Magd­len Ger­hards: Die Sa­ga geht wei­ter

Die Wald­nie­ler We­ber­fa­mi­lie San­ders ist im 20. Jahr­hun­dert an­ge­kom­men. Im Ers­ten Welt­krieg über­neh­men die Frau­en die Fir­ma, um an­schlie­ßend wie­der an den Herd zu­rück­zu­keh­ren. Die Män­ner for­dern ih­re al­ten Plät­ze zu­rück.

Rheinische Post Moenchengladbach - - LOKALE KULTUR - VON IN­GE SCHNETTLER

Sie hat dem Fies­ling den Na­men ih­res Man­nes ver­passt – Pe­ter. „Als die­se Fi­gur in die Ge­schich­te kam, war er noch nett“, sagt Magd­len Ger­hards. Pe­ter trägt Un­frie­den in das We­ber­un­ter­neh­men, auch pri­vat ent­wi­ckelt er sich im Lau­fe der Ge­schich­te zu ei­nem ver­ant­wor­tungs­lo­sen Men­schen. Dar­un­ter müs­sen auch sei­ne Frau und sein Kind lei­den. „Das konn­te ich nicht ah­nen“, sagt die Au­to­rin. Sie ha­be ein­fach nur ei­nen Al­ler­welts­na­men ge­wählt. „In je­der or­dent­li­chen Fa­mi­lie gab es doch zu die­ser Zeit ei­nen Pe­ter.“Und dann das: „Was ist denn bloß mit Pe­ter pas­siert?“, fragt sich die Au­to­rin, die die­sen Kerl doch selbst er­fun­den hat.

Magd­len Ger­hards schreibt die Ge­schich­te der Fa­mi­lie fort. „Ich ma­che mir vor­her kein Kon­strukt, an dem sich die Hand­lung ent­wi-

„Was ist denn bloß mit Pe­ter pas­siert?“

Magd­len Ger­hards Au­to­rin ckeln muss“, sagt sie. So hat sich halt auch die­ser Pe­ter in ei­ner Art ent­wi­ckelt, die sie nicht vor­aus­se­hen konn­te. Die Ge­schich­te der Fir­ma al­ler­dings ist re­al. Sie ba­siert auf über­lie­fer­ten Fak­ten. „Es ist wich­tig, die tech­ni­sche Ent­wick­lung kor­rekt dar­zu­stel­len, wann wel­che Ma­schi­nen im Ein­satz wa­ren, aber auch, wie es zum Nie­der­gang des Un­ter- neh­mens kam.“Das war Mit­te der 1950er Jah­re. Bis zu die­sem Zeit­punkt, dem end­gül­ti­gen Aus, will die Au­to­rin die Ge­schich­te wei­ter er­zäh­len. Da­für wird sie si­cher noch zwei wei­te­re Bän­de be­nö­ti­gen. Der vier­te ist schon in Ar­beit.

1901 bis 1919: Es ist ein auf­re­gen­de Zeit, die Welt ist im Um­bruch. Und dann – der Ers­te Welt­krieg. Die Män­ner der Fa­mi­lie wer­den ein­ge­zo­gen, die Frau­en über­neh­men ih­re Ar­beit in der We­be­rei. Sie über­neh­men die Ver­ant­wor­tung, wer­den selbst­be­wuss­ter – trotz der Not und ih­rer Angst um die Fa­mi­lie. Auch äu­ßer­lich gibt es ei­nen Wan­del: Die Haa­re wer­den kür­zer, die Rö­cke auch. „Aber dann kom­men die Män­ner aus dem Krieg zu­rück und for­dern ih­re al­ten Plät­ze zu­rück“, sagt Magd­len Ger­hards. Die Frau­en wer­den wie­der an den Herd ver­bannt, der Aus­flug in die Män­ner­welt ist schlag­ar­tig be­en­det. Sie wer­den in ih­re al­ten Rol­len zu­rück­ver­wie­sen. Aber es ist et­was ge­sche­hen – die Eman­zi­pa­ti­on der Frau­en hat fast un­merk­lich be­gon­nen. „Mir war es wich­tig, dass ich nicht nur die Fir- men­ge­schich­te der Fa­mi­lie San­ders er­zäh­le“, sagt sie. Die Men­schen sind es, die für Span­nung, Rüh­rung, Freu­de und auch Mit­leid sor­gen, sagt die Au­to­rin. Das ge­lingt. Magd­len Ger­hards, Das En­de der ers­ten Blü­te­zeit, Burg-Ver­lag, ISBN: 0783-944370-52-1; www.burg-ver­lag.com

Flö­ten­tö­ne

RP-AR­CHIV­FO­TO: DET­LEF ILGNER

Nach „Ein Haus mit vie­len Tü­ren“und „Die Last des Er­bes“hat Magd­len Ger­hards die Ge­schich­te der We­ber­fa­mi­lie San­ders im drit­ten Band der Sa­ga wei­ter­ge­führt. „Das En­de der ers­ten Blü­te­zeit“heißt er und spielt zu Be­ginn des 20. Jahr­hun­derts.

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