Spie­ler müs­sen selbst Im­pul­se set­zen

Die Win­ter­pau­se, ein neu­er Trai­ner, Neu­ein­käu­fe kön­nen von au­ßen auf die Mann­schaft ein­wir­ken. Sie ist nach der Ent­las­sung von Trai­ner An­dré Schu­bert je­doch selbst in der Pflicht – und erst­mal im Ab­stiegs­kampf.

Rheinische Post Moenchengladbach - - SPORT LOKAL - VON JAN­NIK SORGATZ

Ibra­hi­ma Tra­o­ré mach­te gar kei­ne An­stal­ten, die Flucht an­zu­tre­ten. Schließ­lich ist er der­zeit noch ein Flü­gel­flit­zer a. D. oder viel­mehr ein Flü­gel­flit­zer a. K. – auf Krü­cken. Wenn An­fang 2017 Bo­rus­si­as neu­er Trai­ner über­nimmt, der al­ler Vor­aus­sicht nach Die­ter He­cking hei­ßen wird, dann kann Tra­o­ré nicht mit­ma­chen. Sein Seh­nen­ab­riss in der Leis­te ist längst nicht aus­ge­heilt.

Ges­tern kam er von der Re­ha, als Bo­rus­sia ge­ra­de die Mit­tei­lung her­aus­ge­ge­ben hat­te, dass An­dré Schu­bert nicht län­ger Trai­ner ist. „Es war ein biss­chen in der Luft. Es tut mir leid“, sag­te Tra­o­ré. „Er ist nicht al­lein schuld, wir Spie­ler sind auch schuld, weil wir nicht den Fuß­ball ge­spielt ha­ben, den wir spie­len kön­nen.“Ein we­nig hat es sich zur Huhn-Ei-Fra­ge ent­wi­ckelt, was zu­erst da war: Ein Trai­ner, der sei­ne Spie­ler nicht mehr rich­tig er­reicht hat oder ei­ne Mann­schaft, die für die Ide­en des Trai­ners nicht mehr emp­fäng­lich war? Auch das war am En­de der Schu­bert-Zeit ein Stru­del.

Weit­aus ein­fa­cher ist die Ziel­set­zung für die ers­ten Wo­chen des neu­en Jah­res. „Bei al­ler Stra­te­gie und Phi­lo­so­phie wird es erst ein­mal wich­tig sein, die nö­ti­gen Punk­te zu ho­len, da­mit wir in­ner­halb re­la­tiv kur­zer Zeit wie­der in ru­hi­ge­ren Ge­fil­den in der Bun­des­li­ga ste­hen“, sag­te Sport­di­rek­tor Max Eberl ges­tern. Auch Tra­o­ré stritt nicht ab, dass sich Bo­rus­sia im Ab­stiegs­kampf be­fin­de, be­ton­te aber, dass er sich nicht son­der­lich lan­ge dort un­ten in der Ta­bel­le auf­hal­ten wol­le.

Dass wich­ti­ge Spie­ler wie Tra­o­ré, Patrick Herr­mann, Chris­toph Kra- mer und Fa­bi­an John­son zu­rück­keh­ren, wird ei­ne Be­din­gung sein, da­mit Bo­rus­sia wie­der er­folg­reich. Ge­zwun­ge­ner­ma­ßen wird es al­ler­dings nicht die Ers­te sein.

Wer auch im­mer ver­pflich­tet wird in der Win­ter­pau­se, dürf­te am 21. Ja­nu­ar 2017 im Aus­wärts­spiel beim SV Darm­stadt gu­te Chan­cen auf ei­nen Star­tel­f­ein­satz ha­ben. Oder an­ders aus­ge­drückt: Die ein, zwei Spie­ler, die kom­men, müs­sen die­ses Po­ten­zi­al mit­brin­gen. Eberl hat in zwei pre­kä­ren Si­tua­tio­nen ge­zeigt, dass er auch im Winter die rich­ti­gen Leu­te ho­len kann. 2008/ 2009 (18. Platz, elf Punk­te) ka­men Dan­te, Lo­gan Bail­ly und To­mas Galá­sek, 2010/2011 (18. Platz, zehn Punk­te) dann Mi­ke Han­ke, Mar­tin Stranzl, Ha­vard Nordtveit und Micha­el Fink (als Leih­ga­be). Das Wort „Im­puls“be­nutz­te Eberl in der of­fi­zi­el­len Mit­tei­lung zur Schu­ber­tEnt­las­sung. Trans­fers wer­den ei­ner sein, die Ide­en des neu­en ein an­de­rer.

Was den Rest an­geht, ist die Mann­schaft in der Pflicht. „Ich glau­be, das ist je­dem in der Ka­bi­ne be­wusst“, sag­te Tra­o­ré. Die­ses Be­wusst­sein muss auch wie­der auf dem Platz zu se­hen sein, ge­gen Wolfs­burg war es nur noch die frap­pie­ren­de Ve­r­un­si­che­rung. Da spiel­te Yann Som­mer Ju­li­an Drax­ler den Ball in die Fü­ße, als sei der Na­tio­nal­spie­ler ei­ner der Winter-Neu­zu­gän­ge. Os­car Wendt igno­rier­te beim 0:1 völ­lig, was in sei­nem Rü­cken pas­sie­re. Ni­co El­ve­di rutsch­te weg wie Bam­bi auf dem Eis. Die­se Lis­te lie­ße sich pro­blem­los fort­set­zen. Vor neu­en Im­pul­sen be­nö­tigt die Mann­schaft vor al­len Din­gen ei­nes: ei­ne Pau­se.

Der Kern war schon da, als Lu­ci­en Fav­re vor 15 Mo­na­ten zu­rück­trat. Dass es kei­ne rich­ti­gen „Bad Cops“in der Mann­schaft gibt, hat Wendt zu­letzt im In­ter­view mit un­se­rer Re­dak­ti­on ge­sagt. Bo­rus­si­as ru­hi­ges Ge­müt war zu­letzt ein Nach­teil, in der kri­ti­schen Pha­se un­ter dem In­te­rims­trai­ner Schu­bert hat sie da­mals eher da­von pro­fi­tiert – weil emp­fäng­lich war für ein­fa­che, fast schon bil­li­ge Im­pul­se.

Tra­o­ré mein­te ges­tern, dass Schu­bert das Team nicht über­for­dert ha­be mit Sys­tem­wech­seln. „Ob wir 3-5-2 oder 4-4-2 spie­len, macht kei­nen Un­ter­schied“, sag­te er. Schließ­lich sei­en al­le Pro­fis. Den­noch dürf­te es be­son­ders den jun­gen Spie­lern wie Ni­co El­ve­di und Mo Dahoud hel­fen, wenn sie in den nächs­ten Mo­na­ten strin­gen­te­re Vor­ga­ben an die Hand be­kom­men. He­cking hat in Wolfs­burg meist ein 4-2-3-1 spie­len las­sen. Egal wo­für er sich in Glad­bach ent­schei­det, wie 2015 wird es Ge­win­ner und Ver­lie­rer ge­ben. Und viel­leicht be­en­det al­lein schon die­se Art des Kon­kur­renz­kamp­fes die phleg­ma­ti­sche Pha­se.

FO­TO: IM­A­GO

Ibra­hi­ma Tra­o­ré und Raf­fa­el müs­sen noch ei­ne Wei­le war­ten, bis sie wie­der zu­sam­men ju­beln kön­nen: Ers­tens ist Win­ter­pau­se, zwei­tens wird Flü­gel­flit­zer Tra­o­ré noch län­ger ver­letzt aus­fal­len.

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