Dar­um schei­ter­te Schu­bert in Mön­chen­glad­bach

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT -

MÖN­CHEN­GLAD­BACH (kk) Viel­leicht war aus­ge­rech­net sein größ­ter Tri­umph als Trai­ner von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach der Keim des Schei­terns für den Fuß­ball-Leh­rer An­dré Schu­bert: das 3:1 ge­gen die Bay­ern am 5. De­zem­ber 2015. Da­mals führ­te er die Drei­er­ket­te ein, zu­vor hat­te er sein Team im 4-4-2 sei­nes Vor­gän­gers Lu­ci­en Fav­re or­ga­ni­siert. Schu­bert ex­pe­ri­men­tier­te, an­ge­regt von Ju­ven­tus Tu­rin in der Cham­pi­ons Le­ague. Tu­rin spiel­te eben­falls die­se De­fen­siv-Va­ri­an­te – in über Jah­re ge­lern­ter Per­fek­ti­on. Der „Schu­bert-Style“wur­de aus­ge- ru­fen, und er galt nun als ei­ner der hips­ten Trai­ner im Lan­de: „Schu­bi­du“, das stand für mu­tig, in­no­va­tiv, mo­dern. So kon­se­quent wie ab März Bo­rus­sia spiel­te kein Bun­des­li­gist die Drei­er­ket­te.

Schu­bert hat tat­säch­lich in­ter­es­san­te An­sät­ze ein­ge­bracht: zu spiel­star­ken Au­ßen­ver­tei­di­gern um­ge­schul­te Au­ßen­stür­mer wie Ibo Tra­o­ré oder den spiel­star­ken Drei­er­an­griff aus Mit­tel­feld­spie­lern. Und dann ist da sein eh­ren­wer­ter An­satz, die Men­schen im Sta­di­on stets un­ter­hal­ten zu wol­len: Lie­ber 4:3 als 1:0, das ist sein Wahl­spruch, wo­mit er qua­si den Ur-Ty­pus des Bo­rus­sen-Spiels spie­gelt: Das war auch das Cre­do des frü­hen Hen­nes Weis­wei­ler. Aber: Ti­tel hol­te der le­gen­dä­re Bo­rus­sen-Trai­ner erst, als er ei­ne sta­bi­le De­fen­si­ve hat­te. Vor­her wa­ren die Foh­len wild, aber nicht meis­ter­lich. Die­se Sta­bi­li­tät, auch ein we­sent­li­ches Merk­mal der gol­de­nen Ära von Lu­ci­en Fav­re, krieg­te Schu­bert nicht hin.

Wohl auch, weil er auf to­ta­le Fle­xi­bi­li­tät setz­te. Die funk­tio­nier­te im Er­folg, doch als es eng wur­de, fehl­te das Si­cher­heits­netz für die Spie­ler, und schließ­lich führ­te das zu to­ta­ler Ve­r­un­si­che­rung. Es gibt kein Sys­tem, das für Schu­bert steht, nur das Wort „Drei­er­ket­te“. Wenn Bo­rus­si­as Fans es in den Mund neh­men, klingt es fast nach Teu­fels­zeug. Es war si­cher nicht die De­fen­siv-Ket­te al­lein, an der Schu­bert ge­schei­tert ist. Doch dürf­te sie zum Sym­bol wer­den da­für. Schu­bert hat zu schnell zu viel ge­wollt seit dem Bay­ernSpiel, statt et­was nach­hal­tig auf­zu­bau­en, war der stän­di­ge Wech­sel sein Prin­zip: im Sys­tem, spie­le­risch, per­so­nell. Auch auf dem Spiel­feld war es ein Auf und Ab, die HeimAus­wärts-Dis­kre­panz be­legt das zum Bei­spiel. Dass der Trai­ner zu­dem nie wirk­lich an­kam bei den Fans, kommt hin­zu. Selbst nach­dem er den Klub von Platz 18 auf Platz vier ge­führt hat­te, gab es kei­ne Bei­falls-Ru­fe. Wäh­rend nach dem letz­ten Heim­spiel der Vor­sai­son ge­gen Le­ver­ku­sen das Team ge­fei­ert wur­de, ging Schu­bert leer aus. Woran es ge­le­gen hat, dass die Fans mit ihm nicht warm wur­den, ist schwer zu sa­gen, doch war dies ein Grund für die la­ten­te Un­ru­he, die sei­ne Zeit als Chef­trai­ner mit­ge­prägt hat. Au­ßer­dem kam Schu­bert nie aus dem Schat­ten von Lu­ci­en Fav­re her­aus.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.