Schu­bert geht, He­cking kommt

Glad­bachs Sport­di­rek­tor Eberl will schnell ei­nen Nach­fol­ger für den ent­las­se­nen Chef­trai­ner prä­sen­tie­ren.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT - VON KARS­TEN KELLERMANN

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Die­ter He­cking wur­de schon in Mön­chen­glad­bach ge­sich­tet. Oder ganz vie­le Die­ter He­ckings. Je­den­falls gibt es vie­le Au­gen­zeu­gen, die den Fuß­ball-Leh­rer in den ver­gan­ge­nen Ta­gen ge­se­hen ha­ben wol­len in der Stadt, de­ren liebs­tes Kind der kri­seln­de Fuß­ball­ver­ein Bo­rus­sia ist. Mit Ma­na­ger Max Eberl, bei Prä­si­dent Rolf Kö­nigs, in ei­nem Ca­fé, im Ho­tel...

An­geb­lich hat­te er schon ei­nen Ver­trag als Trai­ner un­ter­schrie­ben, be­vor Bo­rus­sia am Di­ens­tag­abend 1:2 ge­gen Wolfs­burg ver­lor. Ein mo­ra­li­sches Un­ding wä­re das nicht mal ge­we­sen, schließ­lich war da schon klar, dass die Zeit von An­dré Schu­bert nach dem Spiel en­den wür­de. Und wohl auch, dass He­cking, 52, der Nach­fol­ger wür­de.

Was das Spiel im Bo­rus­sia-Park pi­kant mach­te. Schließ­lich spiel­te sein wohl künf­ti­ger Klub ge­gen den Ex-Ver­ein, denn in Wolfs­burg war He­cking we­gen Er­folg­lo­sig­keit am 17. Ok­to­ber ent­las­sen wor­den. Ken­ner wis­sen, dass er „wie­der Bock“hat auf ei­nen Trai­ner­job – was er dann im In­ter­view mit der „Süd­deut­schen Zei­tung“be­stä­tig­te: „Ich könn­te schon mor­gen wie­der an­fan­gen.“Das tut er qua­si. In Glad­bach, ver­mut­lich mit ei­nem Ver­trag bis 2019 aus­ge­stat­tet. Be­stä­tigt hat Bo­rus­sia das noch nicht, wahr­schein­lich aber wird heu­te oder mor­gen Voll­zug ge­mel­det.

Glad­bach und He­cking, das gab es schon mal. Er war Po­li­zist in Glad­bach, Di­enst­grad Po­li­zei­meis­ter. Und er wur­de bei Bo­rus­sia Pro­fi. Das war 1983. Still und ru­hig sei er da­mals ge­we­sen, be­rich­ten Zeit­ge­nos­sen, „ein ver­nünf­ti­ger jun­ger Mann“. Und ein of­fen­si­ver Mit­tel­feld­spie­ler, der auch hän­gen­de Spit­ze sein konn­te. Bei­des war er bin­nen der zwei Jah­re als Bo­rus­se nicht oft, er mach­te nur sechs Spie­le.

In­zwi­schen ist He­cking ge­stan­de­ner Bun­des­li­ga­trai­ner und Fa­mi­li­en­va­ter (fünf Kin­der). Er ist (ge­bo- ren in Castrop-Rau­xel, auf­ge­wach­sen in Soest) ein West­fa­le, wie er im Bu­che steht: ehr­lich, ker­nig, bo­den­stän­dig, aber auch stur, al­les in al­lem au­then­tisch. „Es ist nicht mein Stil, mich zu in­sze­nie­ren“, sagt He­cking. Nach 31 Jah­ren kehrt er nun zu­rück nach Glad­bach als lo­gi­scher Trai­ner­kan­di­dat. Lo­gisch, weil er der Jo­baus­schrei­bung, die Eberl ges­tern be­schrieb, in vie­len Punk­ten ent­spricht. Eberl will ei­nen Trai­ner, der Sta­bi­li­tät bringt und dar­auf auf­baut, der dem Team Si­cher­heit, Selbst­ver­trau­en und Spiel­kul­tur zu­rück­gibt, es in an­de­re Ta­bel­len­re- gio­nen in der Li­ga führt, in der Eu­ro­pa Le­ague und im Po­kal mög­lichst er­folg­reich ist und zur Phi­lo­so­phie des Klubs passt. He­cking ist ein er­fah­re­ner Trai­ner; er hat Aa­chen in die Bun­des­li­ga ge­führt; in Nürn­berg bau­te er mit vie­len jun­gen Spie­lern ein schlag­kräf­ti­ges Team auf, mit dem er Sechs­ter wur­de; in Wolfs­burg war er zu­nächst Kri­sen­ma­na­ger, führ­te den VfL dann in die Eu­ro­pa Le­ague, wur­de Vi­ze­meis­ter, Po­kal- und Su­per­cup-Sie­ger und schaff­te in der Cham­pi­ons Le­ague ei­nen auf­se­hen­er­re­gen­den Sieg ge­gen Re­al Ma­drid. Aus der Kri­se in Wolfs­burg, die ihn den Job kos­te­te, hat er „viel mit­ge­nom­men“, zum Bei­spiel: „Ich hät­te in die­ser Pha­se noch mehr auf die Spie­ler ein­wir­ken sol­len, noch mehr ge­gen­steu­ern sol­len“, sag­te der Trai­ner des Jah­res 2015 der „SZ“. Und: „Die Büh­ne Cham­pi­ons Le­ague kann süch­tig ma­chen.“Die­se Sehn­sucht teilt er mit den Bo­rus­sen. Der Weg zu­rück ist aber lang. Klar ist auch, dass He­cking ei­ne neue al­te Fuß­ballspra­che mit­brin­gen wird. Für ihn ist „Pres­sing“noch „vor­ne drauf­ge­hen“. Was er aber vor al­lem zu­rück­brin­gen soll, nennt je­der gleich: Er­folg.

FO­TO: DIRK PÄFFGEN

Der ei­ne war Mön­chen­glad­ba­cher Trai­ner, der an­de­re wird es wer­den: An­dré Schu­bert (links) und Die­ter He­cking.

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