: JÖRG KNAP­PE

Die Flücht­lings­kin­der (v.l.) Sil­vio (14), Suvd (12), Hevi (13) und Eva (14) grill­ten ge­mein­sa­men mit an­de­ren Kin­dern an der GHS Kirsch­he­cke.

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